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Gesellschaftspolitik

Inklusive Zukunft

von Priska Gronenberg, Mary Keogh

Hintergrund

CBM insists that every person deserves opportunities to contribute to social, political and economic life.

CBM insists that every person deserves opportunities to contribute to social, political and economic life.

Die internationale NGO Christoffel-Blindenmission (CBM) hat Richtlinien für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen definiert. Eine Vernachlässigung der hohen Zahl an Betroffenen würde die globale Entwicklung bremsen.

Eine Milliarde Menschen auf der Welt haben eine Behinderung. Das bedeutet, dass jeder Siebte persönlich betroffen ist. Mindestens 80 Prozent dieser Frauen, Männer und Kinder leben nach UN-Angaben in Ländern mit niedrigem Einkommen, wo sie einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Ärmsten ausmachen (siehe E+Z/D+C 2014/08–09, Schwerpunktthema, S. 318 ff.).

Mit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (Convention on the Rights of Persons with Disabilities – CRPD) im Jahr 2006 wurde dieses Thema offiziell als bedeutsam für die globale Entwicklung anerkannt. Eine weltweite Bewegung für inklusive Entwicklung hat dazu beigetragen, es überall auf die Tagesordnung zu setzen.
Inklusion ist aus verschiedenen Gründen ein unverzichtbares Ziel:

  •  Der Ausschluss behinderter Menschen von der Arbeitswelt und einem produktiven Leben stellt eine große wirtschaftliche Bürde für Staaten und Gesellschaften dar. Er verhindert, dass Menschen mit Behinderung ihr volles Potenzial ausschöpfen.
  •  Strategien des Katastrophenmanagements und Hilfs­organisationen neigen dazu, Menschen mit Behinderung zu übersehen, obwohl sie und ihre Familien besonders anfällig sind.
  •  Hinsichtlich Entwicklung muss Behinderung explizit als übergreifendes Thema behandelt werden, damit Entwicklung nicht an Menschen mit Behinderung und ihren Organisationen vorbeigeht. Die Herausforderungen, die Behinderung in Bezug auf Bildung, Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Ernährung schafft, hätten ein Millenniumsziel sein sollen. Damals wurde die Chance, das Leben von Millionen von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen zu verbessern, verpasst. Sie sollte nun ergriffen werden, wenn die UN im September im Anschluss an die Millenniumsziele die Nachhaltigen Entwicklungsziele definieren.


Entscheidungsträger, Zivilgesellschaft und private Unternehmen müssen die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen sicherstellen. Sie müssen:  

  •  die Menschenrechte aller betroffenen Personen respektieren und schützen,
  •  Vorkehrungen treffen und Leistungen dahin gehend anpassen, dass Menschen mit Behinderungen voll von Entwicklungs- und humanitären Katastrophenhilfsprogrammen profitieren sowie
  •  die aktive Einbeziehung und Teilhabe aller Menschen mit Behinderungen sicherstellen.


Diesen Herausforderungen zu begegnen ist nicht leicht. Eine kürzlich erschienene CBM-Publikation bietet Leitlinien. „Zukunft inklusiv(e): Entwicklungszusammenarbeit mit und für Menschen mit Behinderungen gestalten“ ist der erste Band der neuen Fachpublikationsreihe „Behinderung – Inklusion – Entwicklung“. Sie ist auf Englisch und Deutsch im Buchhandel erhältlich und kann von den CBM-Internetseiten heruntergeladen werden.

Das Fachbuch erörtert die folgenden fünf Prinzipien, die in die Praxis umgesetzt werden müssen:

  •  Barrierefreiheit: Menschen mit einer Behinderung brauchen Zugang zu Gebäuden, öffentlicher Infrastruktur, Transport, Information und Kommunika­tion. Viele physische Hindernisse blockieren diesen Zugang, aber häufig auch die Einstellungen in einer Gesellschaft. Barrierefreiheit ist eine Voraussetzung für volle Inklusion in die Gesellschaft. Insbesondere muss die Barrierefreiheit bei der Planung für Katas­trophenfälle und humanitäre Hilfe berücksichtigt werden. Menschen mit Behinderungen sind bei Naturkatastrophen und Gewaltkonflikten besonders gefährdet. Viele sind nicht in der Lage, temporäre Notunterkünfte zu erreichen und sich Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen oder Essen zu verschaffen.
  •  Unantastbarkeit der Würde: Die internationalen Menschenrechte – und mit ihnen globale entwicklungspolitische Rahmenwerke – erkennen das Recht eines jeden Menschen auf Würde an. Die Unantastbarkeit der Würde ist ein Schlüssel für Gerechtigkeit, Gleichheit und Wohlstand. Die Würde von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen muss respektiert werden, weil sie sonst keine aktive Rolle in ihren Familien und Gemeinschaften spielen und ihr Leben nicht in die eigene Hand nehmen können. Paternalistische oder karitative Haltungen müssen überwunden werden. Dafür muss das nötige Bewusstsein geschaffen werden.
  •  Keine Diskriminierung: Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen hat viele Formen. Menschen können direkt oder indirekt diskriminiert werden, absichtlich oder unabsichtlich. Diskriminierung kann durch individuelle, institutionelle und strukturelle Hürden verursacht werden. Auf nationaler Ebene müssen gleiche Chancen für Menschen mit Behinderungen durch die Durchsetzung von Anti-Diskriminierungs-Gesetzen und die Umsetzung entsprechender Politik gewährleistet werden. Natürlich werden ein Blinder kein Fotograf und Gehörlose keine Radiomoderatoren werden. Eine inklu­sive Gesellschaft ermöglicht aber die Anstellung eines Blinden beim Radio und ermutigt Gehörlose, Fotografen zu werden.
  •  Volle Inklusion: Die Gesellschaft muss anerkennen, dass Frauen, Männer und Kinder mit Behinderungen zu sozialer und ökonomischer Entwicklung beitragen und helfen können, Armut zu bekämpfen. Es muss ihnen ermöglicht werden, voll an allen Lebensbereichen teilzuhaben. Dies ist eine Frage der Menschenrechte, die auch mit bedeutenden finanziellen Vorteilen verbunden ist.
  •  Vielfalt respektieren: Die Gruppe der Menschen mit Behinderungen ist so vielfältig wie die Bevölkerung der Welt. Betroffen sind Frauen, Männer, Mädchen und Jungen. Sie leben an verschiedenen Orten und gehören verschiedenen Völkern an, darunter auch indigenen Völkern. Entwicklungsansätze müssen nicht nur Behinderungen berücksichtigen, sondern alle Formen der Exklusion, sei es aufgrund von Geschlecht, Alter, ethnischer oder sprachlicher Zugehörigkeit und Gesundheitszustand. Inklusion ist ein Prinzip, das in alle Entwicklungsprogramme einbezogen werden muss, auch in die, die einen Schwerpunkt auf besondere Aspekte von Armut und Ausgrenzung legen.


Frauen, Männer, Mädchen und Jungen mit Behinderungen haben viele Probleme. Viel zu häufig haben sie keine Möglichkeiten, ein sicheres und nachhaltiges Leben für sich und ihre Familien aufzubauen. Aber die Lage verbessert sich, und weitere Veränderungen müssen beschleunigt werden.

Akteure der weltweiten Entwicklungshilfe müssen Menschen mit Behinderungen voll in ihren Programmen berücksichtigen. Sie müssen verstehen, dass eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Ärmsten der Welt ohne die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in alle Lebensbereiche nur beschränkt erfolgreich sein kann. Wenn die politischen Führer der Welt sich im September auf neue globale Entwicklungsziele einigen, dürfen sie diese zentrale Frage nicht stiefmütterlich behandeln. Stattdessen müssen sie sicherstellen, dass niemand abgehängt wird.

Mary Keogh ist Beraterin der Christoffel-Blindenmission (CBM) im Bereich Inklusion und Entwicklung.

Priska Gronenberg koordiniert die Fachpublikationsreihe „Behinderung – Inklusion – Entwicklung“ der Christoffel-Blinden­mission (CBM).
[email protected]

 

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