[ Energie ]
Versteckte Kosten
Die „Tank oder Teller“-Debatte hat Biokraftstoffe als Hungertreiber dämonisiert. Ein genauer Blick zeigt, dass die Situation komplexer ist. Klar ist dennoch, dass Biokraftstoffe keine so gute Alternative sind wie zunächst gedacht.
Diese Dynamiken lassen sich in einem globalen Markt nur schwer nachvollziehen. So kann etwa die Umstellung einer tansanischen Farm auf Biokraftstoff zur Rodung von Regenwäldern in Thailand oder Brasilien führen. Deshalb sprachen sich die Teilnehmer einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum für ein weltweites Bodenmanagement aus.
Einfacher gesagt als getan. Das weltweite Management von Ressourcen erfordert sowohl genaue Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten als auch eine effektive staatenübergreifende Verwaltung. Viele grundlegende Daten existieren aber nicht, meint Mirella Salvatore vom UN-Projekt für Bioenergie und Nahrungssicherheit.
Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssten alle sinnvollen Ansätze zur Produktion von Biokraftstoffen genutzt werden, meinen die Experten vom Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen der deutschen Bundesregierung (siehe E+Z Februar, S. 74f.). So wird vorgeschlagen, den Anbau von Energiepflanzen nur auf schlecht zugänglichem und minderwertigem Land zuzulassen, und vor allem widerstandsfähige Pflanzen wie Jatropha oder Rizinus anzubauen, die auch auf trockenen Böden wachsen. Trotzdem gibt es versteckte Kosten. So kann der Anbau von Ölpflanzen Wandervölker in städtische Slums abdrängen, weil er ihnen die Lebensgrundlage entzieht, meint Negusu Aklilu von der äthiopischen Organisation Forum for Environment.
Zudem sei der Ertrag von anspruchslosen Pflanzen wie Jatropha oder Rizinus unter schlechteren Bedingungen auch geringer. Das aber schreckt internationale Investoren ab. Zu oft werden deshalb zugängliche und fruchtbare Grundstücke von Kleinbauern enteignet, um langfristige Verträge mit ausländischen Firmen zu vereinbaren. Hamimu Hongo von der tansanischen Firma Felisa berichtet, dass viele Kleinbauern so auf schlecht zugängliches Land abgedrängt würden.
Experten sind sich daher einig, dass die lokale Versorgung immer wichtiger sei als der Export. Das schließt verantwortungsvolle Investitionen in Energiepflanzen aber nicht aus. In Brasilien etwa werden sozial verantwortliche Investoren gefördert. Quoten für Kleinbauern garantieren diesen ihr Einkommen.
Will Swanson
E+Z, 2009/06, Monitor, Seite 229





