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Erfindung aus Malawi revolutioniert Lernen für blinde Schüler*innen

Keine Blindenschrift vorhanden? An einer Blindenschule in Malawi ist das nun kein Problem mehr. Ein KI-Tool verändert dort die Art und Weise, wie Schüler*innen lernen und am Unterricht teilnehmen. So sind sie auch weniger auf Unterstützung angewiesen.

Bis 2024 war Yankho Maganga auf Bücher in Blindenschrift und die kontinuierliche Hilfe von Lehrkräften angewiesen, um im Unterricht mithalten zu können. Der Schulalltag, sagt die 14-jährige sehbehinderte Schülerin an der Chilanga-Blindenschule im Bezirk Kasungu in Zentralmalawi, sei über Jahre hinweg ein harter Kampf gewesen. „Ich hatte große Schwierigkeiten“, sagt sie. „Manchmal konnte ich meine Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen. Meine Noten waren sehr schlecht.“

Das hat sich allerdings mittlerweile geändert. „Meine Noten haben sich verbessert. Jetzt gehöre ich zu den Besten“, sagt Yankho Maganga und zeigt auf einen schwarzen Computer auf einem kleinen Holztisch. In gewisser Weise ist er der Grund für ihre Verbesserung.

Ihr Lehrer John Makombe erklärt, dass auf dem Computer ein KI-gestütztes Lernsystem namens Blind Classroom läuft, erfunden vom jungen malawischen Entwickler Staff Nyoni. Makombe ist zugleich Ausbilder für das Blind-Classroom-Projekt an der Schule. Das System, sagt er, verändere grundlegend, wie sehbehinderte Schüler*innen Zugang zu Bildung erhalten, indem es schriftliche Inhalte in interaktive Audiolektionen umwandelt.

„Anstelle von Tablets navigieren die Lernenden über eine vereinfachte Oberfläche mit drei Tasten und Sprachbefehlen durch das System“, sagt Makombe. „Das Gerät spricht mit ihnen, liest Lektionen vor, stellt Fragen und ermöglicht es ihnen, mit ihrer eigenen Stimme zu antworten.“ Yankho Maganga bestätigt das: „Ich kann eine Lektion so oft wiederholen, bis ich sie verstehe“, sagt sie. „Ich muss nicht mehr warten, bis eine Lehrkraft oder jemand anderes mir beim Lesen hilft.“

Entwickler Staff Nyoni sagt, er habe als Kind mitbekommen, wie schwer sich sein sehbehinderter Vater mit dem Lesen tat. Er erinnert sich auch an ein sehbehindertes Mädchen in seinem Ort, das die Schule abbrechen musste, weil es die Leseanforderungen nicht erfüllen konnte. Diese Erfahrungen hätten ihn zu der Idee inspiriert.

In Malawi leben mehr als 800.000 Menschen mit Sehbehinderungen, doch nur etwa 50.000 von ihnen besuchen derzeit eine Schule. Viele brechen frühzeitig ab, weil es an zugänglichen und benutzerfreundlichen Lernmitteln fehlt.

„Später im Informatikstudium habe ich dann die Möglichkeit gesehen, etwas zu entwickeln, das die Probleme in meinem Umfeld lösen könnte“, sagt Nyoni. „Die Chance kam 2022, als Save the Children dazu aufrief, Ideen einzureichen. Gemeinsam mit Partnern organisierten sie einen Hackathon, bei dem wir die Ideen dann präsentierten. Ich wurde für ein zweijähriges Inkubationsprogramm bei NextGen Labs ausgewählt, um das System weiterzuentwickeln und zu verbessern.“

Save the Children unterstützte die Pilotphase der Innovation, die derzeit an der Chilanga-Blindenschule und auch am St. Joseph Resource Centre im Distrikt Dedza in Zentralmalawi eingesetzt wird. Bright Chidzumeni, Innovationsmanager bei Save the Children Malawi, sagt, die Organisation unterstütze das Projekt, weil es zu ihren zentralen Themenschwerpunkten passe. „Die Erfindung steht in direktem Zusammenhang mit unserer Arbeit im Bildungsbereich“, sagt Chidzumeni. „Blind Classroom greift zentrale Herausforderungen auf, mit denen Lernende mit Sehbehinderung konfrontiert sind. Deshalb haben wir entschieden, das Projekt zu unterstützen.“

Wie Chidzumeni erklärt, weitet die Organisation das Projekt auf weitere Schulen aus. „Derzeit führen wir die Innovation an 14 Blindenschulen ein“, sagt er. „Wir haben Mittel bereitgestellt, um Computer und weitere Geräte für den Betrieb von Blind Classroom anzuschaffen. Insgesamt haben wir rund 18.000 Euro für das Projekt eingeplant.“

Trotz der Erfolge weist Lehrer John Makombe auf eine Herausforderung hin, die nach wie vor bestehe. „Noch sind nicht alle Schulfächer im System integriert“, sagt er. „Einige wichtige Inhalte fehlen noch. Wir hoffen, dass künftig jedes Fach verfügbar sein wird, damit die Lernenden in vollem Umfang davon profitieren können.“ Entwickler Staff Nyoni sagt, dies sei eine der Lücken, die derzeit geschlossen würden.

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Blind Classroom

Lameck Masina ist freiberuflicher Journalist und lebt in Blantyre, Malawi. 
lameckm71@gmail.com  

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