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Naturkatastrophen

Die Folgen des Zyklons Freddy

Malawi ist von der Klimakrise besonders betroffen. Ein Jahr nach dem Tropensturm Freddy ist die Verwüstung immer noch katastrophal, und die Folgen des Sturms rauben vor allem Mädchen und Frauen ihre Zukunft.
Direkt nach dem Sturm: Wäsche wird an zerstörten Stromleitungen in Südmalawi aufgehängt. picture-alliance/ASSOCIATED PRESS/Thoko Chikondi Direkt nach dem Sturm: Wäsche wird an zerstörten Stromleitungen in Südmalawi aufgehängt.

Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit der Tropensturm Freddy in Malawi gewütet, über tausend Menschen getötet und Hundertausende vertrieben hat. Die Geräusche von Dächern, die von Gebäuden gerissen werden, vom nicht enden wollenden Regen, und die Bilder von Menschen, die um ihr Leben fliehen, bleiben für immer in unserer Erinnerung.

Die sozialen Strukturen zeigen bis heute Risse. Viele Menschen sind obdachlos und leben in Armut. Und während Malawi noch mit den Auswirkungen des Zyklons kämpft, bringen Dürren neue Probleme. Zyklon Freddy ist eine Warnung für das, was die Zukunft bringen wird – immer häufigere und verheerendere Katastrophen, befeuert durch den Klimawandel.

Die Nahrungsmittelversorgung ist bereits jetzt unzureichend: Für viele Menschen ist es normal geworden, hungrig ins Bett zu gehen. Malawi ist dieser Belastung nicht gewachsen.

Frauen und Mädchen leiden am meisten unter den Auswirkungen des Zyklons. Bestehende Ungleichheiten wurden verschärft. Frauen sind in Malawi einem erhöhten Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Sie haben zudem nur unzureichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung, insbesondere zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten.

Während Jungen in die Schule zurückkehrten, sind viele Mädchen in Notunterkünften gestrandet und haben kaum Chancen, ihre Ausbildung fortzusetzen. Die Katastrophe hat einen Anstieg gefährlicher Praktiken wie Kinderehen befördert. Und für die, die ihre Familie verloren haben, bleibt oft nur Prostitution, um zu überleben.

Die Notlage hat auch den Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten für viele unerreichbar gemacht. Straßen und Brücken wurden weggespült. Zwar ist medizinisches Personal in die Notlager gekommen, aber die Überbelegung und der Mangel an Privatsphäre und individueller Betreuung erschweren die Situation. Dies gilt insbesondere für gynäkologische Behandlungen, aber etwa auch für die Beschaffung von Verhütungsmitteln.

Zwei Beispiele von vielen: Eine 25-jährige Mutter zweier Kinder braucht unbedingt Medikamente für ihr Baby, das während des Zyklons von einer einstürzenden Mauer verletzt wurde. Ein HIV-infiziertes Mädchen wird zwischen zwei Lagern hin- und hergeschoben und hat so den Zugang zu Medikamenten verloren, die es dringend benötigt.

Klimawandel und Gender

Die Krise unterstreicht: Angesichts des Klimawandels ist die Stärkung der Gesundheitsversorgung von entscheidender Bedeutung. Im Sinne feministischer Entwicklungspolitik muss sexuelle und reproduktive Gesundheit dabei mitgedacht werden. Regierungen weltweit müssen sicherstellen, dass sie für den Schutz von Frauen und Mädchen sorgen können, wenn die nächste Katastrophe eintritt.

Die jüngste Katastrophe macht außerdem deutlich, warum wir die Agenda für Klimagerechtigkeit beschleunigen und sicherstellen müssen, dass die Länder mit den geringsten Kohlenstoffemissionen nicht die höchsten Kosten und Folgen für die Menschen tragen. Deshalb brauchen wir kontinuierliche und koordinierte Unterstützung durch Partner wie Deutschland und andere Industrienationen.

Kinder und Jugendliche machen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Malawis aus. Deshalb ist ihre Beteiligung an der Suche nach langfristigen Lösungen essenziell. Dasselbe gilt für den Einbezug von Frauen.

Meine Organisation „ALL for Youth“ wird von der Global Financing Facility for Women, Children and Adolescents (GFF) unterstützt und arbeitet in Malawi daran, hier Lücken zu schließen. Die GFF, eine ländergeführte Partnerschaft, die bei der Weltbank angesiedelt ist, unterstützt 36 Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen dabei, Gesundheitssysteme zu stärken und die Gesundheit und Rechte von Frauen und Jugendlichen durch gezieltere Maßnahmen und politische Reformen zu fördern.

Deutschland ist gemeinsam mit Côte d'Ivoire, den Niederlanden und der Weltbank Ausrichter der Wiederauffüllungskampagne der GFF. Ziel ist, Finanzmittel zu mobilisieren, um 250 Millionen Frauen, Kindern und Jugendlichen Zugang zu Gesundheitsdiensten zu ermöglichen.

Wir müssen Lehren aus dem Zyklon Freddy ziehen und für eine resilientere und inklusivere Zukunft sorgen. Nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir eine Welt schaffen, in der keine Frau und kein Mädchen zurückgelassen wird. Davon hängt unsere Zukunft ab.

Christina Chilimba ist die Gründerin und Geschäftsführerin von ALL for Youth.
christinachilimba15@gmail.com

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Um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist gute Regierungsführung nötig – von der lokalen bis zur globalen Ebene.