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Ernährungssicherheit

Afghanistan droht eine gewaltige humanitäre Krise

von Jörg Döbereiner

In Kürze

Afghanistan steht am Rande der weltweit schlimmsten humanitären Krise, wie das Welternährungsprogramm der UN (World Food Programme – WFP) warnt. Die derzeitige Lebensmittelknappheit in dem Land könnte laut WFP selbst die Krisen in Äthiopien, Südsudan, Syrien und Jemen übertreffen.

Grundlage für diese alarmierende Einschätzung ist ein Bericht, den WFP und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (Food and Agriculture Organization – FAO) gemeinsam im Oktober herausgegeben haben – die „IPC Acute Food Insecurity Analysis“.

Laut dem Bericht litten im September und Oktober 2021 knapp 19 Millionen Menschen in Afghanistan an akuter Ernährungsunsicherheit. Diese Zahl werde zwischen November 2021 und März 2022 voraussichtlich auf 22,8 Millionen steigen. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ist von Hunger bedroht, darunter 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren, von denen viele bis zum Ende des Jahres an Unterernährung leiden werden. Im ganzen Land sind Menschen betroffen – auch in den Städten.

In den vergangenen vier Jahren erlebte Afghanistan zwei schwere Dürren mit massiven Auswirkungen auf die Getreideernte und den Viehbestand. Die Lebensmittelpreise schossen in die Höhe. Schon vor der Machtübernahme durch die Taliban im Sommer 2021 war das Land auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Mittlerweile hat sich die Situation verschärft: Öffentliche Dienstleistungen sind zusammengebrochen, ebenso das Finanzsystem. Die Arbeitslosigkeit steigt, und Covid-19 verschlimmert die Lage.

Vor einem Jahr lebten in Afghanistan bereits 3,5 Millionen Binnenflüchtlinge (internally displaced persons – IDPs). Sie sind besonders gefährdet. Die UN schätzt, dass mindestens 660 000 weitere Menschen von Januar bis September dieses Jahres vertrieben wurden. (Einer der vielen Afghanen, die ihr Land verließen, ist ein Journalist, der derzeit in Köln lebt. Er erzählt seine Geschichte auf unserer E+Z/D+C-Plattform.)

Im September hat das Welternährungsprogramm Nothilfe für etwa 4 Millionen Afghanen geleistet. Im Dezember sollen es 9 Millionen sein. Allerdings fehlt es noch an Finanzierung. Deshalb ruft WFP die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, die humanitäre Hilfe aufzustocken und Afghanistan stärker in den Handel mit Lebensmitteln einzubeziehen. „In diesem Winter werden Millionen Afghanen dazu gezwungen sein, sich zwischen Flucht und Verhungern zu entscheiden, wenn wir unsere Hilfsmaßnahmen nicht verstärken und die afghanische Wirtschaft nicht wiederbelebt wird“, sagt WFP-Direktor David Beasley.


Link
Welternährungsprogramm der UN:
https://www.wfp.org/news/half-afghanistans-population-face-acute-hunger-humanitarian-needs-grow-record-levels


Jörg Döbereiner ist Redakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/D+C Development and Cooperation.
[email protected]
 

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