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Kommentar

Pakistans Dilemma

von Mohammad Ali Khan

Meinung

Angelina Jolie meets a flood vicitim in Pakistan

Angelina Jolie meets a flood vicitim in Pakistan

Es gibt Anlass zu zweifeln, ob Hilfe wirklich bei den Flutopfern in Pakistan ankommt. Fest steht aber, dass ohne Hilfe alles nur noch schlimmer wird. [ Von Mohammad Ali Khan ]

„Ich werde nie die Zerstörung und das Leid vergessen, das ich heute gesehen habe. Ich war bereits Zeuge etlicher Naturkatastrophen auf der ganzen Welt, aber diese ist unvergleichlich.“ So fasste UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Mitte August ­seine Eindrücke nach seinem Besuch in Pakistans Flutgebieten zusammen.

Während das Wasser in Pakistan stieg, wuchsen in der internationalen Gemeinschaft die Sorgen – nicht nur wegen des menschlichen Elends, sondern auch wegen möglicher Sicherheitsimplikationen. Einerseits hat das Hochwasser Millionen von Menschen entwurzelt, die ­Essen, Obdach und Medikamente brauchen. Andererseits ist Pakistan ein Frontstaat im Krieg gegen den Terrorismus. Westliche Politiker fürchten zu Recht, dass islamistische Kräfte versuchen, die Misere auszunutzen.

Ersten Daten zufolge hat die Flut die Lebensgrundlage von 20 Millionen Menschen beschädigt – das sind 13 Prozent der Bevölkerung. Mehr als 1700 Menschen sind gestorben. Infrastruktur im Wert von mindestens sieben Milliarden Dollar ist zerstört. Rund 1,2 Millionen Häuser und die Ernte auf Millionen von Äckern wurden vernichtet. Die Flut hat ein Fünftel Pakis­tans überschwemmt – eine Fläche von ­etwa der Größe Belgiens, Österreichs und der Schweiz zusammen.

Ohne Zweifel handelt es sich um eine der schlimmsten Ka­tastrophen seit Menschengedenken. Was jedoch die Hilfsleistungen angeht, hat sie weniger Aufmerksamkeit erregt als die Erdbeben in Haiti Anfang dieses Jahres oder in Pakistan 2005. Nach dem haitianischen Beben forderten die UN fast 577 Millionen Dollar Soforthilfe an – und die Summe wurde in einem Monat mobilisiert. Für Pakistan erbaten die UN 460 Millionen Dollar, aber bis Anfang September waren erst 260 Millionen bereitgestellt, der Großteil von multilateralen Institutionen und Geberregierungen.

Zwar wurden nach dem Besuch von Ban Ki-moon mehr Mittel zugesagt, so dass die Versprechen sich laut der pakistanischen Regierung inzwischen auf 1,1 Milliarden belaufen. Ausgezahlt wurde das Geld aber noch nicht, und der Unterschied sollte der pakistanischen Regierung klar sein.

Das Land hat viele Probleme – politische Instabilität, islamistische Rebellen und ein gra­vierendes öko­no­misches Miss­management. Aus ­diesen Gründen ­musste die Regierung schon mehrfach um Hilfe bitten. Schon Anfang des Jahres forderten die UN 660 Millionen Dollar an, um Pakistan beim Umgang mit den wegen militärischer Konflikte intern Vertriebenen zu helfen. Das Land erhielt aber nicht einmal die Hälfte dieses Betrages.

Angesichts der Fluten hielten sich nun auch die privaten Spender zurück; und die, die Geld gaben, versuchten den Staatsapparat Pakistans zu umgehen. Dass Präsident Asif Ali Zardari, als das Hochwasser anschwoll, nach Britannien reiste und sich offenbar nicht für die Opfer interessierte, hat im Westen sicherlich auch nicht zu Spenden motiviert. Beobachter in Pakistan haben den Eindruck, dass die Welt der Probleme dieses Landes müde wird.

Es gibt ein echtes Dilemma: Zum einen erwiesen sich verschiedene pakistanische Regierungen als unfähig, das Land so zu führen, dass es sich entwickeln kann – also werden die Partner immer zögerlicher, zu helfen. Zum anderen sind die Probleme aber mittlerweile so riesig, dass die Regierung wirklich überfordert ist und Unterstützung braucht. Angesichts der herrschenden Verhältnisse sind Zweifel berechtigt, dass Hilfe tatsächlich die Flutopfer erreicht. Es ist aber auch absolut klar, dass die Lage sich ohne Unterstützung nur verschlimmern wird. Die Flutopfer fühlen sich jedenfalls im Stich gelassen.

Pakistan wird mit den Folgen dieser Katastrophe noch viele Jahre zu tun haben. Der Wiederaufbau wird einige Zeit kosten. Für Hollywoodstar und UN-Sonderbotschafterin Angelina Jolie steht fest, dass Pakistan den Wiederaufbau nicht allein schaffen kann. Sie hat das Land Anfang September besucht und offenkundig persönlich mehr Geld für die Nothilfe gespendet als irgendein pakistanischer Politiker, einschließlich Zardari.