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Wasser im urbanen Raum

Kampalas Wasserprobleme

In Ugandas Hauptstadt Kampala fehlt vielerorts der Zugang zu sauberem Wasser. Zusätzlich stellen das baufällige Abwassersystem und Überschwemmungen ernste Gefahren dar. Bisherige Anstrengungen für einen erleichterten Zugang zu Wasser und bessere Infrastruktur reichen noch nicht aus.
Die Situation auf Kampalas Straßen nach heftigen Regenfällen. picture-alliance/Xinhua News Agency/Nicholas Kajoba Die Situation auf Kampalas Straßen nach heftigen Regenfällen.

Wasserknappheit und ein defizitäres Abwassersystem sind zwei der großen Herausforderungen von Ugandas Hauptstadt. Wie bei vielen afrikanischen Großstädten basiert Kampalas Infrastruktur noch auf den Baustandards der ehemaligen Kolonialregierung. Besonders in Slums wie Katanga gibt es kaum Zugang zu sauberem Wasser.

Verschärft hat sich die Situation, weil der Infrastrukturausbau nicht mit dem rasant steigenden Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahrzehnte mithalten konnte: Während 1960 etwa 130 000 Menschen in Kampala lebten, waren es beim letzten offiziellen Zensus 2014 allein im Kerngebiet bereits anderthalb Millionen.

Die ugandische Regierung erkennt die besonderen Bedürfnisse Kampalas als eines der wichtigsten Ballungsgebiete des Landes an. Bereits 2010 hat sie durch ein Gesetz, den Kampala Capital City Authority Act, eine halbautonome Verwaltungseinheit mit speziellen Abteilungen ins Leben gerufen, die sich um die dringendsten Bedürfnisse der Stadt kümmert. Die Abteilung für Raumplanung und die Abteilung für technische Dienste überarbeiten die Infrastruktur der Stadt einschließlich der Wasser- und Abwassersysteme.

Zugang zu sicherem, sauberem Wasser

Insbesondere die in Kampala immer wieder auftretende Wasserknappheit ist problematisch. Die nationale Wasser- und Abwasserversorgungsbehörde National Water and Sewerage Corporation (NWSC) entnimmt das Wasser hauptsächlich aus dem Viktoriasee und Bohrlöchern und klärt es in Wasseraufbereitungsanlagen. Häufig ist der Bedarf aber so hoch, dass sie nicht alle an das Leitungsnetz angeschlossenen Haushalte versorgen kann. Viele Menschen sind deshalb auf Alternativen wie Wasserverkäufer, flache Brunnen oder andere potenziell verunreinigte Wasserquellen angewiesen.

Um die Versorgung zu verbessern, arbeitet auch die NWSC daran, die Wasserproduktion zu erhöhen, ein effizientes Abwassermanagement zu installieren und zu verhindern, dass Wasser und Abwasser auslaufen. Finanziert werden die Projekte von verschiedenen Organisationen wie der Afrikanischen Entwicklungsbank.

Zusätzlich unterstützt wird die ugandische Regierung von europäischen Partnern wie dem Treuhandfonds für die Infrastrukturpartnerschaft EU-Afrika (EU-AITF), der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Agence Française de Développement (AFD) und der KfW. Zuletzt wurde so im März 2021 die Wasseraufbereitungsanlage Katosi eröffnet, die täglich 160 000 Kubikmeter Wasser produzieren kann.

Kaum gewartete Grubenlatrinen

Aber dennoch reicht die bestehende Infrastruktur nicht aus, um den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken. Ein erheblicher Teil des Abwassers fließt unbehandelt in den Viktoriasee, weil er die Kapazitäten der Kläranlagen übersteigt. Hinzu kommen unzureichende sanitäre Praktiken und mangelnder Zugang zu sanitären Einrichtungen: Viele Einwohner*innen sind auf kaum gewartete Grubenlatrinen angewiesen. Die Fäkalien verunreinigen sowohl Wasserquellen an der Oberfläche als auch das Grundwasser.

Die ugandische Regierung möchte deshalb nicht nur die Abwasserinfrastruktur ausbauen und modernisieren, sondern Gemeinden dafür sensibilisieren, sanitäre Einrichtungen zu nutzen und Abfälle nicht in der Umwelt zu entsorgen.

Wegen der schlechten Entwässerungssysteme verursachten starke Regenfälle in den vergangenen Jahren immer häufiger Überschwemmungen. Die großen Mengen Regenwasser überfluten die Straßen und gefährden Menschen und ihr Eigentum.

Gleichzeitig nutzen manche Menschen die starken Regenfälle, um ihre Klärgruben zu leeren. Die Fäkalien vermischen sich mit dem fließenden Wasser und verursachen einen starken Gestank. In Kombination mit der schlechten Abfallentsorgung und den mangelhaften Abwassersystemen breiten sich so zunehmend Krankheiten wie Cholera aus.

Strategie für eine intelligente Stadt

Angesichts dieser Herausforderungen ist Kampala dem Africa Smart Towns Network (ASToN) beigetreten und führt nun das aus mittlerweile zwölf afrikanischen Städten bestehende Netzwerk. Die Initiative wurde von der französischen Entwicklungsagentur (AFD) ins Leben gerufen, um afrikanische Städte beim Aufbau nachhaltiger Stadtsysteme zu fördern. Dem Vorbild des europäischen URBACT-Programms folgend, soll so die Zusammenarbeit der Städte in Bezug auf spezielle Herausforderungen verbessert werden.

Anfangs konzentrierte sich die Stadtverwaltung und -politik Kampalas noch vor allem auf die Lösung von Mobilitätsproblemen. Mittlerweile werden die aus dem Projekt gezogen Lehren auch in anderen Bereichen angewendet, etwa bei der Lösung der Entwässerungs- und Wasserprobleme.

Als „Smart City“ stellen sich die Behörden dabei eine nachhaltige Stadt vor, deren Infrastruktur auf dem technologisch neuesten Stand ist und die über klare Organisationsstrukturen verfügt.

In Kampala ist die Modernisierung insbesondere angesichts der großen Bevölkerungszahl eine Herausforderung, weil viele Einwohner*innen in der informellen Wirtschaft tätig sind und vor allem arme Menschen sich gegen entsprechende Maßnahmen wehren. Viele fühlen sich existenziell bedroht, weil der Wandel unmittelbar ihre Lebensgrundlage gefährdet. Die Stadtverwaltung geht zum Beispiel gezielt gegen Straßenhändler*innen vor, weil sie für ihre schlechte Abfallentsorgung berüchtigt sind – viele hinterlassen ihren Verpackungs- und Kunststoffmüll auf den Straßen, und so endet er auch in der städtischen Kanalisation.

In den vergangenen zehn Jahren hat Kampala mit unterschiedlichen Entwicklungspartnern zusammengearbeitet, um die komplexen Probleme zu lösen und die Stadt schrittweise nachhaltiger aufzustellen. Erste Erfolge zeichnen sich ab: Die Herausforderungen bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung werden heute besser bewältigt als noch vor einem Jahrzehnt. Doch das reicht längst nicht aus. Einige Probleme bleiben bestehen. Sie zu lösen erfordert die Zusammenarbeit zwischen den Einwohner*innen Kampalas, der Stadtverwaltung, den Entwicklungspartnern und der Zentralregierung des Landes.

Ronald Ssegujja Ssekandi ist ein Autor aus Uganda und bearbeitet die E+Z/D+C Nowadays-Kolumne. 
sekandiron@gmail.com

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