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Rohingya

Keine Hoffnung auf Rückkehr

von Mohammad Ehsanul Kabir, Palash Kamruzzaman

Meinung

Rohingya-Flüchtlingslager in Cox’s Bazar.

Rohingya-Flüchtlingslager in Cox’s Bazar.

Vor mehr als zwei Jahren sind mehrere hunderttausend Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Seitdem gab es zwei gescheiterte Rückführungsversuche. Kein einziger Rohingya ist bisher in sein Heimatland zurückgekehrt. Die Hoffnung auf eine Lösung schwindet dahin.

Die überwiegend muslimische ethnische Minderheit der Rohingya, die traditionell im Bundesstaat Rakhine im Norden von Myanmar lebt, gehört zu den meistverfolgten Gruppen der Welt. In Myanmar werden ihnen Grundrechte verweigert, und sie sind immer wieder Opfer ethnisch motivierter Gewalt (siehe auch Ridwanul Huque und Ashraful Azad im E+C/D+C e-Paper 2019/04, Schwerpunkt). Zuletzt kamen 2017 Hunderttausende ins Nachbarland Bangladesch, wodurch die Zahl der Rohingya dort auf rund eine Million stieg.

Bangladesch gewährte ihnen Schutz und versorgte sie mit dem Nötigsten, was die internationale Gemeinschaft lobend anerkannte. Doch das Mitgefühl der aufnehmenden Gesellschaft und der Regierung von Bangladesch lässt allmählich nach. Myanmar und Bangladesch haben gemeinsam zwei Rückführungsversuche unternommen, aber ohne Erfolg. Denn die Rohingya schrecken vor einer Rückkehr nach Myanmar zurück. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  • Zum einen sind im vergangenen Jahr weiterhin Rohingya-Dörfer zerstört und abgebrannt worden. An ihrer Stelle entstehen neue Häuser für Angehörige anderer ethnischer Gruppen.
  • Zum anderen haben Rohingya-Vertreter deutlich gemacht, dass die Grundvoraussetzung für eine Rückkehr darin besteht, dass die Rohingya die myanmarische Staatsbürgerschaft erhalten und sich frei bewegen dürfen. Stattdessen bot Myanmar lediglich sogenannte National Verification Cards (NVC) an, Ausweisdokumente, die normalerweise Ausländer bekommen, sowie ein Leben in abgegrenzten Lagern.

Die meisten Flüchtlingslager in Bangladesch befinden sich in der Stadt Cox’s Bazar. Dort leben mehr Rohingya als Einheimische. Die Überbevölkerung führt zur Zerstörung der Wälder und der Umwelt, treibt die Preise in die Höhe und beschneidet die Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Somit sinkt ihre Kaufkraft. Außerdem rekrutieren kriminelle Banden zunehmend Rohingya etwa für Drogen- und Menschenhandel. Die Spannungen zwischen den Flüchtlingen und den aufnehmenden Gemeinschaften haben ein alarmierendes Niveau erreicht.

Seit dem zweiten gescheiterten Rückführungsversuch im August 2019 rücken Teile der Medien und der Zivilgesellschaft die Rohingya in ein schlechtes Licht. Wir haben allerdings mitbekommen, wie Rohingya massenhaft ihre Dankbarkeit gegenüber der Regierung und den Menschen von Bangladesch ausgedrückt haben. Verschiedene Interessengruppen in und außerhalb der Lager verfolgen ihre jeweils eigene Agenda. In Zeiten sozialer Medien verbreiten sich Gerüchte schnell und heizen die negative Stimmung der Bangladeschis gegenüber den Rohingya an. Es besteht die Gefahr eines ernsthaften Konflikts, vor allem dort, wo die Flüchtlinge in engem Kontakt mit ihren Gastgebern leben. Alle Beteiligten stehen vor großen Herausforderungen.

Bisher gibt es keine Garantie dafür, dass Rohingya, die in ihre Heimat zurückkehren, vor staatlicher Verfolgung, Gewalt und Übergriffen sicher sind, derentwegen sie geflohen sind. Es ist unbestreitbar, dass eine Rückkehr in Würde und Sicherheit geschehen muss. China, Indien und Russland halten sich offensichtlich heraus und ziehen die Krise dadurch in die Länge. Symbolisches Mitgefühl von anderen Global Players führt ebenfalls zu keiner Lösung. Bisher hat die Unterstützung verschiedener humanitärer Organisationen die Flüchtlinge am Leben gehalten. Doch die Spannungen könnten bald eskalieren. Wenn die Krise nicht gelöst wird, besteht die Gefahr, dass sie sich zu einem globalen Sicherheitsproblem auswächst.


Mohammad Ehsanul Kabir ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität von South Wales.
[email protected]

Palash Kamruzzaman ist Dozent an der Universität von South Wales. Zusammen haben sie eine sechsmonatige Feldstudie in mehreren Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch durchgeführt. Die von der British Academy finanzierte Forschung wird fortgesetzt.
[email protected]

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