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[ Gesundheit ]

Fit für die Schule

Auf den Philippinen führen Schulen einfache und wirkungsvolle Programme zur Vorbeugung häufiger Kindererkrankungen ein. Das ist ein Modell für sinnvolle Politikgestaltung.


[ Von Bella Monse, Habib Benzian und Ralf Panse]

Das allgemeine Gesundheitswesen spielt eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Lebensbedingungen armer Menschen. Das betonte die WHO-Kommission für soziale Determinanten von Gesundheit kürzlich in einem Gutachten (CSDH, 2008). Bei dessen Veröffentlichung hob Margret Chan, Generaldirektorin der WHO, die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen hervor. „Wir können uns die Art, in der wir das Gesundheitswesen heutzutage betreiben, ohne die Einrichtung und Durchführung von mehr Vorsorge einfach nicht leisten.“

Schulen sind ein guter Ort, um Vorsorge-Maßnahmen zu beginnen. Auf dem World Education Forum im Jahr 2000 in Dakar vereinbarte die WHO, mit UNICEF, ­UNESCO und Weltbank bei der Förderung und Einrichtung von Gesundheitsprogrammen in Schulen zusammenzuarbeiten. Als Richtlinie wurde der „Focussing Resources on Effective School Health“-(FRESH-)Rahmen entwickelt. Er empfiehlt, sich auf Maßnahmen zu konzentrieren, die überall durchführbar sind, auch in ressourcenarmen Schulen gering und durchschnittlich verdienender Länder.

In allen Ländern basiert Entwicklung auf Bildung. Damit Kinder fit für die Schule sind, müssen sie gesund sein. Kranke Kinder können sich nicht konzentrieren oder aktiv am Unterricht teilnehmen. Gesunde Kinder gehen regelmäßig zur Schule und profitieren davon. Schul-Gesundheitsprogramme können somit die Ressourcen für Bildung, Gesundheit, Ernährung und Hygiene an einem Ort zusammenführen: in der Schule. Und dieses System erreicht eine Mehrheit der Kinderbevölkerung zwischen sechs und 12 Jahren.

Auf den Philippinen wurde der FRESH-Ansatz im Rahmen des sogenannten „Fit for School“-Programms eingeführt. Es fördert ein Gesundheitsgrundpaket und nimmt sich der häufigsten Krankheiten philippinischer Kinder an. Neuesten Studien zufolge
– haben fast alle Kinder schwere Karies,
– leiden zwei Drittel aller Kinder an Darmwürmern und
– hat ein Drittel der Kinder einen unterdurchschnittlichen Körpermasseindex.

Früher wurden diese Probleme von der Gesellschaft als normal empfunden und somit vom philippinischen Gesundheitssystem vernachlässigt. Aber natürlich haben sie gravierende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder, auf ihre Anwesenheit in der Schule, ihre Lebensqualität und ihre Resistenz gegen ernstere, möglicherweise lebensbedrohliche Krankheiten. Wurmbefall etwa verursacht Blutarmut, reduziertes Körperwachstum, verlangsamte Motorik und schlechtes geistiges Wachstum.

Kinder mit Zahnweh können nicht essen, schlafen oder sich in der Schule konzentrieren, ihr Wachstum und ihre Entwicklung werden beeinträchtigt. Armut ist ein Schlüsselfaktor für Gesundheit. Ob in der Schule oder zu Hause: Überfüllte Gebäude und Mangel an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen sind Ursache für viele Krankheiten – wie auch der Mangel an gesunden und angemessenen Nahrungsmitteln. Eine problematische Umgebung nimmt Kinder lebenslänglich in einen Kreislauf der Armut gefangen. Das „Fit for School“-Programm greift mit grundlegenden Routinemaßnahmen ein, und zwar durch
– tägliches beaufsichtigtes Händewaschen mit Seife vor der Pause,
– tägliches beaufsichtigtes Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und
– halbjährliche Entwurmungskuren für alle Kinder.

Die Kosten sind relativ gering. Die nötigen Materialien (Zahnbürsten, Zahn­creme, Seife und Arzneimittel zur Entwurmung) kosten weniger als einen halben Euro pro Kind und Jahr. Richtig umgesetzt, hat das Programm enorme Auswirkungen auf die Gesundheit. Ausgewählte Evaluationen des Programms bestätigen Erkenntnisse aus der internationalen Fachliteratur:
– ansteckende Krankheiten wie Durchfall und Erkrankungen der Atemwege werden um 30 bis 50 Prozent reduziert,
– der Kariesbefall sinkt um 40 bis 50 Prozent,
– Wurminfektionen verringern sich um 80 Prozent,
– die Anzahl an Kindern unterdurchschnittlicher Größe und unterdurchschnittlichen Gewichts geht um 20 Prozent zurück und
– die Anwesenheit in der Schule steigt um 20 bis 25 Prozent.


Gemeinsam handeln

Das „Fit for School“-Programm wird von angemessen geschulten Lehrern und Schulleitern umgesetzt, nicht von Gesundheitspersonal oder Gemeindearbeitern. Natürlich müssen sich auch die Eltern aktiv beteiligen. Die ganze Schulgemeinschaft muss Verantwortung für Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen übernehmen.

Schulen ermöglichen tatsächlich einen guten Einstieg, um gemeinschaftliche Aktionen zu fördern. Fast alle Dörfer auf den Philippinen haben eine Grundschule, und fast alle Dorfbewohner gehören zur Schulgemeinde, ob als Schüler, Lehrer, Eltern oder Verwandte. Die Kinder verbringen fast den ganzen Tag in der Schule, und sie können zu Vermittlern des Wandels werden, denn sie bringen Wissen mit nach Hause, das das Verhalten der ganzen Familie verändern kann. Das „Fit for School“-Programm ermöglicht somit auch, das Wasser- und Reinlichkeitsbewusstsein außerhalb der Schule zu verbessern.

Da das Gesundheitswesen auf den Philippinen dezentral verwaltet wird, gehört die Finanzierung der Gesundheitspflege zu den örtlichen Aufgaben. Kommunal- und Regionalverwaltungen stellen die für Fit for School benötigten Mittel. Derzeit wird das Programm vom philippinischen Bildungsministerium in enger Kooperation mit 20 verschiedenen Kommunalverwaltungen umgesetzt. In einigen Provinzen läuft das Programm als Pilotprojekt, andere haben es bereits in allen Provinzschulen fest eingerichtet.

Fit for School wurde aus einem fünfjährigen Gesundheitsprogramm in der Misamis-Oriental-Provinz auf der Insel Minda­nao entwickelt. Anfangs führte es eine nichtstaatliche deutsche Organisation gemeinsam mit dem Bildungsministerium durch. 2003 wurden Fluoridzahnpflegeprogramme in Pilotschulen in Cagayan de Oro eingeführt, die die Stadtverwaltung finanzierte. Die Erforschung kostengünstiger Interventionsmöglichkeiten wurde von den Zentren für Zusammenarbeit der Weltgesundheitsorganisation in Nijmegen in den Niederlanden und in Jena unterstützt. Diese Initiativen waren Basis des umfangreicheren „Grundhygieneprogramms", zu dem neben dem Zähneputzen das tägliche Händewaschen in den Schulen gehört.

2005 und 2006 führte das Bildungsministerium auf nationaler Ebene eine Studie über Mundgesundheit und Ernährungsniveau der Grundschulbevölkerung in allen Regionen des Landes durch. Anschließend betonten strategische Arbeitsgruppen den Bedarf an umfassenden vorbeugenden Gesundheitsmaßnahmen in Schulen. Im vergangenen Jahr führte die Provinz Misamis- Oriental das Projekt erstmals in allen Tagesstätten und öffentlichen Grundschulen ein. 110 000 Kinder werden darin betreut, finanziert wird das Gesundheitsbudget komplett von der Provinz.

In diesem Jahr haben 19 weitere philippinische Provinzen das „Fit for School“-Programm in Pilotgebieten eingeführt. Die deutsche staatliche Hilfsorganisation GTZ unterstützte das Projekt, indem sie Material für 100 000 Kinder bereitstellte. Es gibt Pläne, die Maßnahmen auf das Gesamtgebiet der Provinzen auszudehnen. Aktuell haben eine halbe Million Kinder Zugang dazu – insgesamt gibt es 12 Millionen Kinder in den Grundschulen. Das Ziel ist, mindestens die Hälfte von ihnen in den nächsten drei Jahren zu erreichen.

Der Gesamtprozess wird seit vier Jahren unterstützt. Dazu gehört
– eine nationale Schulgesundheitsstudie,
– strategische Planung,
– Treffen mit Verwaltungsbehörden zur Abstimmung von Budgetmitteln,
– Kapazitätsausweitung,
– Förderung der Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Gesundheitswesen und schließlich
– die Überwachung und Auswertung.

InWEnt und Privatunternehmen wie GlaxoSmithCline spielten dabei eine zentrale Rolle. Das CIM stellte einen Gesundheitsexperten für das philippinische Bildungsministerium bereit.


Schlüsselkomponenten

Grundschulerziehung, Senkung von Kindersterblichkeit und -erkrankungen sowie besserer Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen sind Schlüsselkomponenten zur Erreichung der UN-Entwick­lungsziele. Schulen sind geeignete Orte, Kinder und Familien bei der Gesundheitsvorsorge zu unterstützen und generell eine gesunde Lebensweise zu fördern. Der Erfolg hängt aber davon ab, dass Gesundheits- und Erziehungswesen zusammen arbeiten.

Kürzlich erregte das „Fit for School“-Programm internationale Aufmerksamkeit. Die FDI World Dental Federation und ihre Partner aus dem Privatsektor planen eine neue öffentlich-private Partnerschaft mit der GTZ. Basierend auf den Erfahrungen mit dem „Fit for School“-Programm will man nun andere Länder beim Einrichten ähnlicher Präventionsprogramme unterstützen.

E+Z, 2008/11, InWEnt Forum, Seite 434-435

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Nr. 11 2008, 49. Jahrgang, November 2008

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