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Entwicklung afrikanischer ­Crowdfunding-Plattformen

von Rolf Drescher

In Kürze

Wichtig bei der Entwicklung nationaler afrikanischer Crowdfunding-Plattformen ist, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen. „Africanise crowdfunding“, „Think small“ und „Cooperate“ sind zentrale Leitplanken für die Marktentwicklung.

Africanise Crowdfunding heißt: lokale Crowdfunding-Plattformen mit angepasster Technologie für lokale Investitionen. Kein Bankkonto? Kein Problem! In vielen afrikanischen Ländern fehlt die klassische Infrastruktur zum Geldtransfer, Bankkonten und Kreditkarten sind noch eher die Ausnahme als die Regel. Um unter diesen Umständen eine breite Beteiligung am Crowdfunding zu ermöglichen, müssen Einzahlungen über mobile Zahlsysteme mit einem Geldtransfer via SMS (wie etwa den kenianischen Finanzdienst M-Pesa) ermöglicht werden. Die indische Crowdfunding-Plattform Ketto arbeitet mit einem Kurierdienst zusammen, der Bareinzahlungen ab einem Mindestbetrag abholt.

Think Small heißt: ein Schritt nach dem anderen. In Nordamerika, Asien und Europa hat sich der Crowdfunding-Markt schnell stark ausdifferenziert und sehr komplexe Finanzierungsangebote für hohe Volumina generiert, die sich weit von dem ursprünglichen Crowdfunding-Ansatz entfernt haben. Das gilt insbesondere für das kreditbasierte Crowdfunding, das Crowdinvesting und das schnell wachsende Real Estate Crowdfunding. Diese Entwicklung ist kein Wegweiser für die Markt-entwicklung in Afrika, schon allein wegen des Fehlens eines adäquaten institutionellen und rechtlichen Rahmens. Zur KMU-Finanzierung bedarf es zunächst nationaler Crowdfunding-Plattformen mit traditionellen Finanzierungangeboten – als spenden-, gegenleistungs- und kreditbasiertes Crowdfunding – mit einer geringen Mindestbeteiligung in lokaler Währung.

In den Blick muss man insbesondere auch die KMU nehmen, die für Mikrokredite zu groß und für traditionelle Bankenfinanzierung zu klein sind. Die kenianische Crowdfunding-Plattform M-Changa bietet zahlreiche Beispiele: Finanzierung der Produktion eines „Afrosneakers“ (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 350 000 (€ 3000), Gegenleistung: reduzierter Preis für die Sneakers); Finanzierung solarbetriebener Anlagen zur Steigerung der Produktion eines landwirtschaftlichen Betriebs / Weiterverarbeitung von Früchten (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 350 000 (€ 3000), Gegenleistung: Marmeladengläser aus der geförderten Produktlinie); Finanzierung der Produktion mit sauberer Energie zu betreibender Kochherde (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 1,5 Mio. (€ 14 000), Gegenleistung: reduzierter Preis für den Kochherd). Andere interessante afrikanische Plattformen sind PezaZetu (Kenia) und Thundafund / StartMe (beide Südafrika).

Cooperate heißt: Zusammenarbeit mit Partnern auf allen Ebenen bei der Marktentwicklung. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gibt es viele Ansatzpunkte, Crowdfunding als Instrument der KMU-Finanzierung zu fördern. Eine fachliche Unterstützung des KMU bei Planung und Durchführung des zu finanzierenden Projekts und/oder eine finanzielle Beteiligung werden von potenziellen Geldgebern zweifelsfrei als vertrauensbildend und risikomindernd eingestuft. Organisationen können sich zum Beispiel an der Finanzierung eines Projekts in der Weise beteiligen, dass sie den gecrowd-fundeten Betrag aufstocken. Die gecrowdfundete Darlehns- oder Beteiligungssumme kann nach dem Modell strukturierter Finanzierung in unterschiedliche Risikotranchen aufgeteilt werden, wobei die Organisation die risikoreichste Tranche übernimmt, um so für andere Anleger das Risiko zu minimieren und einen Investitionsanreiz zu schaffen. Gleichermaßen kann eine „First loss protection“ gewährt werden, mit der bei Zahlungsausfall ein bestimmter Prozentsatz übernommen wird. Es ist allerdings darauf zu achten, dass durch die Einbindung von Entwicklungsorganisationen Marktmechanismen und die in der Investitionsbereitschaft der Crowd abgebildete Einschätzung der finanziellen Viabilität des Projekts nicht außer Kraft gesetzt werden.

Ein erhebliches Potenzial für die Finanzierung afrikanischer KMU haben auch internationale Plattformen mit entsprechenden Finanzierungs­angeboten. Diese können auch komplexere Finanzprodukte und Kapitalbeteiligungen anbieten. Eine Reihe von Plattformen spricht gezielt die afrikanische Diaspora an, bei der eine höhere Bereitschaft zu Investitionen in Afrika und ein großes Finanzierungspotenzial gesehen wird. Interessante Beispiele – mit sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen – sind die Plattformen Bettervest (Deutschland), Crowd4Climate (Österreich), Lendahand (Niederlande), Blue Bees (Frankreich), Trine / Emergingcrowd (beide UK) und Kiva (USA).

 

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