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Fachliteratur

Die Klimagefahren nehmen schnell zu

von Mahwish Gul

Hintergrund

Dieses Satellitenbild vom März 2022 zeigt einen kollabierten Eisschelf von der Größe New Yorks in der Ostantarktis, einem Gebiet, das lange Zeit als stabil galt.

Dieses Satellitenbild vom März 2022 zeigt einen kollabierten Eisschelf von der Größe New Yorks in der Ostantarktis, einem Gebiet, das lange Zeit als stabil galt.

Wissenschaftler und Umweltorganisationen warnen immer wieder, dass die globale Erwärmung extremes Wetter mit katastrophalen Folgen verursacht. Um gegenzusteuernn muss die Menschheit endlich geeignete Maßnahmen ergreifen.

Die bereits eingetretenen Veränderungen in den weltweiten Ökosystemen sind gravierend: Wie aus einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP – United Nations Environment Programme) hervorgeht (UNEP, 2022), hat die Arktis seit Beginn der Satellitenmessungen vor 40 Jahren bereits etwa die Hälfte der Meereisfläche verloren.

Auch in der Antarktis gab es noch nie so wenig Eis seit Beginn der Messungen im Jahr 1979. Wenn die Erwärmung des Klimas in der jetzigen Geschwindigkeit weitergeht, wird der Arktische Ozean laut UNEP-Bericht bis 2050 eisfrei sein.

Die globale Erhitzung führt auch zu immer mehr Waldbränden, selbst in Gebieten, in denen sie bisher eher selten waren. 2019 und 2020 gab es im Osten Australiens und an der Westküste der USA eine rekordverdächtige Anzahl von Waldbränden in nie dagewesenem Ausmaß. Einem aktuellen UNEP-Report (2022,2) zufolge könnten katastrophale Waldbrände bis 2050 um bis zu einem Drittel und bis zum Ende des Jahrhunderts um fast zwei Drittel zunehmen, wenn die Emissionen nicht zurückgehen.

Veränderte Wasserkreisläufe

In Ostafrika registrieren Satelliten derzeit die größte Hitze und den geringsten Niederschlag seit Einführung der Technik. Schätzungsweise 25 Millionen Menschen sind von Ernährungs- und Wassermangel bedroht (siehe Christoph Schneider-Yattara auf www.dandc.eu).

Die Wasserkreisläufe verändern sich und machen trockene Gebiete noch trockener. Auch Teile Lateinamerikas und West­asiens werden derzeit von verheerenden Dürren heimgesucht. Laut einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (World Meterological Organization, 2021) leiden 70 Länder in einem durchschnittlichen Jahr unter Dürre.

Andere Teile der Welt werden von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Südafrika erlebte vor kurzem die wasserreichste Regenzeit seiner Geschichte – mit todbringenden Überschwemmungen. Die australische Metropole Sydney verzeichnete diesen März den regenreichsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Es kam zu zerstörerischen Sturzfluten. Für den Osten der USA zum Beispiel war 2021 ein ungewöhnlich nasses Jahr. In Indien regnete es im vergangenen September 129 Prozent mehr als normal. 2020 war das fünftregenreichste Jahr im Vereinigten Königreich, und sechs der zehn nassesten Jahre lagen in den vergangenen 20 Jahren.

Weltweit hat die Zahl der Überschwemmungskatastrophen laut der Weltorganisation für Meteorologie seit dem Jahr 2000 um 134 Prozent zugenommen, während die Zahl und Dauer der Dürren um 29 Prozent gestiegen ist.

1,5-Grad-Schwelle

In seinem sechsten Sachstandsbericht warnt das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), dass die globalen Temperaturen seit Beginn der Industrialisierung aufgrund menschlicher Aktivitäten um 1,1 Grad gestiegen sind. Dass die 1,5-Grad-Grenze überschritten wird, ist sehr wahrscheinlich (siehe Roli Mahajan auf www.dandc.eu).

Wie UN-Generalsekretär António Guterres in seinem Vorwort feststellte, „befinden wir uns auf der Überholspur zur Klimakatastrophe“. Er rief die Staats- und Regierungschefs der Welt nachdrücklich dazu auf, „mit der Verbrennung unseres Planeten aufzuhören und in die reichlich vorhandenen erneuerbaren Energien zu investieren“.

Wissenschaftler warnen, dass die globale Erwärmung außer Kontrolle geraten und unumkehrbar eskalieren wird, wenn wir bestimmte Kipppunkte überschreiten. Das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes, das Ende der Meeresströmungen oder die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes hätten demnach kaskadenartige Auswirkungen.

Um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, schlossen 195 Länder vor sieben Jahren das Pariser Abkommen zum Klimawandel. Erklärtes Ziel war es, die globale Erwärmung „deutlich unter zwei Grad“ zu halten und möglichst nicht über 1,5 Grad hinauszugehen. Die Regierungen verpflichteten sich, Aktionspläne mit national festgelegten Beiträgen zu globalen Klimaschutzmaßnahmen zu erstellen und umzusetzen.

Als der Klimagipfel in Glasgow im vergangenen Jahr Bilanz zog, wurde allgemein ein Scheitern eingeräumt. So erklärte UNEP bei der Bewertung der Gipfelergebnisse in einer Pressemitteilung, dass die neuen und aktualisierten Verpflichtungen von 120 Ländern die für 2030 prognostizierten Emissionen nur um 7,5 Prozent senken würden. Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wären 55 Prozent erforderlich.

Der Weg in die Zukunft

Laut dem jüngsten UNEP Emissions Gap Report sind zehn große Volkswirtschaften für zwei Drittel der weltweiten Treib­hausgasemissionen verantwortlich. China, die EU (als eine einzige Volkswirtschaft gezählt) und die USA sind für 41,5 Prozent verantwortlich. UNEP betont, dass der Klimaschutz von den Maßnahmen in diesen riesigen Märkten abhängt – und dass es immer noch möglich ist, das globale Klima zu stabilisieren.

Naturbasierte Lösungen, erneuerbare Energien und Energieeffizienz haben laut UNEP großes Potenzial. Zugleich müssen Wälder und andere Ökosysteme wiederhergestellt werden. Die UN-Organisation macht deutlich, dass Investitionen, Subventionen und auch die Nutzung fossiler Brennstoffe eingestellt werden müssen.


Links

UNEP, 2021: Emissions gap report 2021.
https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2021

UNEP, 2021, press release: COP 26 ends with agreement but falls short on climate action.
https://www.unep.org/news-and-stories/story/cop26-ends-agreement-falls-short-climate-action

UNEP, 2022: Foresight brief 28.
https://data.unep.org/article/foresight-briefs

UNEP, 2022, 2: Spreading like wildfire – The rising threat of extraordinary landscape fires.
https://www.unep.org/resources/report/spreading-wildfire-rising-threat-extraordinary-landscape-fires

World Meteorological Organization, 2021: State of climate services – water.
https://library.wmo.int/doc_num.php?explnum_id=10826


Mahwish Gul ist Beraterin mit dem Schwerpunkt Entwicklungsmanagement. Sie lebt in Nairobi.
[email protected]

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