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Wirksame Entwicklungshilfe

Nützliche Dreieckskooperation

von Harald Leibrecht

Hintergrund

Major emerging-market nations have the resources to tackle their own poverty problems, but they often fail to do so: indigenous malaria patient in Brazil

Major emerging-market nations have the resources to tackle their own poverty problems, but they often fail to do so: indigenous malaria patient in Brazil

Die Praxis zeigt, dass die Zusammenarbeit von Industrie- und Schwellenländern zur Unterstützung der geringstentwickelten Länder sinnvoll ist. Solche Vorhaben tragen zum Capacity Building bei allen beteiligten Partnern bei und helfen, Prinzipien wie Demokratie und öffentliche Partizipation zu verfestigen. Von Harald Leibrecht

Die internationale Bedeutung der Schwellenländer wächst – und das gilt auch für die Entwicklungszusammenarbeit. Längst treten China, Indien, Südafrika, Mexiko oder Brasilien als selbstbewusste Geber in den weniger entwickelten Partnerländern auf. Berechtigte Kritik an solchen Aktivitäten darf aber den Blick auf die Chancen nicht verstellen. Effizientere Kooperation zu Gunsten aller beteiligten Partner – also der Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer – ist wünschenswert. Um die Armut weltweit im Sinne der Millenniumsentwicklungsziele zurückzudrängen, ist die Zusammenarbeit mit den Schwellenländern schon allein deshalb nötig, weil sie mit großen Armutsproblemen belastet sind. Nach Angaben der Weltbankgruppe lebt derzeit etwa die Hälfte aller von absoluter Armut betroffenen Menschen in den Schwellenländern.

Zudem tragen die häufig rohstoffreichen Schwellenländer erheblich zum globalen Klimaproblem bei. Ihr wirtschaftliches und politisches Gewicht wächst über ihre jeweiligen Regionen hinaus. Die großen Schwellenländer müssen sich ihrer Verantwortung im Kampf gegen Hunger und Umweltschädigungen stellen, und zwar zuhause wie auch weltweit.

China betreibt schon seit einigen Jahren wirtschaftliche Zusammenarbeit mit armen Ländern – unter anderem in Afrika. Dabei stehen offensichtlich Exportinteressen sowie der eigene Bedarf an Rohstoffen im Vordergrund. China beherzigt weder demokratische noch rechtsstaatliche noch menschenrechtliche Prinzipien. Aus westlicher Erfahrung ist zudem klar, dass viele chinesische Einzelprojekte, etwa beim Bau von Schulen oder Krankenhäusern, nicht nachhaltig sein werden, weil für örtliche Ownership nicht gesorgt wird. Solche Krankenhäuser und Schulen können nicht viel bringen, weil es beispielsweise an kompetentem Personal und geeigneter Ausstattung mangelt.

Fehlschläge sind also absehbar. Sie sind zugleich bedauerlich, denn grundsätzlich könnten die verwendeten Ressourcen effektiver genutzt werden und tatsächlich der Armutsbekämpfung dienen. Vor diesem Hintergrund sollten die Industrie­länder sich stärker um den entwicklungspolitischen Austausch mit den Schwellenländern bemühen. Dreieckskooperationen, bei denen etablierte Geber, die der OECD angehören, und „neue“ Geber zugunsten eines der am wenigsten entwickelten Länder zusammenarbeiten, sind sinnvoll. Das zeigen erste Erfahrungen.

Verbesserte Krankenversorgung

Ein Beispiel ist die im April 2007 gestar­tete und im März 2010 abgeschlossene Umstrukturierung des Josina-Machel-Krankenhauses in Angola. Brasilianische Experten und angolanische Mediziner führten dort mit Unterstützung der japanischen Regierung und der Japanese International Cooperation Agency (JICA) gemeinsame Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge und der Ausbildung in medizinischen Berufen durch. Die Qualität der Patientenversorgung, der Verwaltung und sogar der Ausstattungsinstandhaltung ist signifikant gestiegen.

Japan und Brasilien begannen erste Formen der Dreieckskooperation schon 1985. Damals starteten sie ihr Third Country Training Program (TCTP), aus dem nach dem Jahrtausendwechsel das Japan-Brazil Partnership Program (JBPP) wurde. Dabei nutzen die beiden Länder verschiedene Implementierungsvarianten. Im Fall des angolanischen Krankenhauses leisteten die Japaner vor allem Koordinierungs- und Subventionierungsaufgaben, während die Brasilianer Aufsichts- und Kontrollfunktionen übernahmen.

Die Maßnahmen richteten sich konsequent am Bedarf der angolanischen Partner aus. Schwerpunkte waren unter anderem die Ausbildung von Krankenschwes­tern und anderem medizinischen Pflegepersonal, Managementfragen inklusive der Instandhaltung sowie der Auf- und Ausbau eines Labors und die Einsetzung von Röntgenologie.

Es steht fest, dass die großen Schwellenländer grundsätzlich ökonomisch stark genug sind, ihre Armutsprobleme selbst zu lösen. Oft gelingt es ihnen aber dennoch nicht. Dreieckskooperationen können daran mittelbar etwas ändern, denn alle beteiligten Mitarbeiter lernen voneinander und können ihre neuen Erfahrungen später auch in der Heimat nutzen. Dreieckskooperationen tragen dabei zum Capacity Development in den Industrie- und in den Schwellenländern bei.

Eine gemeinsame Wertebasis ist für solche Vorhaben sicherlich hilfreich. In der gemeinsamen Praxis werden dabei demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien weiter verfestigt. Andererseits ist der Austausch über diese Dinge gerade mit Partnern wichtig, die europäische oder nordamerikanische Vorstellungen nicht teilen.

Wenn es gelingt, beispielsweise mit einem Land wie China, einen gemeinsamen entwicklungspolitischen Weg zu finden, können gleich mehrere wichtige Ziele erreicht werden. Das beteiligte Industrieland kann Einfluss darauf nehmen, wie das Engagement ausgestaltet wird. Das betrifft zum Beispiel Dinge wie local ownership und öffentliche Partizipation. Indirekt dient das in gewissem Maße dann auch der Vermittlung von Grundwerten wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Gleichzeitig entsprechen erfolgreiche Dreieckskooperationen mit klar abgesteckten Aufgabenzuteilungen selbstverständlich den Zielen der Pariser Erklärung zur Wirksamkeit der internationalen Entwicklungszusammenarbeit von 2005.

Dreieckskooperationen von Industrie- und Schwellenländern sind in erster Linie ein sinnvoller Weg, die Lebensumstände in den am wenigsten entwickelten Ländern zu verbessern. Deren Wohlergehen hat ohne Zweifel Vorrang. Gleichzeitig können die Geber aus dem Norden und aus dem Süden dabei aber voneinander lernen, ihre Erfahrungen bündeln und ihre einzelnen Strategien und Techniken noch besser an den jeweiligen Entwicklungsbedarf des Empfängerlandes anpassen.

Das ist das Ergebnis des Task Teams zur Süd-Süd-Kooperation (TT-SSC), das die OECD/DAC-Arbeitsgruppe zur Effektivität von Entwicklungshilfe vor zwei Jahren einsetzte. Durch präzise wissenschaftliche Auswertung verschiedener Praxisbeispiele hat es die Nützlichkeit von Dreieckskooperationen belegt: Trilaterale Entwicklungsprogramme können demnach effektiv bereits vorhandene bilaterale Strukturen ergänzen und schaffen zusätzlichen Mehrwert.