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Nachhaltiger Tourismus

Der wahre Preis

von Floreana Miesen

In Kürze

Touristen im Kakum-Nationalpark in Ghana.

Touristen im Kakum-Nationalpark in Ghana.

Trotz weltweit anhaltender wirtschaftlicher Probleme ist die Tourismusindustrie noch stark. Entwicklungsländer sind immer beliebtere Destinationen. Tourismusangebote müssen nachhaltig sein und Arbeit für Einheimische bieten, um die gesamtgesellschaftliche Entwicklung vo­ranzubringen.

Laut dem jüngsten Jahresbericht des World Travel & Tourism Council (WTTC) wuchs 2012 der Beitrag des Tourismus zur globalen Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent. Dies war höher als die Wachstumsrate der Weltwirtschaft. Besonders in Entwicklungsländern ist der Tourismus nicht mehr nur ein Nischenprodukt. 2012 gehörten Lateinamerika, Asien und Subsahara-Afrika zu den sich am schnellsten entwickelnden Zielmärkten, wie der WTTC berichtet.

Während Afrika in der internationalen Tourismusbranche quantitativ nur eine untergeordnetere Rolle einnimmt, ist der Beitrag der Touismuseinkommen zu den afrikanischen Volkswirtschaften signifikant. Dies gelte insbesondere für Südafrika, sagte Simba Mandinyenya von der Regional Tourism Organisation for Southern Africa (RETOSA) kürzlich auf einem Symposium der Global Partnership for Sustainable Tourism (GPST) in Bonn.

Aus seiner Sicht ist es eine große Herausforderung für das südliche Afrika, die erhebliche Diskrepanz zwischen Südafrika und seinen Nachbarländern zu schließen. Er appelliert an die Entscheidungsträger in der Region, ihre Aufmerksamkeit auf den Ausbau des grenzüberschreitenden Tourismus zu legen. Mandinyenya fordert, dass der Wirtschaftszweig im südlichen Afrika „Wachstum mit Fokus auf ländliche Entwicklung, Frauen, Jugendliche und die Umwelt“ fördern sollte.

Besonders der Massentourismus wird für die Ausnutzung der armen Bevölkerung und die Gefährdung der biologischen Vielfalt durch ineffiziente Ressourcennutzung verantwortlich gemacht. Laut Arab Hoballah vom United Nations Environment Programme (UNEP) muss die Tourismusindustrie eine wichtige Rolle für grünes Wachstum übernehmen. In vielen Urlaubsregionen bedrohe der Klimawandel bereits die Attraktivität des Gebiets. Tourismusprodukte müssten ökologisch nachhaltig sein und der lokalen Bevölkerung eine langfristige Lebensgrundlage bieten, fordert Hoballah: „Wir müssten herausfinden, wie der Tourismus Lösungen statt Probleme bieten kann.“

Susanne Dorasil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sagt ebenfalls, dass Tourismus ein wichtiger Motor für eine integrative grüne Wirtschaft sein müsse. Um das zu erreichen, wünscht sie sich mehr Capacity Building für die lokale Bevölkerung in Entwicklungsländern. Andererseits weist sie darauf hin, dass Touristen selbst verantwortlich für ihren ökologischen Fußabdruck seien.

Unlängst lässt sich ein Markttrend zu mehr nachhaltigem Tourismus beobachten. Laut Jenny Rushmore vom Online-Reiseservice TripAdvisor möchten 71 Prozent der Reisenden eine „grüne“ Reise machen, tatsächlich wählen aber nur weniger als 15 Prozent eine Unterkunft, die umweltbewusst verwaltet wird. „Reisende sind inte­ressiert, aber verwirrt“, erklärt Rushmore. Hotels machten ihre Gäste nicht auf ihre Ökobemühungen aufmerksam, beklagt sie.

Verglichen mit anderen Wirtschaftszweigen ist der Tourismus sehr arbeits- und kapitalintensiv. Für viele Entwicklungsländer ist die Reiseindustrie nach dem Rohstoffexport die zweitwichtigste Devisen­quelle. Dennoch sind die Gehälter und Arbeitsbedingungen meist mangelhaft. Wolfgang Weinz von der International ­Labour Organisation (ILO) warnt vor dem „Greenwashing“ vermeintlicher Ökoprodukte: „Nachhaltiger und gesellschaftlich breitenwirksamer Tourismus geht nicht ohne gute Arbeitsbedingungen.“ Bislang sei eine beträchtliche Zahl von ­Arbeitsplätzen im mutmaßlichen „Ökotourismus“-Sektor aber nur informell und biete keine soziale Sicherung, beklagt er.

Sutsan Suttipisan vom thailändischen Ministerium für Tourismus und Sport sagt, Tourismus sollte als Mittel zur Überbrückung sozialer Ungleichheit dienen. „Wir kennen nicht den wahren Preis des Tourismus“, gibt er allerdings zu bedenken, „weil wir nicht imstande sind, die ökologischen oder sozialen Kosten zu berechnen.“

Floreana Miesen