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Kommentar

Welches Währungsproblem?

von Mohamed Gueye
Ökonomen in reichen Ländern werfen China protektionistische Wechselkurspolitik vor. Tatsächlich hat Peking den Yuan/Renmimbi an den Dollar gebunden. Weil die globale Finanzkrise die USA besonders hart getroffen hat, ist der Dollar derzeit relativ schwach. Zugleich sind auch Industrieprodukte aus China auf dem Weltmarkt relativ billig. Die US-Regierung drängt Peking, diese Haltung zu ändern, weil das Unternehmen in den USA Spielraum verschaffen würde. Auch Exporteure von Fertigwaren aus anderen asiatischen Schwellenländern klagen über den unfairen Wettbewerb aus China. Aus afrikanischer Sicht allerdings sehen die Dinge etwas anders aus. [ Von Mohamed Gueye ]

Für Westafrika ist der Wechselkurs des Yuan nicht schlimm. Im Gegenteil finden ihn viele Politiker vorteilhaft, weil Importwaren aus China jetzt wenig kosten.

Afrikanische Länder exportieren vor allem Rohstoffe. Der Handel damit wird in Dollar berechnet. Dessen niedriger Kurs bedeutet, dass die Ausfuhrerlöse Afrikas vergleichsweise wenig wert sind. Deshalb ist aus afrikanischer Sicht der Dollar das Problem. Das gilt besonders für die Länder, deren Währung an den Euro gekoppelt sind. Der CFA-Franc zum Beispiel steigt mit dem Euro. Der Export von Industriegütern aus den Ländern West- und Zentralafrikas, die diese Währung benutzen, würde auf diese Weise über die Maßen teuer werden – gäbe es denn solche Exporte überhaupt in nennenswertem Umfang.

Da in Afrika kaum industrielle Produktion stattfindet, kreist unser Handel um den Export von Rohmaterialien und den Import von Konsumgütern und sogar Lebensmitteln. In diesem Spiel schlägt Afrika den Rest der Welt. Der Aufstieg Chinas als Rohstoffimporteur ist für Afrika ein Segen, denn zuvor konnten sich westliche Nationen je nach Laune Rohstoffe für sehr wenig Geld aus ärmeren Ländern beschaffen.

Afrikaner sind daran gewöhnt, dass Fremde sich für die Erträge ihrer Böden interessieren, aber nicht für die Bedürfnisse der Bevölkerung. Heute herrscht Konkurrenz zwischen China und dem Rest der Welt. Zuvor dominierten Britannien, Frankreich und die USA das Geschäft. Während des Kalten Krieges standen sich der Westen und die Sowjetunion gegen­über. Davor hatten Kolonialmächte aus Europa den Kontinent unter sich aufgeteilt.

Kaum eine afrikanische Währung wird international verwendet. Verträge belaufen sich auf Beträge in Dollar – oder manchmal auch Euro, Pfund oder andere gebräuchliche Reservewährungen. Selbst bei Geschäften mit Asiaten bekommen Afrikaner keine Yuan- oder Rupienscheine zu sehen.

Der Rohstoffexport nach China ist für Afrika gut. Die Chinesen sind selbstverständlich nicht großzügiger als andere – aber ihre Nachfrage hat die Preise nach oben getrieben. Natürlich gibt es auch Probleme. Sehr oft ist die Ware aus China von misera­bler Qualität. Afrika wird zur Halde für Chinas Industrieabfall zweiter Wahl, den niemand sonst kauft. Chinesische Beamte beteuern, dass habe nichts mit Afrika zu tun, sondern spiegele nur die Finanzmöglichkeiten des Kontinents wider. Hielten die Chinesen sich in der Industrieproduktion aber an einheitliche Qualitätsstandards, würden sie Afrikanern keine Schuhe verkaufen, die nach zwei Tagen auseinanderfallen.

Das Geschäftsgebaren der Chinesen in Afrika ist ein weiterer Missstand. Wenn unsere Regierungen sich von China Geld leihen, um Elektrizitätswerke, Straßen oder Stadien zu bauen, werden diese Kredite daran geknüpft, dass chinesische Firmen den Auftrag bekommen. Alles, was benötigt wird, wird dann aus der Volksrepublik herangeschafft. Selbst die Arbeiter sind Chinesen. Technologietransfer findet nicht statt, sodass afrikanische Firmen meist nicht einmal Wartungsarbeiten übernehmen können.

China ist kein Freund Afrikas, sondern einfach ein weiteres Land mit ökonomischen Interessen. Viele Afrikaner, die aus geschäftlichen Gründen oder zum Studium in China waren, erzählen von den Vorbehalten, mit denen sie konfrontiert wurden, und von ihren Schwierigkeiten, ganz normalen Kontakt zur Bevölkerung zu bekommen. Rassismus wird in China anscheinend kaum verborgen. Das ist indessen etwas, das sich alle Gesellschaften vorzuwerfen haben.