After the quake: For the moment many find shelter in refugee camps. © picture-alliance/dpa
[ Haiti ]
Gefährliche Flüchtlingslager
Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 kommt der Wiederaufbau in Haiti kaum voran. Viele Menschen leben immer noch in Flüchtlingslagern. Besonders für viele Frauen sind das gefährliche Orte – denn Vergewaltigungen werden immer häufiger. Und die Opfer sind oft nicht mal volljährig.
Aber auch wenn die Vergewaltigten einen Täter identifizieren können, werden diese nicht strafrechtlich verfolgt. Es gibt zu wenig Polizisten; und die sind zudem schlecht ausgebildet und oft auch sexistisch. Außerdem fürchten die Opfer Rache, falls ihre Vergewaltiger belangt würden. Diese Straflosigkeit führt zu einer Kultur des Schweigens und zur Normalisierung von Vergewaltigungen und Bandengewalt.
Dazu tragen auch die mangelhaft ausgestatteten staatlichen Krankenhäuser bei. So finden etwa die Gespräche zwischen Krankenhauspersonal und Vergewaltigten in aller Öffentlichkeit statt und Vergewaltigungen werden nicht registriert. Internationale Frauen- und Menschenrechtsorganisationen prangern diese Missstände an und weisen darauf hin, dass die offiziellen Zahlen nur einen minimalen Anteil der Vergewaltigungen erfassen. So registrierte die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen im April 2010 in einer einzigen mobilen Krankenstation 68 Vergewaltigungen. Die Basisorganisation KOFAVIV (Kommission von betroffenen Frauen für betroffene Frauen) dokumentierte in den von ihr betreuten 15 Lagern allein im Februar und März 2010 sogar mehr als 230 Fälle.
US-amerikanische Juristinnen und lokale Frauenorganisationen haben ermittelt, dass die Mehrzahl der vergewaltigten Mädchen unter 18 Jahren sind. Die Menschenrechtsexpertinnen, die in Zusammenarbeit mit der Frauenorganisation MADRE im Mai und Juni 2010 etliche Lager besuchten, schätzen zudem, dass drei Prozent der Lagerbewohnerinnen Opfer von Vergewaltigungen sind. Nach ihrer Einschätzung sind vor allem alleinstehende Frauen und deren Töchter betroffen. Ihr Bericht wurde Ende Juli auf der Website von MADRE veröffentlicht.
Rita Schäfer
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E+Z, 2010/09, Monitor, Seite 313




