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Unser Standpunkt

Im Teufelskreis

von Hans Dembowski

Meinung

Fast-Food-Verkäuferin in Nicaragua.

Fast-Food-Verkäuferin in Nicaragua.

Lange galten nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases – NCDs), von denen viele chronisch sind, als Wohlstandsprobleme. Brutal formuliert, starben Arme, bevor sie sich Sorgen über Bluthochdruck, Diabetes und Krebs machen mussten. Sie litten nicht wegen ungesunder, sondern wegen zu wenig Nahrung.

Mittlerweile ist die Lebenserwartung fast überall gestiegen. Weltweit leiden mehr Menschen an Übergewicht als an Kalorienmangel. Entwicklungserfolge beenden aber nicht alle Sorgen. Menschen sind sterblich. Wenn Infektionen, Unfälle oder Gewalt uns nicht töten, bringt meist eine chronische Krankheit das Ende. Mit dem Alter steigen Blutdruck und Blutzuckerwerte, also werden Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen häufiger. Das gilt auch für Krebs. (Manche Krebsarten werden durch Infektionen übertragen, müssen dann aber wie eine chronische Erkrankung behandelt werden.)

Leider ist Alter nicht der einzige NCD-Auslöser. Viele Menschen werden viel zu früh krank. Dabei spielen ungesunde Nahrungsmittel und Getränke, die große Konzerne vertreiben, auch eine Rolle. Luftverschmutzung erhöht die Gefahr von Atemwegserkrankungen. NCDs sind komplexe Leiden. Übertriebene Simplifizierung hilft nie, aber klar benennbar sind Risikofaktoren wie:

  • Lebensmittel mit zu viel Fett, Zucker und/oder Salz,
  • der Konsum von Tabak und Alkohol,
  • Bewegungsmangel
  • Stress, Zeitdruck und Schlafmangel.

Wenn mit einer chronischer Erkrankung richtig umgegangen wird, lassen sich verheerende Folgen meist lange vermeiden. Auch viele Krebsarten sind heute beherrschbar. Allerdings verfügt die Mehrheit der Betroffenen heute nur über niedrige Einkommen und ist kaum in der Lage, sich gut und langfristig um ihre besonderen Bedürfnisse zu kümmern. Oft haben die Kranken keinen Zugang zum Gesundheitswesen, und selbst mit der richtigen Diagnose, bleiben relevante Medikamente und Therapien unerschwinglich. Viele Familien sind überfordert – zumal Personen, die ihre NCD nicht in den Griff bekommen, in der Folge ihre Arbeitsfähigkeit verlieren und kein Geld mehr verdienen. Gesundheit hat immer auch sozio-ökonomische Aspekte.

Arme Patienten geraten schnell in Teufelskreise aus mangelndem Wissen, mangelnder Unterstützung und mangelnden Ressourcen. Sie fürchten,  nötige Hilfe nicht zu bekommen, und schrecken schon vor der Diagnose zurück. Folglich verschlechtert sich ihr Zustand schneller als nötig. Die ersten Schritte zur Eindämmung des Problems sind aber billiger als Interventionen in späteren Stadien. Zu Recht stehen die NCDs auf der Agenda der Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs). Bis 2030 soll die vorzeitige Sterblichkeit durch NCDs um ein Drittel sinken, relevante Medikamente sollen erschwinglich werden und alle Menschen Zugang zum Gesundheitswesen bekommen. Das sind gute Richtwerte.

Individuelles Verhalten ist allerdings auch wichtig. Patienten sollten sich gesund ernähren und sich regelmäßig bewegen. Fitnessstudios sind jedoch teuer, und Verkehr und Luftverschmutzung schrecken viele Städter von langen Spaziergängen ab. Fast Food ist für viele erschwinglich, Restaurants mit Health Food jedoch nicht. Eine gesunde Lebensweise ist nicht nur eine Frage der Disziplin. Geld spielt auch eine Rolle.

 

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