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Landgrabbing

Mafiöse Netzwerke

von Djeralar Miankeol

In Kürze

Landgrabbing ist ein großes Problem in vielen afrikanischen Ländern: Protest von kenianischen Schülern 2015.

Landgrabbing ist ein großes Problem in vielen afrikanischen Ländern: Protest von kenianischen Schülern 2015.

In vielen Entwicklungsländern findet Landgrabbing in großem Umfang statt, entweder für den Bergbau oder für landwirtschaftliche Nutzung. Für die betroffenen dörflichen Gemeinschaften hat der Verlust des Landes verheerende Auswirkungen. Das Bewusstsein für die Problematik wächst jedoch, und es gibt immer mehr Instrumente und Richtlinien, um die negativen Folgen in den Griff zu bekommen.

Dabei wird das Landgrabbing durch lokale Eliten kaum beachtet, obwohl es genauso gravierende und weitreichende Auswirkungen hat wie die Landnahme durch internationale Unternehmen. Im Tschad – wie im Großteil der Länder südlich der Sahelzone – investieren Politiker, Soldaten, Beamte und Geschäftsleute in großem Stil in die extensive Tierhaltung und eignen sich dafür Land der Bauern an. In Dörfern am Rande großer Städte tun sie das zudem zum Zweck der Spekulation. In diversen Ländern sind mafiöse Netzwerke aus lokalen In­vestoren, Verwaltung, Justiz und Sicherheitskräften entstanden.
Die Methoden, mit denen sie Armen Land wegnehmen, sind klug und vielfach perfide: Sie schüchtern Menschen ein, nutzen deren Unwissen und Angst aus, missbrauchen ihre Macht und wenden Gewalt an. Familien, Gemeinschaften und ganze Regionen rutschen in noch tiefere Armut ab, indem sie mit den Anbauflächen auch ihre Lebensgrundlage verlieren. Junge Menschen wandern in die Städte ab, wo sie sich als Tagelöhner durchschlagen, versuchen ihr Glück als Goldschürfer oder migrieren in Nachbarländer oder nach Eu­ropa.
Im Rahmen der EU-Maßnahmen zur Eindämmung der Fluchtbewegungen und des Kampfes gegen den Terror erhalten die Länder der Sahelzone deutlich mehr Entwicklungsgelder als vorher. Die deutsche Entwicklungshilfe (official development assistance – ODA) unterstützt zum Beispiel Mali in besonderem Maße und hat auch den Tschad wieder auf ihrer Liste, nachdem die bilaterale Zusammenarbeit Ende 2012 aufgrund schlechter Regierungsführung und Korruption ausgelaufen war. Solange Angehörige der staatlichen Institutionen, die Landbesitz regeln, selbst Nutzer und Spekulanten sind, und solange Straflosigkeit vorherrscht, wird Landgrabbing jedoch eher zu- als abnehmen.

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