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Internationale Zusammenarbeit

Vertrauen bilden

von Leon Valentin Schettler

In Kürze

Wenn Bauern sich zusammentun, etwa um ihre Produkte zum Markt zu bringen, können alle profitieren. Händler auf dem Weg zum Markt von Jérémie in Haiti.

Wenn Bauern sich zusammentun, etwa um ihre Produkte zum Markt zu bringen, können alle profitieren. Händler auf dem Weg zum Markt von Jérémie in Haiti.

„Community Organising“ ist eine Methode aus den USA zur Stärkung von lokalen Gemeinschaften durch die Ausbildung von Vertrauen sowie die Identifikation lokaler Schlüsselpersonen und gemeinsamer Ziele.

Eine zentrale Idee dabei ist, dass Netzwerke dann stabil sind, wenn Schlüsselpersonen in ihnen wirken, an denen sich andere orientieren und von denen sie sich mitreißen lassen. Die Schlüsselpersonen sollten das Vertrauen ihrer Gruppe genießen und in ihrem Namen sprechen dürfen. Ein gutes Netzwerk formt sich aus Schlüsselpersonen, die sehr verschiedene Gruppen repräsentieren, die vorher keinen Kontakt zueinander hatten.

Drei konkrete Veränderungen in der Zusammenarbeit internationaler Organisationen (IOs) mit Haiti wären für einen solchen Ansatz notwendig:

  • Lokale Gemeinschaften als Schlüssel zur Selbstermächtigung: IOs haben traditionell einen starken Fokus auf den Staat. Doch der haitianische Staat verfügt nach wie vor über sehr geringe Kapazitäten, um Projekte erfolgreich umzusetzen. Solch extrem begrenzte Staatlichkeit kann jedoch durch die Förderung und Koordination lokaler Schlüsselpersonen sowie durch ein hohes Maß an Vertrauen kompensiert werden.
  • Vorrang für „Bottom-up“-Projekte vor Großprojekten: IOs und insbesondere Entwicklungsbanken geben gerne viel Geld auf einmal aus und ziehen dementsprechend Großprojekte kleineren vor. Bei „Community Organising“ inspirierten Projekten steht hingegen die Beziehung und die Etablierung von Vertrauen im Vordergrund. Allein die Identifikation von Schlüsselpersonen ist ohne detaillierte Kenntnis lokaler Strukturen nicht möglich. Solche Projekte kosten daher viel Zeit, aber nicht viel Geld.
  • Nachhaltige Projekte brauchen langfristige Finanzierung: Etwa 90 Prozent der Hilfsgelder fließen in humanitäre Projekte, die typischerweise auf einige Monate angelegt sind. So müssen die IO-Mitarbeiter derzeit immer wieder aufs Neue kreative Lösungen finden, um ein Projekt in das nächste zu „weben“. „Community Organising“ braucht Durchhaltevermögen, auch wenn vorzeigbare Resultate am Anfang rar sind.

Ein gelungenes Beispiel für ein Projekt, welches trotz dieser Widrigkeiten – und mit Hilfe des „Project Weaving“ – auf Prinzipien des „Community Organising“ aufbaut, ist das Vorhaben „Stärkung des Milchsektors“ der FAO in Haiti. Es besteht im Wesentlichen darin, Milchbauern zusammenzubringen. Die Treffen über einen längeren Zeitraum schaffen Vertrauen und helfen den Bauern, gemeinsame Interessen zu identifizieren sowie Kooperativen zu gründen. Die sozialen Beziehungen stehen dabei an erster Stelle, denn der Verbund muss auch über partikulare Anliegen hinaus zusammenstehen.

Während zum Beispiel vorher jeder Milchbauer seine Milch individuell auf dem Markt verkaufte, übernehmen dies nun Gesandte der Kooperative. Die FAO begleitet einen regelmäßigen Austausch über die Gesundheitsversorgung sowie das Melken der Kühe und identifiziert Schlüsselpersonen, welche sich in besonderem Maße für die gemeinsamen Anliegen einsetzen. Zudem stellt die FAO Experten, technisches Equipment und Räume zur Verfügung und organisiert Vernetzungstreffen für Schlüsselpersonen unterschiedlicher Gemeinschaften. (ls)

 

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