Senegal

Senegals Jugend will nicht in Sackgassen enden

Traditionelle Wirtschaftszweige wie Fischfang und Landwirtschaft bieten jungen Menschen im Senegal keine nachhaltigen Lebensaussichten.
Kleine Felder: Landbesitz ist rechtlich oft unsicher. picture-alliance/REUTERS/Zohra Bensemra Kleine Felder: Landbesitz ist rechtlich oft unsicher.

Senegal hat Fischereiabkommen unterzeichnet, die es ausländischen Trawlern erlauben, an der Küste zu fischen. Der Verband der traditionellen Fischer (Union nationale des pêcheurs artisaux du Sénégal – Unapas) wurde nicht konsultiert und der genaue Wortlaut des Abkommens wurde nicht veröffentlicht.

Unapas vertritt die Mitgliedschaft gegenüber der Regierung. Über das Fischereiabkommen und die missbräuchlichen Fangtechniken ausländischer Schiffer herrscht große Unzufriedenheit. Es hat mehrfach Unfälle gegeben, an denen ausländische Trawler und senegalesischen Pirogen beteiligt waren. Auf senegalesischer Seite waren Tote und Vermisste zu beklagen.

Derweil sind die Fischbestände an den senegalesischen Küsten zurückgegangen. Fischer müssen nun mehr als 150 Kilometer pro Tag zurückzulegen, um Beute zu finden. Die weite Fahrt ist teuer und gefährlich. Nötig wären unerschwingliche Investitionen. Immer wieder verschwinden Fischer auf offener See.

Außerdem wird Fisch im Senegal teurer und ist nicht mehr für alle Haushalte erschwinglich. Die Erwerbstätigkeit tausender Frauen, die Fisch mit traditionellem Trocknen haltbar machen, ist bedroht. Die Ausfuhr von Trockenfisch war früher ökonomisch wichtig, nimmt aber ab. Die Regierung schweigt zu diesen Themen.

Agrarische Traditionen tragen nicht mehr

Auch die traditionelle Landwirtschaft steht unter erheblichem Druck. Ein Problem ist der Klimawandel mit ausbleibendem Regen. Obendrein überschwemmen importiertes Obst und Gemüse den heimischen Markt. Dass französische Supermarktketten zunehmend die traditionellen Lebensmittelmärkte verdrängen, trägt dazu bei.

Ackerböden verarmen. Derweil haben kleinbäuerliche Familien keinen gesicherten Rechtsanspruch auf die Felder, die ihnen traditionell gehören. Das ist in vielen Ländern Afrikas ähnlich. Regierungen verkaufen solches Land immer wieder an multinationale Agrarkonzerne. Auch im Senegal ist vielen Familien klar, dass sie plötzlich enteignet werden können. In vielen Fällen verkaufen sie ihre Äcker hektisch an Privatpersonen.

Eine langfristige attraktive Perspektive bietet jungen Menschen im Senegal weder die kleinbäuerliche Landwirtschaft noch die traditionelle Fischerei. Es ist kein Wunder, dass viele gern auswandern würden (siehe Haupttext).

Fatou Faye arbeitet im Westafrikabüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dakar.
fatou.faye@rosalux.org

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