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Entwicklungsstrategie

Kontinent der Möglichkeiten

von Frannie Leautier

In Kürze

Afrika braucht regionale Integration: Lastwagen vor der Zollabfertigung an der Grenze zwischen Botswana und Sambia.

Afrika braucht regionale Integration: Lastwagen vor der Zollabfertigung an der Grenze zwischen Botswana und Sambia.

Die Afrikanische Entwicklungsbank (African Development Bank – AfDB) schätzt die Zusammenarbeit mit Deutschland sehr. Sie hält den deutschen Vorschlag eines Marshall-Plans mit Afrika für einen Schritt in die richtige Richtung.

Die AfDB erfreut sich einer langjährigen Beziehung zu Deutschland, dem drittgrößten Beitragszahler zu ihrem konzessionären Fenster. Deutschland unterstützt mehrere Treuhandfonds der AfDB, wie etwa die Infrastrukturprojekt-Vorbereitungsfazilität der NEPAD (Neue Partnerschaft für Afrikanische Entwicklung), den Climate Change Trust Fund, das Infrastrukturkonsortium für Afrika (ICA) und seit kurzem auch eine Initiative für Erneuerbare Energie, die Africa Renewable Energy Initiative (AREI).

Afrika ist weiterhin die am zweitschnellsten wachsende Weltregion. Sechs afrikanische Volkswirtschaften gehörten zu den zehn am schnellsten wachsenden weltweit. Zudem fließen nach Afrika – nach dem asiatisch-pazifischen Raum – die zweitmeisten ausländischen Direkt­investitionen. Ein Drittel aller in den letzten zehn Jahren umgesetzten Reformen zur Verbesserung des Investitionsklimas werden Afrika zugeschrieben.

Trotz der positiven Entwicklungen steht Afrika weiterhin vor großen Herausforderungen. Mehr als 650 Millionen Afrikaner haben keinen Zugang zu Elektrizität – und das bremst die Wirtschaftskraft ebenso wie das Wachstum. Die landwirtschaftliche Produktivität ist gering. Der Kontinent wendet jährlich mehr als 35 Milliarden Dollar für Lebensmittelimporte auf – und das, obwohl mehr als 65 Prozent aller Ackerflächen in Afrika liegen. Seit Jahrzehnten kommen nur rund zwei Prozent der weltweiten Warenexporte aus Afrika. Die Industrieproduktion trägt lediglich knapp elf Prozent zum afrikanischen Bruttoinlandsprodukt bei. Der innerafrikanische Handel liegt bei geringen 15 %, im Gegensatz zu 69 % mit Europa und 53 % mit Asien. Das macht Transport und Geschäftstätigkeit teuer und mindert die Wettbewerbsfähigkeit. Ein weiteres großes Problem ist die Jugendarbeitslosigkeit.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, hat die AfDB fünf Ziele definiert. Diese sogenannten „High 5s“ sind:

  • Licht und Strom für ­Afrika,
  • Nahrung für Afrika,
  • Industrialisierung Afrikas,
  • regionale Integration Afrikas und
  • die Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen in Afrika.

Dafür werden beträchtliche finanzielle Mittel benötigt, insbesondere von der AfDB. Wir wollen auch externe Ressourcen nutzen und zählen auf eine fortlaufende Unterstützung Deutschlands, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen.

Die Bank ist froh darüber, dass die Grundlagen des Marshall-Plans weitgehend mit den High 5s übereinstimmen. Das ist eine hervorragende Basis für den Aufbau einer strategischen Partnerschaft zwischen der AfDB und Deutschland, um gemeinsam Entwicklungsprogramme voranzutreiben.

Der Marshall-Plan sieht eine neue Ebene der gleichberechtigten Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afrika vor. Angesichts der engen Übereinstimmung der High-5-Ziele der Bank, der Agenda 2063 der Afrikanischen Union, der UN-Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele (Sus­tainable Development Goals – SDGs) und des Marshall-Plans bietet sich die AfDB offensichtlich als strategischer Partner für Deutschland an. Einem aktuellen UNDP-Bericht zufolge ermöglicht die Umsetzung der High 5s das Erreichen der SDGs zu 90 Prozent sowie der Agenda 2063.

Afrika ist – trotz aller Herausforderungen – ein Kontinent der Möglichkeiten mit seinen 65 % der weltweiten (ungenutzten) Ackerflächen, mit mehr als 20 % der jüngsten Bevölkerung der Welt, mit der schnellsten Urbanisierung und einer aufsteigenden Mittelschicht. Auch für Investoren wird Afrika immer attraktiver. Deutschlands Marshall-Plan ermöglicht es, diese Chancen zu nutzen und Reichtum und Arbeitsplätze in Afrika zu schaffen.


Frannie Leautier ist Vize­präsidentin der Afrikanischen Entwicklungsbank (African Development Bank – AfDB).
http://www.afdb.org

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