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Finanzen

Leben auf Kredit

von Humphrey Nkonde

Heutzutage

Mikrofinanzierung ist ein großes Geschäft in Sambia und führt zur Verschuldung der Mittelschicht.

Mikrofinanzierungsunternehmen haben sich in Sambia explosionsartig verbreitet. Ihre Namen lauten MFinance, Bayport oder Blue Financial Services, und sie teilen mit vollen Händen Darlehen aus. Das Kleinkundengeschäft ist in den vergangenen Jahren aufgekommen, mit Banken wie der Zambia National Commercial Bank, Barclays, Bank ABC und Standard Chartered Bank, die Kunden aus der Mittelschicht Kredite geben.

Früher verlangten die Banken Sicherheiten für Darlehen, zum Beispiel Eigentumsnachweise für Häuser. Finanzinstitute für Kleinstkredite (microfinance institutions – MFIs) und Banken haben jedoch ihre Regeln gelockert. So müssen etwa nur Festangestellte ihr Gehalt nachweisen. Laut Ndumo Hojane, die für die Citibank Zambia arbeitet, haben MFIs „eine längere Schuldnerliste als kommerzielle Banken“.

Die MFIs haben neue Jobs geschaffen und dafür gesorgt, dass mehr Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen bekommen. Sie wollen ihre niedrigen Gehälter aufbessern, in die Ausbildung ihrer Kinder investieren und Kosten der Gesundheitsversorgung decken. Manche brauchen auch Geld, um Luxusautos zu kaufen oder aufwändige Hochzeitsfeiern zu finanzieren.

Viele Beamte haben Schulden aufgenommen, um ein Eigenheim zu bauen. Andere finanzieren Kleingewerbe wie Hühnerzucht. Laut Victor Sakala, Lehrer in der Stadt Ndola, sind viele Beamte verschuldet, weil ihre Gehälter zu niedrig sind: „Wir leben in Großfamilien, und die Lebenshaltungskosten sind hoch. Wir sind gezwungen, für alle Familienmitglieder Essen und Ausbildung zu bezahlen“, erklärt Sakala.

Andere Probleme kommen hinzu. Zum Beispiel müssen alle Lehrer neue Abschlüsse erwerben, weil die alten Diplome und Zertifikate nach und nach ihre Gültigkeit verlieren. „Wir zahlen selbst für unsere Ausbildung, dafür brauchen wir Geld“, klagt Sakala. „Die meisten von uns wenden sich an MFIs, weil Banken dich für einen Kredit bis zu sechs Jahre binden können.“

2015 verlor Sambias Währung Kwacha 51 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar. Kupfer ist Sambias Hauptexportartikel, aber die Weltmarktpreise dafür fallen. Inflation ist ein großes Problem, und die Staatsverschuldung ist hoch. Öffentliche Versorgungsunternehmen sahnen ab, wo sie können. Um die eigenen Kosten zu decken, haben die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Zambia Electricity Supply Corporation (ZESCO) und Wasserwerke Prepaid-Zähler in Vierteln anbringen lassen, in denen Polizisten wohnen. „Früher mussten wir nicht einmal für Strom bezahlen, aber bald müssen wir auch noch für Wasser zahlen“, sagt ein Polizeibeamter. Seine Kaufkraft wird entsprechend abnehmen. Nicht nur Sambias Mittelschicht kommt nicht mit ihrem Geld aus – auch staatliche Firmen schaffen es kaum, genug Einkommen zu erwirtschaften.


Humphrey Nkonde ist Journalist, Medienwissenschaftler und Logistiker. Er lebt in Ndola, Sambia.
[email protected]

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