Biofuels

Italiens Rizinusöl-Pläne für Afrika

Der Mattei-Plan der italienischen Regierung zielt darauf ab, Italien als „Energie-Drehscheibe“ zwischen Europa und Afrika zu positionieren. Als klimafreundliche Energiealternative werden unter anderem Rizinusölplantagen angepriesen.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßt den kenianischen Präsidenten William Ruto auf der Italien-Afrika-Konferenz im Januar. picture-alliance/Anadolu Riccardo De Luca Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßt den kenianischen Präsidenten William Ruto auf der Italien-Afrika-Konferenz im Januar.

Rizinusölplantagen sind der neueste vermeintlich grüne Trend, der in Afrika als klimafreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen angepriesen wird. Rizinusöl gilt als Rohstoff für Biokraftstoffe. Vielerorts entstehen neue Plantagen auf dem Kontinent.

Eine Vorreiterrolle dieser „grünen Lösung“ nimmt der italienische Erdölkonzern Eni ein. In Kenia, Angola, Mosambik und der Côte d’Ivoire baut er Rizinusölplantagen und -extraktionsmühlen.

Der „Mattei-Plan“

Angesichts des zunehmenden Drucks, Emissionen zu reduzieren und bis 2050 keine Emissionen mehr auszustoßen, versuchen große Ölgesellschaften, ihre Produkte zu diversifizieren und umweltfreundlichere Alternativen zu nutzen. Laut Wissenschaftler*innen der kenianischen Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology, die mit Eni zusammenarbeiten, ist die Rizinuspflanze eine „pflegeleichte, dürreresistente Kulturpflanze mit geringen Umweltauswirkungen“. Sie reduziere den CO2-Austoß erheblich. Ignoriert wird indessen offenbar die Tatsache, dass Rizinussamen auch die Substanz Rizin produzieren, die für Wildtiere, Vieh und Menschen giftig ist.

Der Ruf nach Rizinusölplantagen erinnert an die Jatropha-Biodieselanlagen, die vor einem Jahrzehnt nicht die erwarteten Ergebnisse brachten. Der italienische multinationale Energiekonzern möchte mit 700 Millionen Euro bis 2026 unter anderem zwei Biokraftstoffextraktionsanlagen in Kenia bauen und so in grüne Energie in Afrika investieren. Eine Biokraftstoffstrategie ist auch Teil des fünf Milliarden Euro schweren „Mattei-Plans“ für Afrika, der von der italienischen Premierministerin Georgia Meloni vorangetrieben wird und Italien zum „Energiezentrum“ zwischen Europa und Afrika machen soll.

Der Mattei-Plan – benannt nach dem Gründer von Eni, Enrico Mattei – stützt sich auf fünf Hauptpfeiler: Bildung und Ausbildung, Landwirtschaft, Gesundheit, Wasser und Energie. Letzterer ist der wichtigste für Italien. 

Wanjohi Kabukuru ist ein kenianischer Journalist, der sich auf Umweltthemen spezialisiert hat.
wkabukuru@gmail.com
https://twitter.com/wanjohik

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