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Heutzutage

Das Runde muss ins Eckige, inshallah!

von Aida Azarnoush

Heutzutage

Aida Azarnoush

Aida Azarnoush

In den Sommermonaten lähmt glühende Hitze das Leben in Mazar-e Sharif, der größten Stadt Nordafghanistans. Nur wer unbedingt muss, quält sich nachmittags durch die staubigen Straßen. Doch lange bevor die angenehme Abendkühle sich ausbreitet, rennen neuerdings junge Afghanen schwitzend und wild gestikulierend über einen kleinen, abgesperrten Platz.

Es sind keine Tagelöhner, die durch harte Arbeit ihre Familie ernähren müssen – im Gegenteil, hier tobt die jugendliche Mittelschicht, die es zu etwas gebracht hat. Viele gehen auf kostenpflichtige Privatschulen, studieren oder lernen Englisch und Computertechnik an einem der unzähligen privaten Institute. Vielleicht arbeiten sie, ihre Eltern oder Freunde sogar für ein ansehnliches Gehalt bei einer ausländischen Organisation. Tausend Afghani, umgerechnet etwa zwanzig Dollar, zahlen sie, um sich für eine Stunde der schönsten Nebensache der Welt zu widmen: die Rede ist von vermietbaren kleinen Fußballfeldern.

Vor etwa einem Jahr gab es noch keinen einzigen dieser Plätze. Eltern ließen ihre Kinder ungern auf der Straße spielen. Die Jugendlichen trafen sich eher zum Computerspielen als zum Sport.

Dann wurde nach jahrelanger Bauzeit der „Park der türkisch-afghanischen Freundschaft“ eröffnet, ein Geschenk des türkischen Staates für die Bürger von Mazar-e Sharif. Neben einem familienfreundlich gestalteten Grüngelände umfasst dieser auch ein eingezäuntes, vermietbares Fußballkleinfeld. Niemand hatte damit gerechnet, wie populär dies werden könnte: Es ist oft wochenlang im Voraus ausgebucht.

Das Beispiel machte Schule. Heute gibt es mehr als zwanzig dieser Fußballplätze in Mazar-e Sharif: kleine und große, mit Hartboden oder Kunstrasen. Wo früher gezwungenermaßen gähnende Langeweile herrschte, haben die Hobbykicker nun die Qual der Wahl. Und auch wenn tausend Afghani für viele Mazaris eine ansehnliche Summe Geld ist, spielen nicht nur die Kinder der Reichen mit. Jugendliche, die wenig Geld haben, werfen ihr Geld in der Gruppe zusammen, um einen Platz zu mieten, oder ein wohlhabender Junge zahlt für seine ärmeren Freunde mit.

Für Fawad, Vater eines fußballspielenden Jungen, ist diese unvorhergesehene kleine Erfolgsgeschichte ein Modell für gelungene Entwicklungszusammenarbeit: „Niemand hätte das gedacht, als der Park mit dem ersten Fußballfeld eröffnet wurde, aber das Vorbild hat als Initialzündung gedient. Und aus reinem Geschäftsinteresse ist jetzt für die Bevölkerung etwas Gutes entstanden und andere haben ein neues Auskommen gefunden. Das Beste ist, dass die Felder nicht von Ausländern als Almosen gebaut wurden und irgendwann zusammenbrechen werden.“

 

Aida Azarnoush ist Journalistin und arbeitet für eine Entwicklungsorganisation in Afghanistan.
[email protected]