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Tropenkrankheit

Wenn der Wurm im Wasser steckt

von Jutta Reinhard-Rupp

Hintergrund

Praziquantel-Tabletten heilen Bilharziose, sie sind aber noch nicht für alle Afrikaner erhältlich.

Praziquantel-Tabletten heilen Bilharziose, sie sind aber noch nicht für alle Afrikaner erhältlich.

Mehr als 249 Millionen Menschen, darunter viele Kinder, leiden an der heimtückischen Tropenkrankheit Bilharziose. Rund 200 000 Infizierte sterben jährlich daran. Bilharziose wird durch parasitäre Würmer im Wasser übertragen und bleibt nach der Infektion oft unerkannt. Später hat sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen. Wirksame Medikamente sind seit Jahrzehnten auf dem Markt, doch der Großteil der Patienten in Afrika hat keinen Zugang dazu.

Die Länder in Subsahara-Afrika sind besonders stark von Bilharziose betroffen. Hier gibt es Dörfer, in denen nahezu alle Bewohner mit der Krankheit, die auch als Schistosomiasis bekannt ist, infiziert sind. Unter Kindern ist die Infektionsrate besonders hoch. Sie infizieren sich zum Beispiel beim Baden, Fischen oder Spielen. Die Folgen sind für sie verheerend, da sie sich oftmals wiederholt mit der Krankheit anstecken. Die Betroffenen zeigen Lernschwierigkeiten, sind ständig müde und bleiben allgemein in ihrer Entwicklung zurück. Bereits im jungen Alter können sich ihre Organe entzünden. In schweren Fällen kommt es zu Gewebeschädigungen oder Krebsgeschwüren der betroffenen Organe, nicht selten mit Todesfolge. Junge Mädchen mit Genitalbilharziose leiden unter Blutungen und schmerzhaften, übelriechenden Ausscheidungen.

Es verdichten sich auch Hinweise, dass diese Form der Bilharziose zu einem signifikant erhöhten Ansteckungsrisiko mit HIV/Aids und anderen Geschlechtskrankheiten führt. Darüber hinaus können erkrankte Kinder oftmals nicht mehr in die Schule gehen, was schwerwiegende Folgen für ihre wirtschaftliche Lage und für die Wirtschaft und Gesellschaft des Landes hat.


Kampf gegen Bilharziose

Der einzige Wirkstoff, mit dem alle Formen der Bilharziose behandelt werden können, ist Praziquantel. Das Pharmaunternehmen Merck hat Praziquantel in den 1970er-Jahren im Rahmen einer Forschungskooperation entwickelt. Der Wirkstoff ist gut verträglich, und die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihn auf die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel gesetzt. Praziquantel ist ein breitwirksames Medikament und bekämpft neben Bilharziose viele Wurmerkrankungen im Veterinärbereich. In der Humanmedizin wird Praziquantel seit den 1980er-Jahren weltweit vor allem gegen Bilharziose eingesetzt. Der Wirkstoff kann jedoch auch gegen Taeniasis eingesetzt werden, eine Krankheit, die durch den Schweine- und Rinderbandwurm hervorgerufen wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im vergangenen Jahr einen strategischen Fahrplan vorgelegt, wie Bilharziose zusammen mit anderen vernachlässigten Tropenkrankheiten in einem absehbaren Zeitraum ausgerottet werden kann. Der Weg dorthin ist lang und erfordert die Mitwirkung vieler Partner sowie entscheidende Veränderungen in den Gesundheitssystemen der betroffenen Länder.

Seit dem Jahr 2007 unterstützt Merck die WHO bei der Bilharziose-Bekämpfung in Afrika. Dieses Programm ist eine wichtige Komponente der verantwortungsvollen Unternehmensführung bei Merck. Das Unternehmen spendet der WHO Tabletten mit dem Wirkstoff Praziquantel. Die WHO steuert und überwacht die Verteilung dieser Tabletten an afrikanische Schulkinder, die meist in sehr schwer zugänglichen Gebieten leben, ohne funktionierende Infrastruktur und ohne ausreichende medizinische Versorgung. Bisher wurden mehr als 200 Millionen Tabletten gespendet. Insgesamt wurden über 54 Millionen Patienten, vor allem Kinder, behandelt. Ursprünglich war das Programm des Unternehmens bis zum Jahr 2017 begrenzt. Ende 2011 hat Merck jedoch beschlossen, sein Engagement unbefristet fortzusetzen.

Gemeinsames Ziel mit der WHO ist es, die Wurmkrankheit in Afrika auszurotten. Dazu wird das Unternehmen die Anzahl der jährlich gespendeten Tabletten auf bis zu 250 Millionen erhöhen. Mit dieser Spende im Wert von rund 23 Millionen US-Dollar pro Jahr können rund 100 Millionen Kinder behandelt werden.

Merck arbeitet zudem daran, die bisherige Zusammensetzung der Tablette zu verbessern: Arzneimittelexperten entwickeln derzeit beispielsweise einen neuen Filmüberzug. Er soll dazu beitragen, dass Praziquantel-Tabletten leichter zu schlucken sind und dass sie unempfindlicher gegenüber langen Transportzeiten werden.

Im Rahmen eines Konsortiums forscht Merck darüber hinaus an einer Formulierung von Praziquantel für Kleinkinder, die bisher nicht behandelt werden können, da Praziquantel-Tabletten nur für Kinder über sechs Jahren geeignet sind.


Der lange Weg zur Ausrottung

Damit Bilharziose langfristig ausgerottet werden kann, sind neben der Bereitstellung von Medikamenten weitere Maßnahmen wie Schneckenbekämpfung und verbesserte hygienische Bedingungen nötig. Ohne Toiletten und sanitäre Anlagen kann der Infektionskreislauf nicht durchbrochen werden, da die Flüsse und Seen ständig mit infizierten Fäkalien verunreinigt werden (siehe Kasten).

Merck ist sich dieser komplexen Herausforderung bewusst und sieht die Bereitstellung von Praziquantel-Tabletten nur als einen Teil der Lösung. Das Darmstädter Unternehmen hat deshalb kürzlich mit Partnern, darunter die Bill & Melinda Gates Foundation, die Schistosomiasis Control Initiative, die US-Behörde für Internationale Entwicklung und World Vision International, eine globale Allianz gegen Bilharziose gegründet. Sie bietet eine sehr gute Chance, um alle interessierten Partner zusammenzubringen und bei der Ausrottung der Krankheit einen Wendepunkt zu erreichen.

 

Jutta Reinhard-Rupp ist Leiterin der Forschungsaktivitäten zum Thema „Vernachlässigte Tropenkrankheiten“ bei Merck Serono.
[email protected]

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