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Krisenstaat

Infrastruktur des Friedens

von Heinrich Plote
Infrastructure is in a sorry state, even in the capital

Infrastructure is in a sorry state, even in the capital

Der Wiederaufbau der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur Liberias ist eine wichtige Voraussetzung für eine friedliche Zukunft. InWEnt unterstützt durch Fortbildungsmaßnahmen die Rehabilitation des Straßennetzes. [ Von Heinrich Plote ]

Mehr als 200 000 Menschen kosteten 15 Jahre Bürgerkrieg im westafrikanischen Staat Liberia das Leben. Den Frieden sichern heute rund 16 000 Angehörige der United Nations Mission in Liberia (UNMIL). Die UN vermittelten 2003 ein Friedensabkommen. Bei den Präsidentschaftswahlen zwei Jahre später setzte sich die ehemalige Weltbank-Ökonomin Ellen John­son-Sirleaf gegen den Fussballstar ­George Weah durch.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage Liberias ist aber weiterhin desolat. Rund 85 Prozent der Bevölkerung haben keine Arbeit im formalen Sektor. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter 250 Dollar im Jahr gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Die Strom- und Wasserversorgung wurde völlig zerstört. Während des Bürgerkrieges wanderten qualifizierte Leute ab, viele junge Liberianer erhielten keine Schulausbildung.

Obendrein wuchs in den Bürgerkriegsjahren der Schuldenberg des Staates auf über drei Milliarden Dollar an. Davon wurde mittlerweile mehr als die Hälfte erlassen. Deutschland strich beispielsweise einen Betrag von 300 Millionen. Dennoch beschränkt die übrige Schuldenlast von 1,4 Milliarden Dollar bei Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Afrikanischer Entwicklungsbank stark den wirtschaftspolitischen Spielraum der Regierung.
Zwar verzeichnet Liberia seit dem Amtsantritt der Präsidentin ein hohes Wirtschaftswachstum von acht bis neun Prozent im Jahr – allerdings auf der sehr niedrigen Basis eines zerstörten Landes. Die Herausforderungen bleiben gewaltig, unter anderem benötigt die vom Bürgerkrieg traumatisierte Bevölkerung psychologische Unterstützung.

Johnson-Sirleaf will Liberia mit ausländischen Investoren und der Unterstützung internationaler Geber wieder aufbauen. Ihre Regierung verfolgt seit vergangenem Jahr eine „Interim Poverty Reduction Strategy“ mit den vier Säulen
– Sicherheit,
– wirtschaftliche Wiederbelebung,
– solide Regierungsführung und Rechtssicherheit sowie
– Infrastrukur und elementare Dienstleis­tungen.

Die Infrastruktur ist von zentraler Bedeutung. Verkehrswege, elementare Energie- und Wasserversorgung und Telekommunikation bilden die Grundlagen dafür, dass basale Gesundheits- und Bildungsdienste wieder funktionieren. Ohne sie lassen sich die Lebensbedingungen und der Frieden nicht stabilisieren. Während ihres Besuches im Oktober 2007 sprach sich deshalb auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Liberia für die Unterstützung des Infrastrukturaufbaus aus. Selbst in der Hauptstadt Monrovia befindet sich die Infrastruktur in einem desolaten Zustand.

Die Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungspolitik sind in Liberia entsprechend engagiert. InWEnt wird beispielsweise in einem gemeinsamen Vorhaben mit der GTZ, durch Fortbildungsmaßnahmen in den privaten Bauunternehmen und dem Unternehmerverband, den Wiederaufbau des Straßennetzes fördern.

Das ursprüngliche nationale Netz hatte eine Gesamtlänge von 10 000 Kilometern. Laut dem Ministry of Public Works bestand voriges Jahr nur noch ein eingeschränktes Kernstraßennetz von 2600 Kilometern Länge, von denen nur 60 Prozent für den Schwerlastverkehr taugten und 20 Prozent sogar als völlig unpassierbar galten. Die wichtigsten Devisienquellen Liberias sind das Schifffahrtsregister sowie der Export von Tropenholz, Diamanten und Kautschuk. Selbstverständlich müssen die natürlichen Ressourcen umweltverträglich genutzt werden, wenn die Entwicklung von Dauer sein soll. Ohne gut funktionierende Logistik auf Straßenverbindungen zu Häfen und Märkten ist das aber unmöglich.

Die Lage schätzt auch UN Generalsekretär Ban Ki-Moon ähnlich ein. Im März sagte er vor dem UN Sicherheitsrat: „Liberia steht weiterhin vor großen Wiederaufbau- und Entwicklungsaufgaben. Dazu gehören hartnäckige Armut, Nahrungsunsicherheit, hohe Arbeitslosigkeit, weit verbreitetes An­alphabetentum, schwache Infrastruktur und unzureichende Leistungen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Trinkwasserversorgung.“

Heinrich Plote