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Wasserkrise

Lebenselixier

von Sabine Balk

Meinung

Chennai im Sommer 2019: Schlangestehen beim Wasserholen

Chennai im Sommer 2019: Schlangestehen beim Wasserholen

Mitten in der Corona-Krise wurden Indien und Bangladesch am 20. Mai schwer von Zyklon Amphan getroffen. Das Unwetter hinterließ eine Schneise der Zerstörung, mindestens 80 Menschen kamen ums Leben, Millionen mussten ihre Häuser verlassen. Der Wirbelsturm war laut Experten einer der schlimmsten in der Region in den vergangenen 20 Jahren.

Viele Menschen waren von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Die Evakuierungen und Aufräumarbeiten liefen in der Pandemie unter erschwerten Bedingungen, da eine Ausgangssperre und das Abstandsgebot galten. Die Coronavirus-Infektionszahlen nahmen in Indien und Bangladesch zu der Zeit noch zu.

Zyklone kommen im Golf von Bengalen immer wieder vor. Experten gehen aber davon aus, dass die Anzahl und Intensität tropischer Wirbelstürme wegen der Klimakrise zunehmen. Sie verursacht laut Forschern unter anderem den Anstieg der Meeresoberflächentemperatur, die die Veränderung der Wirbelstürme mit sich bringt. Hurrikane, Taifune und Zyklone gehören zu den Wetterextremen, die wegen der Klimakrise häufiger oder schlimmer werden. Das gilt ähnlich für Hitzewellen, Dürren oder Starkniederschläge.

Solche Katastrophen gefährden Menschenleben direkt und indirekt. Stürme zerstören Brunnen und Wasserleitungen. Dürren verringern die Verfügbarkeit von Trinkwasser. Betroffen sind vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer, denn ihre Infrastruktur ist schwächer und ihr Klima härter. Ausfuhr von „virtuellem Wasser“ sorgt für zusätzliche Verknappung: Wasser, das in Landwirtschaft und Industrie für die Produktion von Exportgütern verwendet wird, steht für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung. Mehr und bessere Aufbereitungsanlagen sind nötig.

Bislang sind keine direkten Kriege ums Wasser entbrannt, aber Konflikte, bei denen Wasser eine Rolle spielt, gibt es reichlich. Einer ist zum Beispiel der Streit zwischen Viehzüchtern und Landwirten in der gesamten Sahelzone. Aufgrund des Klimawandels und durch Übernutzung der Wasserressourcen schrumpft zum Beispiel der Tschad-See, das Klima schwankt und die Niederschläge variieren stark. Das zerstört die Existenzgrundlage von Fischern und Bauern und beschafft der islamistischen Miliz Boko Haram, die die Bevölkerung terrorisiert, Zulauf (siehe Damilola Oyedele im Schwerpunkt des e-Paper 2017/06).

Auch im Nahen Osten ist und bleibt Wasser ein zentraler Streitpunkt. Im Israel-Palästina-Konflikt geht es nicht nur um Politik und Religion, sondern auch um Wasser. Die Ressource ist knapp und Israel kontrolliert sie. Das Wasser in der Region entspringt zum großen Teil auf den von Israel kontrollierten Golanhöhen und wird in Israel verbraucht. Nur ein kleiner Teil kommt bei den Palästinensern und in Jordanien an. In vielen Weltregionen werden knappe Wasserressourcen vor allem dann zum Konfliktgegenstand, wenn große Ströme oder wichtige Grundwasserleiter Grenzen überschreiten.

Auch innerhalb von Nationalstaaten ist die Verteilung meist ungleich. Allzu oft ist Zugang zu sicherem Trinkwasser eine Frage des Geldes. Wohlhabende Gegenden sind an das Versorgungs- und Abwassersystem angeschlossen, informelle Stadtsiedlungen und Dörfer dagegen nicht. Dieser Missstand kommt jetzt in der Corona-Krise verstärkt zum Ausdruck: Den Bewohnern der Armenviertel ist es schlichtweg nicht möglich, die Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen einzuhalten. Ihnen steht schlicht und einfach nicht genug Wasser zur Verfügung.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z/D+C.
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