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Klimasmarte Landwirtschaft

Komplexes Unterfangen

von Michaela Schaller

Hintergrund

Im Hochland Westkenias werden die Klimaveränderungen durch die Nachbarschaft zum Viktoriasee noch verstärkt: Maisanbau in Kenia.

Im Hochland Westkenias werden die Klimaveränderungen durch die Nachbarschaft zum Viktoriasee noch verstärkt: Maisanbau in Kenia.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen stellen weltweit eine große Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Als Antwort wurde die „klimasmarte Landwirtschaft“ (climate smart agriculture – CSA) entwickelt, die nun auch besonders vulnerablen Kleinbauern in Westkenia als Anbaumethode angeboten werden soll. Ein Team des Seminars für Ländliche Entwicklung (SLE Berlin) hat die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung untersucht.

In Kenia sind mehr als 60 Prozent der Bevölkerung – überwiegend als Kleinbauern – im landwirtschaftlichen Sektor tätig. In Folge der Erderwärmung treten bereits heute Extremereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überflutungen mit größerer Häufigkeit und Intensität auf. Dies verschiebt zunehmend die Anbauperioden und -regionen. In den untersuchten Landkreisen (Countys) Siaya und Kakamega im Hochland Westkenias werden die Klimaveränderungen durch die Nachbarschaft zum Viktoriasee noch verstärkt. Bauern in beiden Regionen produzieren Mais, Sorghum, Hirse, Fleisch und Milchprodukte sowie Tee im Regenfeldbau, wobei die Produktivität in beiden Countys weit unter ihrem Potenzial liegt.

Zusätzlich sind die Böden auf Grund von mangelhaften Bewirtschaftungspraktiken und Dauernutzung ohne ausreichende Zufuhr von Nährstoffen übernutzt. Bodendegradierung reduziert die ohnehin niedrigen Erträge und bedroht die Ernährungssicherheit. Dies stellt eine große Herausforderung für kenianische Behörden dar, die noch mit dem Dezentralisierungsprozess ringen: In den vergangenen Jahren wurden Verantwortlichkeiten von der nationalen auf regionale, das heißt County-Ebene, verlagert. Allerdings sind noch nicht alle County-Behörden vollkommen funktionstüchtig, was die Unterstützung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklungsprogrammen beeinträchtigt.

Kleinbauern können Bodenschutz und die Anpassung an den Klimawandel mit eigenen Mitteln nicht stemmen. Auch der landwirtschaftliche Beratungsdienst ist kaum in der Lage, angepasste Bewirtschaftungsstrategien zu entwickeln, da er nicht gut für diese Aufgaben ausgebildet und ausgestattet ist.


CSA-Umsetzung in Westkenia

Die SLE-Studie wurde im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und in Kooperation mit GIZ Westkenia sowie dem Internationalen Zentrum für Tropische Landwirtschaft (CIAT) in Nairobi durchgeführt. Im Fokus für die Implementierung klima­smarter Landwirtschaft (siehe Kasten) standen drei Schwerpunktthemen:

  • Maßnahmen und Rahmenbedingungen;
  • die Perspektive der Farmebene; und
  • der Weg von der Forschung hin zur Anwendung mithilfe des Beratungsdienstes.

Die Studie hat klar aufgezeigt, dass die County-Regierungen als Katalysator fungieren müssen, um das nötige Politik­umfeld für die großflächige Etablierung von CSA zu schaffen. Eine klimasmarte Landwirtschaft muss in die entscheidenden Planungen integriert werden, um auch finanziell gefördert zu werden. Eine weitere Forderung ist die nach „smarter Entwicklung“, bei der es darum geht, Syn­ergien in den Behörden zu nutzen, indem wichtige Themen wie Ernährungssicherung, Gesundheit und Umwelt mit CSA verknüpft werden.

Die Studie empfiehlt weiter, ein nationales Konzept oder Verständnis für klimasmarte Landwirtschaft aufzubauen: Die offizielle Definition von CSA lässt eine Bandbreite von technischen Alternativen zu. In Kenia sollte aber ein Konsens gefunden werden, was im eigenen Land als klimasmart gelten soll. Dies könnte im Rahmen eines nationalen Forums geschehen, in dem Bauern, Forscher, landwirtschaftliche Beratungsdienste und Administration ein gemeinsames Konzept erarbeiten. Dabei sind kosteneffiziente und flexible Lösungen entscheidend, mit denen schnell auf veränderte Umweltbedingungen reagiert werden kann. Besonders spannend ist die Komponente Minderung von Treibhausgasemissionen: Wird sie außen vor gelassen, unterscheidet sich klimasmarte Landwirtschaft nicht wesentlich von traditioneller oder von Praktiken zur Klimaanpassung. Hier könnten Bezahlsysteme für die Kohlenstoffspeicherung – zum Beispiel durch die Anreicherung von organischer Substanz im Boden oder assoziierten Baumkulturen – (sogenannte PES – Payment for Ecosystem Services) eingesetzt werden.


Herausforderung der Umsetzung

Es bleibt allerdings die Herausforderung der Implementierung: Da der landwirtschaftliche Beratungsdienst in Kenia mangelhaft ist, müssen hier zuerst das Management verbessert und mehr und besser geschulte Mitarbeiter gewonnen werden. Dazu müssen sie angemessen bezahlt und besser aus- und weitergebildet werden. Dies ist Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums, das attraktive Rahmenbedingungen schaffen und sicherstellen muss, dass Lehr- und Trainingsmodule dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Eine zentrale Plattform könnte dazu beitragen, dass einheitliches, standardisiertes und aktuelles Bildungsmaterial verwendet wird.

Gleichzeitig ist ein partizipativer Ansatz in der Kooperation zwischen Farmer, Beratungsdienst und Forschungseinrichtungen notwendig, um sicherzustellen, dass Farmer und Berater bei der Entwicklung der Anbaumethoden nicht nur gehört werden, sondern auch maßgeblich dazu beitragen.

Sobald der Beratungsdienst besser ausgerüstet ist, um Bauern zu erreichen und zu beraten, können diese gute Entscheidungen über eine klimasmarte Bewirtschaftung treffen. Voraussetzung dafür ist ein gründlicher und angemessener Informationstransfer, der die Bauern durch den gesamten Prozess begleitet. Gleichzeitig sollte die Zahl der Multiplikatoren, etwa durch Modell-Bauern und gegenseitiges Lernen, erhöht werden.


Strukturelle Barrieren

Es bestehen aber auch einige Barrieren struktureller Art. Dazu gehören ungünstige Marktbedingungen, politische und institutionelle Barrieren, mangelhafte Infrastruktur – einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologie – und schlechte Qualität von Dienstleistungen. Auch hier sind staatliche Rahmenbedingungen und Erfolgskontrollen unerlässlich, um CSA erfolgreich großflächig in (West-)Kenia zu implementieren.

Zudem gibt es für Bauern, selbst wenn sie klimasmarte Techniken anwenden, keine Sicherheit, dass die Farm ausreichend resilient gegenüber zukünftigen Klimaveränderungen sein wird. Dies zeigt die Notwendigkeit auf, zusätzliche Sicherheitsnetze einzubeziehen wie subventionierte meteorologische Dienste und Versicherungen, die gegen Ernteverluste und Einkommensausfälle absichern, sowie Maßnahmen, die Bauern in der Implementierungsphase unterstützen, bis sich die Investitionen amortisieren.

Insgesamt ist die Umsetzung klimasmarter Landwirtschaft ein komplexes Unterfangen. Durch ihren ganzheitlichen Ansatz kann sie aber zur Resilienzbildung großer Bevölkerungsteile beitragen und die Lebensbedingungen der Landbevölkerung verbessern.


Michaela Schaller ist unabhängige Gutachterin und Klimaexpertin. Sie hat als Teamleitung das SLE Climate Smart Agriculture Project 2016/17 in Kenia unterstützt.
[email protected]


Link
Auslandsprojekte des Seminars für Ländliche Entwicklung:
https://www.sle-berlin.de/index.php/ap-2016

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