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Frauen

Vorbilder in Nachbarländern

von Berthold Hoffmann
In Südasien und im südlichen Afrika kooperieren Unternehmerinnenverbände über nationale Grenzen hinweg. InWEnt unterstützt sie dabei. [ Von Berthold Hoffmann ]

In Südasien ist regionale Zusammenarbeit wegen der schwelenden Konflikte zwischen Indien und Pakistan oft schwierig. Gleichwohl sorgt SCWEC – SAARC Chamber Women Entrepreneurs Council – für Dialog und Austausch. Das Kürzel steht für eine Untergliederung der South Asian Association for Regional Cooperation (SAARC).

Indira Dutt ist derzeit die SCWEC-Präsidentin. Die Inderin ist stolz auf das, was sie mit Kolleginnen aus Pakistan, Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Bhutan und den Malediven in den vergangenen drei Jahren geschafft hat. In mehr als 50 Workshops, Trainings und Dialogveranstaltungen haben sie zivilgesellschaftliches Engagement bewiesen. Ihr Enthusiasmus erinnert an die frühe Bewegung für europäische Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Mittelpunkt der SCWEC-Veranstaltungen stehen die Probleme, mit denen Unternehmerinnen in Südasien konfrontiert werden. Gesucht werden Lösungen, wobei erfolgreiche Nachbarländer als Vorbilder dienen können. Innovativ ist zudem das SAARC Chamber Crafts Village in Nepal, in dem SCWEC erste Schritte zur gemeinsamen Vermarktung von Handwerksprodukten vom gesamten Subkontinent macht. Indira Dutt berichtete davon im November während der InWEnt Winter School für Unternehmerinnenverbände im indischen Mamallapuram.

Dem Wissenschaftler Rajiv Kumar (2009) zufolge ist die Zeit reif dafür, sich verstärkt um Kooperation in Südasien zu bemühen. Auch Indien, die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Region, könne davon profitieren. Den SCWEC-Frauen muss das niemand mehr erklären, sie sind längst dabei, ihre Kooperation untereinander auszubauen. Sie wissen aber auch, dass ihre Erfolge ohne den nötigen politischen Rückenwind begrenzt bleiben.

Günstiger sind die Rahmenbedingungen im südlichen Afrika. Die Southern Africa Development Community (SADC) hat ein Protokoll beschlossen, auf das Magdeline Mathiba-Madibela, die Leiterin der Gender Unit des SADC-Sekretariats, nicht ohne Stolz verweist. Dieses verbindliche Regelwerk ist sogar beim SADC-Tribunal in der namibischen Hauptstadt Windhoek einklagbar. Ein Action Plan soll darüber hinaus sicherstellen, dass das politische Ziel der Geschlechtergleichstellung auch umgesetzt wird. Die Gender Unit berät die Mitgliedstaaten bei der Implementierung und setzt sich dafür ein, dass Männer und Frauen gleichermaßen an Entscheidungsprozessen mitwirken.

Magdeline Mathiba-Madibela hält das südliche Afrika in Bezug auf Gesellschaft, Kultur, Politik und Religion für sehr heterogen. Manchmal beeinträchtigten auch Ressentiments oder die Angst vor Identitätsverlust die regionale Kooperation. Im Gespräch mit Kolleginnen aus Südasien wurde ihr bewusst, wie wichtig die Vernetzung von regionalen Unternehmerinnenverbänden ist. Angeregt vom SCEWC-Beispiel hat sie beschlossen, in der SACD den Austausch durch Trainingsprogramme, gemeinsame Messen und dergleichen mehr zu stärken.

Die SCWEC-Frauen hingegen zeigten sich beeindruckt vom Protokoll der SADC. Sie kündigten an, künftig den Druck auf ihre Regierungen zu erhöhen, damit Gleichstellungsfragen auch auf der Agenda der SAARC nach oben rücken. Jedenfalls wollen sich SCWEC und SADC Gender Unit künftig wechselseitig über ihre Aktivitäten auf dem Laufenden halten. Das InWEnt-Programm CHANCE (Chamber and Advisory Network and Cooperation for Women Entrepreneurs) wird sie dabei unterstützen.

CHANCE unterstützt Unternehmerinnenverbände und Beratungseinrichtungen auf nationaler und regionaler Ebene durch Training, Dialog und Netzwerkbildung. Mit zunehmendem Erfolg und wachsenden Mitgliederzahlen steigen derweil auch die Ansprüche an die Dienstleistung dieser Verbände und Netzwerke, die oft auf ehrenamtlichem Engagement beruhen. Die Vermittlung von Kenntnissen kann dazu beitragen, Verbände professionell zu managen.