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Ostafrika

Verlust der Würde

von Raphael Sungu

In Kürze

Zu viele Menschen haben nichts zu tun.

Zu viele Menschen haben nichts zu tun.

Viele Flüchtlinge müssen auf dem langen Weg zum kenianischen Lager Kakuma gefährliche Situa­tionen durchstehen. Sie leiden unter Hunger und Durst und sind Kälte, Hitze, heftigem Regen und brutaler Sonne ausgesetzt. Meist können sie sich nicht umziehen oder duschen. Einige machen traumatisierende Gewalterfahrungen – doch alle wollen ihre Menschenwürde bewahren.

Dass es im Lager keine Menschenwürde gibt, ist eine erschütternde Erfahrung. Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, müssen sich für das Grundlegendste wie Decken, Hygieneartikel und Lebensmittel anstellen. Einigen sieht man bei der Registrierung in der Aufnahmeeinrichtung an, dass sie früher einflussreiche Leute, etwa Regierungsbeamte, waren. Aber ihre zerschlissenen Anzüge, Krawatten und Hemden bedeuten im Lager wenig. Sie stehen für nichts mehr.

Die Situation bedeutet für alle Stress, auch für die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Ein internationaler Mitarbeiter erinnert sich an einen Mann, der mit seinen Kindern ins Lager kam und nur Ärger machte. Er war nicht in der Lage, sich anzustellen, und war sehr reizbar. Ein Mitarbeiter erzählt: „Ich erkannte, dass er nicht wütend auf uns war – er war wütend auf die Welt, darauf, was ihn in diese entwürdigende Situation gebracht hatte, darauf reduziert, Schlange stehen zu müssen, um von Fremden versorgt zu werden. Ich war den Tränen nahe: Ich spürte seine Hilflosigkeit.“

Der Mitarbeiter berichtet weiter: „Als ich anfing, hier zu arbeiten, hatte ich das Bild, Flüchtlinge seien reizbare, undankbare Menschen, die sich dauernd beschweren und grundsätzlich schlecht zu verstehen sind.“ Er habe sich bewusst darum bemüht, mit den Menschen zu sprechen und ihren persönlichen Hintergrund und ihre Lebensgeschichte zu verstehen. Das habe ihm Angst gemacht, denn er realisierte, dass das Schicksal der Flüchtlinge etwas sei, „was jedem passieren könnte“. Er habe an seine Frau und Kinder gedacht und „tiefstes Mitgefühl für seine notleidenden Mitmenschen entwickelt“. (rs)

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