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Sommer-Special

„Ich kann so viel Wissen über Afrika weitergeben“

von Valerie Viban, Linda Engel

In Kürze

Valerie Viban

Valerie Viban

Valerie Viban aus Kamerun ist 26 Jahre alt und hat Internationale Beziehungen studiert. Bevor er seinen einjährigen Freiwilligendienst im Juli 2016 in Deutschland begann, arbeitete er in Teilzeit für eine kamerunische Partnerorganisation von Brot für die Welt.

Valerie, Sie arbeiten als Freiwilliger für die Stiftung Partnerschaft mit Afrika in Potsdam. Was macht die Stiftung?
Sie initiiert Projekte zwischen Deutschland und unterschiedlichen afrikanischen Ländern und konzentriert sich dabei meist auf die Zivilbevölkerung. Wir versuchen, Wissen über afrikanische Länder in Deutschland zu vermitteln und umgekehrt. Die Stiftung fördert außerdem kulturelle Begegnungen.

Was arbeiten Sie in der Stiftung?
Innerhalb des Jahres habe ich mit unterschiedlichen afrikanischen Organisationen Kontakte geknüpft und an verschiedenen Projekten mitgearbeitet. Beispielsweise arbeiten wir an einem Austauschprogramm zwischen Schulen in Namibia und Potsdam. Ich habe auch die Aktivitäten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden im vergangenen Oktober unterstützt. Zusammen mit Dynamo Dresden haben wir das Thema afrikanische Fußballspieler in Europa aufgegriffen.

Leider wurden die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit von fremdenfeindlichen Demonstrationen in Dresden überschattet. Wie haben Sie den Tag erlebt?
Ich war insgesamt für drei Tage in Dresden. Die ersten zwei Tage habe ich sehr genossen, aber der dritte Tag war wegen der Kundgebungen schrecklich. Während wir mit unserem Diversitäts-Chor auftraten, wurde ich sogar beleidigt.

Sind Sie generell mit Rassismus konfrontiert worden?
Nein, insgesamt ging es mir hier sehr gut ,und es war wahrscheinlich das unvergesslichste Jahr meines Lebens. Ich wohne in einer wunderbaren Gastfamilie in Potsdam, die ich mittlerweile als Teil meiner Familie betrachte. Außerdem habe ich tolle Kollegen, die mir bei Sprachschwierigkeiten zu Beginn halfen. Ich habe auch einige Vorurteile über Deutschland abgelegt. In Kamerun gelten Deutsche als streng, kalt und unfreundlich. Aber eigentlich brauchen Deutsche einfach nur länger, um Freundschaften zu schließen.

Sie bezeichnen sich in den sozialen Medien selbst als Aktivist. Was heißt das?
Ich bin sozial engagiert und versuche mich für Dinge einzusetzen, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden. Ich engagiere mich zum Beispiel dafür, die Qualität von Bildung zu verbessern. Dabei spielt meine eigene Geschichte eine wichtige Rolle. Ich bin in einem Dorf ohne fließendes Wasser und Elektrizität aufgewachsen. Aber mein Vater hat mir eine kleine Bibliothek gegeben, und ich fing bereits mit fünf Jahren an zu lesen. Nun versuche ich Lesen vor allem in ländlichen Gegenden Kameruns zu fördern. Zusammen mit anderen Leuten habe ich zudem Lobbyarbeit betrieben, um kamerunische Mädchen aus Kuwait zu befreien. Tausende junger Mädchen gehen nach Kuwait in der Hoffnung auf  gute Arbeit. Sobald sie in Kuwait sind, werden sie gezwungen, als Haushaltshilfen zu arbeiten, und haben nicht die Mittel, wieder zurückzukommen. Wir wollten, dass die kamerunische Regierung tätig wird und diese Form von Menschenhandel verhindert.

Was kann Ihre Gastorganisation von Ihnen lernen?
Ich kann so viel Wissen über Afrika weitergeben und speziell über Kamerun. Die meisten meiner Kollegen waren noch nie in Afrika, und ich kann ihnen Informationen aus erster Hand geben. In meiner Freizeit habe ich auch bei einem Filmprojekt namens „Draufsicht“ mitgemacht. Wir haben Kurzfilme über entwicklungspolitische Themen produziert und sind dafür nach Kamerun gereist. Einige der Filme sind schon auf YouTube abrufbar: https://www.youtube.com/user/Draufsichtable.

Was werden Sie nach Ihrer Erfahrung in Deutschland mit nach Hause nehmen?
Ich denke, dass die deutsche Art, Workshops durchzuführen, praktischer ist. In Kamerun wird sehr viel mit Power Point gearbeitet. In Deutschland habe ich gelernt, Stellwände und Rollenspiele einzusetzen, und das werde ich in meine zukünftige Arbeit integrieren. Für mich persönlich habe ich viel zum Thema Zeitplanung gelernt. Mein Leben wird nun von einem kleinen Kalender gemanagt. Ich mag auch die direkte Kommunikation der Deutschen. Ich werde das Gleiche in Kamerun versuchen und auch anderen beibringen, wenn sie möchten. Außerdem bin ich liberaler und toleranter geworden. Insgesamt kann man natürlich nur die direkten Bekannten erreichen und nicht ein ganzes Land ändern.


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