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Plastik

Gewinn und Mitarbeiterzufriedenheit in Einklang

von Genesis Ehimegbe, Ronald Ssegujja Ssekandi

In Kürze

Mitarbeiterinnen von Coliba in der Recyclinganlage.

Mitarbeiterinnen von Coliba in der Recyclinganlage.

Coliba ist ein junges Unternehmen im formellen Sektor, das sich auf Kunststoff-Recycling in Abidjan in der Elfenbeinküste spezialisiert hat. Einer ihrer Topmanager erklärt das Geschäftsmodell im E+Z/D+C-Interview.

Inwiefern ist Plastikmüll ein Problem in ­Ihrem Land?
Die Elfenbeinküste recycelt nur etwa drei Prozent des verwendeten Plastiks. Im Ballungsraum Abidjan mit mehr als fünf Millionen Einwohnern fallen täglich 290 Tonnen Plastikmüll an und landet fast komplett in der Umwelt. Er ist überall, auch im Ozean. Bisher wird das Problem kaum angegangen. Doch auch in Afrika wächst trotz vieler anderer Probleme langsam das Bewusstsein für Umweltschutz. Wir sehen die Chance, gute Arbeitsplätze für Menschen benachteiligter Gemeinschaften zu schaffen.

Was macht Ihr Unternehmen?
Wir haben eine App entwickelt, die Haushalte und kleine Unternehmen mit unseren Abfallsammlern verbindet. Für das Sammeln des Plastikmülls erhalten die Haushalte Punkte, die sie wiederum für Grundnahrungsmittel eintauschen können. Die informellen Sammler werden bezahlt. Jährlich kommen wir auf 1500 Tonnen. In unserer  Recycling-Anlage wandeln wir das gesammelte PET in hochwertige Plastik-Flakes um, die wieder für die Kunststoffherstellung genutzt werden. Der afrikanische Markt ist noch klein, also verkaufen wir die Flakes an europäische Kunden. Wir schützen nicht nur die Umwelt, sondern schaffen auch Arbeitsplätze. Derzeit haben wir 35 Vollzeitmitarbeiter, inklusive  Management und Personal der Recycling-Anlage. 75 Prozent unserer Mitarbeiter sind Frauen. Außerdem bieten wir mehr als 100, meist weiblichen Abfallsammlern Arbeit. Für viele Menschen hier ist informelles Abfallsammeln die Lebensgrundlage. Wir glauben, dass ein Unternehmen sich um seine Mitarbeiter kümmern muss, deshalb tun wir unser Bestes, um Gewinn und Mitarbeiterwohl in Einklang zu bringen.

Schreibt Coliba schwarze Zahlen? Und wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?
Bis 2023 wollen wir schwarze Zahlen schreiben. Unser Gesamtumsatz liegt derzeit unter einer Million Euro pro Jahr. Um ein Recycling-Unternehmen profitabel zu machen, werden riesige Mengen an Kunststoff benötigt. Wir investieren in Müllsammlung und eine neue Recycling-Anlage, um in vier Jahren 15 000 Tonnen verarbeiten zu können. Dann wollen wir 350 Festangestellte und 6000 informelle Abfallsammler beschäftigen. Darüber hinaus planen wir, unser Geschäft auf andere westafrikanische Länder wie Senegal oder Nigeria auszudehnen.

Kunststoff-Recycling ist schwierig. Da verschiedene Kunststoffarten immer wieder gemischt werden, sinkt im Laufe der Zeit die Qualität. Wie gehen Sie damit um?
Richtig, die Qualität von recyceltem Kunststoff hängt hauptsächlich von guter Sortierung ab. Deshalb sammeln wir direkt an der Quelle. Außerdem schulen wir informelle Sammler darin, Müll besser zu trennen. Mit optischen Sortiermaschinen könnten wir einen Großteil dieses Problems lösen. Wir konzentrieren uns auf PET-, HDPE-, PP- und PE-Kunststoffe, da diese recyclebar und weniger giftig sind.

Wie schützen Sie Mitarbeiter und Müllsammler vor Gift und Hygienemängeln?
Die Sicherheit unserer Mitarbeiter ist sehr wichtig. Wir kennen die Risiken, deshalb stellen wir Schutzausrüstung wie Handschuhe und Masken sowie Seife zur Verfügung. Das ist Standard in unserer Recycling-Anlage und gilt auch für die Müllsammler. In der Corona-Pandemie ist das noch wichtiger geworden. Wir hätten es uns nicht leisten können zu schließen, und Home Office ist für Abfallsammler und im Recycling keine Option. Nur zehn unserer Mitarbeiter können von zu Hause arbeiten. Darauf haben wir auch bestanden. Die Pandemie hat uns aber ein Stück weit gebremst. Viele Restaurants und Hotels, die Plastikmüll produzieren, waren geschlossen. Gleichzeitig bekamen wir weniger Abfall aus Haushalten und Privatunternehmen, weil die Leute zögerten, Fremde in ihre privaten Räume zu lassen.


Genesis Ehimegbe ist Mitgründer und Geschäftsführer von Coliba. Das Unternehmen wird von Greentec unterstützt, einem Frankfurter Investmentfonds, der sich auf umweltfreundliche Unternehmen in Entwicklungsländern spezialisiert hat.
[email protected]
Twitter: ehi_genesis / ColibaCIV

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