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Stadtentwicklung

Inklusive Städte

von Monika Hellstern

In Kürze

Die Gemeinde Soweto in Johannesburg, mit einkommensschwachen Wohnungen im Vordergrund und wohlhabenden Vororten im Hintergrund.

Die Gemeinde Soweto in Johannesburg, mit einkommensschwachen Wohnungen im Vordergrund und wohlhabenden Vororten im Hintergrund.

Städte können Wohlstand fördern und Entwicklung vorantreiben. Sie sind jedoch häufig Räume drastischer sozialer Ungleichheit. In einer Studie des Institute of Development Studies (IDS) in Sussex analysieren Ivan Turok und Justin Visagie, was inklusive Stadt­entwicklung in Südafrika bedeuten würde.

Die Annahme, dass arme Gemeinden von Wirtschaftswachstum und Wohlstandsgewinnen profitieren, ist für die Autoren nicht mehr überzeugend. Mittlerweile ist das Konzept der inklusiven Entwicklung weit verbreitet. Es verbindet eine dynamische Wirtschaft mit Gleichheit und sozialer Integration. Turok und Visagie identifizieren vier Hauptmerkmale inklusiver Entwicklung:

  • Sie geht über das Einkommen hinaus und ist mit Querschnittsthemen wie Geschlecht und Hautfarbe befasst.
  • Sie berücksichtigt, wer zugehörig ist oder ausgeschlossen wird und wer dabei Gestaltungsmacht hat.
  • Sie untersucht die Ursachen und Treiber von Armut und Wohlstand und
  • sie sieht soziale Inklusion als Teil wirtschaftlicher Prozesse und nicht nur als Ergebnis.

Die Studie baut auf einer weiteren Analyse auf, dem Rockefeller Inclusive Economies Framework, die relevante Indikatoren liefert. Diese Indikatoren helfen zu verstehen, warum eine Volkswirtschaft nicht inklusiv ist und wie sie gerechter, partizipativer, nachhaltiger, stabiler werden und mehr wachsen kann.

Inklusive Entwicklung ist ein Dauerthema in nationalen Diskursen in Südafrika. Die Einkommens- und Vermögensniveaus in Südafrika sind sehr ungleich, und die soziale Mobilität zwischen den Generationen ist gering, schreiben die Autoren. Die Arbeitslosenquote liegt je nach Messmethode zwischen 26 Prozent und 40 Prozent. Bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind es sogar 55 Prozent. Zudem gibt es große Unterschiede hinsichtlich Gesundheit, Bildung, Wohnen, Zugang zu Wasser, sanitäre Einrichtungen und so weiter.
Räumliche Disparitäten sind oft in der Geschichte verwurzelt, wie Turok und Visagie zeigen. Mehr als 80 Prozent der Landbevölkerung lebt unter der Armutsgrenze von 1300 Rand (cirka 77 Euro) pro Person und Monat – doppelt so viele wie in Ballungszentren. Zwei Drittel der ländlichen Haushalte sind auf Sozialhilfe angewiesen. Im Jahr 2016 waren mehr Menschen Sozial­hilfeempfänger als Arbeitnehmer. Durch Umverteilung will die Regierung Armut lindern, sie konnte bisher jedoch weder wirtschaftlichen Fortschritt noch soziale Mobilität in Gang setzen.

Viele Erwachsene ziehen auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Dort sind die Berufsaussichten besser, wie die Zahlen der Studie zeigen, aber Binnenmigranten sind auf spezifische Weise gefährdet. Viele wohnen in informellen Siedlungen mit schlechter Versorgung. Um inklusiver zu werden, müssten Städte bezahlbaren Wohnraum, bessere Basisdienstleistungen und Qualifizierungsmaßnahmen bereitstellen.

Ausgrenzung auf Grund von Hautfarbe ist besonders auffällig in südafrikanischen Städten. Die Einkommen weißer Haushalte sind drei- bis viermal höher als diejenigen schwarzer Haushalte. Letztere müssen daher meist außerhalb der Stadtzentren wohnen und pendeln kostet sie mehr Zeit und Geld, schreiben die Autoren. Die besten Schulen und Gesundheitseinrichtungen sind eher zentrumsnah, wo auch Sicherheits- und Erholungsräume besser sind.

Wohneigentum in den Städten ist für viele nicht-weiße Haushalte unerschwinglich, sodass räumliche Segregation zu sozialer Segregation führt. Städten fehlt es an attraktiven öffentlichen Räumen, in denen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenkommen können. Dies verstärkt die Tendenz der Gruppenbildung, die in Parallelgesellschaften leben, warnen Turok und Visagie.

Die Autoren sehen drei Prioritäten für inklusive Entwicklung in Südafrika:

  • Der Staat sollte aktive Bürger unterstützen, zum Beispiel wenn Menschen Unternehmen gründen, auf Jobsuche gehen oder sich politisch engagieren.
  • Städte können die wirtschaftliche Inklusion fördern. Der Staat sollte helfen, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen und Unternehmertum zu erleichtern.
  • Um Entwicklung voranzutreiben, müssen Regierungsbehörden und Privatsektor zusammenarbeiten und dabei lokale Organisationen und Gemeinschaften einbeziehen.


Link
Turok, I., Visagie, J., 2018: Inclusive urban development in South Africa. What does it mean and how can it be measured?
http://opendocs.ids.ac.uk/opendocs/handle/123456789/13770

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