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Unsere Sicht

Weshalb die wenig überzeugenden BRICS+ so stark wirken

Weil die G7 internationales Vertrauen weitgehend verspielt haben, können sich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika mit einigen Neuzugängen publikumswirksam als Alternative inszenieren.
Dilma Rousseff, Präsidentin der Neuen Entwicklungsbank (NDB), bei der Jahrestagung der Bank in Shanghai, 2023. picture-alliance/Xinhua News Agency/Fang Zhe Dilma Rousseff, Präsidentin der Neuen Entwicklungsbank (NDB), bei der Jahrestagung der Bank in Shanghai, 2023.

Die Menschheit rast auf die ökologische Katastrophe zu. Wir brauchen nachhaltige Lösungen für dringende globale Probleme wie Klimawandel, Artenschwund und Plastikverschmutzung. Leider bieten die BRICS+ derlei nicht an.

Ursprünglich war diese informelle Gruppe ein Bündnis von Brasilien, Russland, Indien China und Afrika. Inzwischen sind vier weitere Mitglieder dazugekommen (Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Iran, Ägypten und Äthiopien). Voraussichtlich wird auch Saudi-Arabien bald beitreten.

Schon die BRICS beanspruchten absurderweise, für den ganzen sogenannten Globalen Süden zu sprechen. Dabei war kein geringst entwickeltes Land mit dabei. Als nördlichstes Land der Welt umfasst Russland derweil den halben Polarkreis der Arktis und bemüht sich, das Zarenreich des 19. Jahrhunderts neu zu erschaffen. Nur Äthiopien ist nun als geringst entwickeltes Land hinzugekommen, zugleich aber zwei Ölexporteure (VEA und Iran) und auf Dauer vermutlich noch ein dritter (Saudi-Arabien).

Außer dem Wunsch, westliche Hegemonie zu begrenzen, verbindet die BRICS+ nicht viel. Die Mitglieder betreiben Weltpolitik im Großmachtstil. Sie zeigen wenig Interesse an den dringendsten Anliegen der Länder mit niedrigen Einkommen. China und Indien sind nicht eng befreundet, weshalb Chinas großes Entwicklungsprogramm, die Belt and Road Initiative, einen Bogen um Indien macht. Iran und die Golf-Monarchien ringen um regionale Dominanz. Ihr Stellvertreterkrieg zerreißt den Jemen.

Abgesehen von der Schaffung einer neuen internationalen Entwicklungsbank haben die Fünfer-BRICS nicht viel erreicht. Ihre New Development Bank bleibt ein minderwichtiger Akteur. Als Gruppe haben sie nur sehr wenig zur nötigen globalen Transformation zur Nachhaltigkeit beigetragen.

Auch ihre Leistungen während der Coronapandemie blieben hinter ihren Behauptungen zurück. Es stimmt zwar, dass China, Indien und Russland Impfstoffe exportierten. Hätte China die Weltgemeinschaft aber umfassender informiert, als die neuartige Krankheit zuerst in Wuhan tobte, hätte die weltweite Pandemie vielleicht verhindert werden können. Jedenfalls hätten andere Staaten sich besser vorbereitet. Indien produzierte überhaupt nur ein Vakzin, weil die Universität Oxford ihr Patent gratis zur Verfügung stellte, wobei Indien international ärmere Länder beliefern sollte. Es stellte die Ausfuhr dann aber ein, als Covid-19 im eigenen Land heftig wütete. Russische Exportgroßzügigkeit hatte derweil vermutlich auch damit zu tun, dass im Land selbst die Impfbereitschaft sehr gering war.

Die BRICS+ erscheinen nun trotz ihrer bisher geringen Leistungen als substanzielle Herausforderer der G7-Gruppe von Hocheinkommensländern. Das liegt daran, dass es die G7 und ihre Verbündeten versäumten, ihre Vorstellungen von Global Governance nach dem Fall der Berliner Mauer so umzusetzen, dass sie die ganze Weltgemeinschaft voranbrachten. Inzwischen haben sie das Vertrauen von Regierungen und Menschen in Entwicklungsländern weitgehend verspielt.

Wenn sie den Trend umkehren wollen, müssen die G7-Länder viel mehr für globale öffentliche Güter tun. Dazu gehört, die eigenen Volkswirtschaften ökologisch nachhaltig zu machen und international die SDG-Agenda zu fördern. Wenn die G7 führen wollen, müssen sie mit gutem Beispiel vorangehen. Tun sie das nicht, werden die BRICS+ trotz ihrer offenkundigen Schwächen immer bedrohlicher wirken.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z/D+C.
euz.editor@dandc.eu

Ursprünglich war diese informelle Gruppe ein Bündnis von Brasilien, Russland, Indien China und Afrika. Inzwischen sind vier weitere Mitglieder dazugekommen (Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Iran, Ägypten und Äthiopien). Voraussichtlich wird auch Saudi-Arabien bald beitreten.

Schon die BRICS beanspruchten absurderweise, für den ganzen sogenannten Globalen Süden zu sprechen. Dabei war kein geringst entwickeltes Land mit dabei. Als nördlichstes Land der Welt umfasst Russland derweil den halben Polarkreis der Arktis und bemüht sich, das Zarenreich des 19. Jahrhunderts neu zu erschaffen. Nur Äthiopien ist nun als geringst entwickeltes Land hinzugekommen, zugleich aber zwei Ölexporteure (VEA und Iran) und auf Dauer vermutlich noch ein dritter (Saudi-Arabien).

Außer dem Wunsch, westliche Hegemonie zu begrenzen, verbindet die BRICS+ nicht viel. Die Mitglieder betreiben Weltpolitik im Großmachtstil. Sie zeigen wenig Interesse an den dringendsten Anliegen der Länder mit niedrigen Einkommen. China und Indien sind nicht eng befreundet, weshalb Chinas großes Entwicklungsprogramm, die Belt and Road Initiative, einen Bogen um Indien macht. Iran und die Golf-Monarchien ringen um regionale Dominanz. Ihr Stellvertreterkrieg zerreißt den Jemen.

Abgesehen von der Schaffung einer neuen internationalen Entwicklungsbank haben die Fünfer-BRICS nicht viel erreicht. Ihre New Development Bank bleibt ein minderwichtiger Akteur. Als Gruppe haben sie nur sehr wenig zur nötigen globalen Transformation zur Nachhaltigkeit beigetragen.

Auch ihre Leistungen während der Coronapandemie blieben hinter ihren Behauptungen zurück. Es stimmt zwar, dass China, Indien und Russland Impfstoffe exportierten. Hätte China die Weltgemeinschaft aber umfassender informiert, als die neuartige Krankheit zuerst in Wuhan tobte, hätte die weltweite Pandemie vielleicht verhindert werden können. Jedenfalls hätten andere Staaten sich besser vorbereitet. Indien produzierte überhaupt nur ein Vakzin, weil die Universität Oxford ihr Patent gratis zur Verfügung stellte, wobei Indien international ärmere Länder beliefern sollte. Es stellte die Ausfuhr dann aber ein, als Covid-19 im eigenen Land heftig wütete. Russische Exportgroßzügigkeit hatte derweil vermutlich auch damit zu tun, dass im Land selbst die Impfbereitschaft sehr gering war.

Die BRICS+ erscheinen nun trotz ihrer bisher geringen Leistungen als substanzielle Herausforderer der G7-Gruppe von Hocheinkommensländern. Das liegt daran, dass es die G7 und ihre Verbündeten versäumten, ihre Vorstellungen von Global Governance nach dem Fall der Berliner Mauer so umzusetzen, dass sie die ganze Weltgemeinschaft voranbrachten. Inzwischen haben sie das Vertrauen von Regierungen und Menschen in Entwicklungsländern weitgehend verspielt.

Wenn sie den Trend umkehren wollen, müssen die G7-Länder viel mehr für globale öffentliche Güter tun. Dazu gehört, die eigenen Volkswirtschaften ökologisch nachhaltig zu machen und international die SDG-Agenda zu fördern. Wenn die G7 führen wollen, müssen sie mit gutem Beispiel vorangehen. Tun sie das nicht, werden die BRICS+ trotz ihrer offenkundigen Schwächen immer bedrohlicher wirken.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z/D+C.
euz.editor@dandc.eu

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Um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist gute Regierungsführung nötig – von der lokalen bis zur globalen Ebene.