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Leserbrief

Marshallplan mit Afrika muss gelingen

von Winfried Pinger

Meinung

Bundesminister Gerd Müller besucht ein polytechnisches Trainingszentrum in Kigali, Ruanda.

Bundesminister Gerd Müller besucht ein polytechnisches Trainingszentrum in Kigali, Ruanda.

Betrifft: Interview mit Bundesminister Gerd Müller zu: „Das kann nur gemeinsam gelingen“ in E+Z/D+C e-Paper 2017/05, S. 20.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat einen Marshallplan mit Afrika vorgeschlagen (Link). Außerordentlich positiv zu bewerten sind die Klarheit und der Mut bei der Beschreibung der Lage in Afrika und bei den entwicklungspolitischen Herausforderungen.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Afrika bei 50 Prozent. Wegen Perspektivlosigkeit und der fehlenden Aussichten auf Arbeitsplätze stehen viele junge Menschen in Afrika vor der Entscheidung, die Flucht über das Mittelmeer zu wagen und in Europa das Heil zu suchen. Jetzt müssen 20 Millionen neue Arbeitsplätze pro Jahr in Afrika geschaffen werden. Dazu bedarf es konkreter Antworten.

Müller will niemanden zurück lassen, spricht aber auch eindeutig aus, dass korrupte Eliten in vielen Ländern noch zu viel Einfluss haben. Wie aber können Länder unterstützt werden, die wegen Korruption im Elend verharren?

In solchen Fällen dürfen Fördermittel nicht an die Regierungen sondern müssen direkt an die Menschen geleitet werden. Wenn die Entwicklungspolitik sich darauf konzentriert, kann sie die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Unterstützung von Millionen kleiner und mittelständischer Betriebe voranbringen. 

Allerdings verfügen noch zu wenige Durchführungsorganisationen über Erfahrungen bei dieser Art von Mittelstandsförderung. Was funktioniert, ist aber bekannt. So muss etwa der Zugang zu Krediten und anderen Finanzdienstleistungen möglich werden, wobei auf die positiven Erfahrungen der Mikrofinanzierung zurückgegriffen werden kann. Inzwischen gibt es weltweit 190 Millionen Existenzgründerinnen und 10 Millionen Existenzgründer, die Kleinkredite erhalten haben und sie zu über 95 Prozent zurückzahlen. 

In Afrika warten tausende leistungsfähiger kleinerer Mikrobanken auf Unterstützung beim Ausbau ihrer Filialnetze und der Refinanzierung. Während sich die Mikrofinanzierung bisher auf Existenzgründungen konzentrierte, muss jetzt vor allem auch die Kreditversorgung vorhandener Betriebe massiv angegangen werden. Dies wäre übrigens auch eine besonders wichtige Form der Förderung von Frauen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel richtig erkannt hat.

Es wird im Übrigen in Afrika keine sicheren Arbeitsplätze geben, wenn nicht auch gewaltige Anstrengungen zur Ausbildung unternommen werden. In den vergangenen Jahrzehnten hat es allerdings nur wenige gute Berufsausbildungsprojekte gegeben. Die meisten sind im Sumpf von staatlicher Vetternwirtschaft und Bestechung untergegangen.

Es gilt jetzt, aus Fehlern zu lernen. Wesentlich ist es, nach Vorbild des dualen Systems in Deutschland die Betriebe entscheidend in die Ausbildung einzubeziehen. Die Unternehmen und ihre Selbstverwaltungsorganisationen müssen die Träger der beruflichen Bildung werden. Sie können dafür gewonnen werden, denn es ist in ihrem Interesse, Praxisrelevanz zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sie auf Dauer kompetente und zuverlässige Mitarbeiter haben. Wir Deutsche können Ihnen dabei helfen.

Diese Dinge müssen beherzigt werden. Dann kann ein Marshallplan mit Afrika gelingen.

 

Prof. Dr. Winfried Pinger, Köln, ehemaliger Entwicklungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

 

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