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Marginalisierung

Kein Platz für die Twa

von Mireille Kanyange

Heutzutage

Die Twa, auch als Pygmäen bezeichnet, sind die älteste und kleinste Volksgruppe in Burundi. Ihre mehrere zehntausend Angehörigen werden kaum wahrgenommen und haben nicht die gleichen Rechte wie Hutus und Tutsis. Doch die Twa wollen die Marginalisierung nicht länger hinnehmen.

Minani, ein Mutwa (so die Bezeichnung für eine einzelne Twa-Person) aus Cibari  in der nördlichen Provinz Muyinga. lebt mit seiner Frau und sechs Kindern in einer Hütte, die nur aus einem einzigen Zimmer besteht. „Bei Regen regnet es herein“, sagt Minani. „Wir haben kein fruchtbares Land zum Bestellen. Wir leben von der Töpferei, aber es wird immer schwieriger, Ton zu finden.“

Karorero aus Buganda in der westlichen Provinz Cibitoke hat ein anderes Problem: Er findet zwar genügend Ton, kann aber nicht viele Töpferwaren verkaufen. Er sagt, dass die Hutus und Tutsis heutzutage moderne Haushalts- und Küchenutensilien benutzen und nicht mehr die Waren, die die Twa herstellen. Zum Lebensunterhalt seien sie nun gezwungen, als Lohnarbeiter auf den Feldern anderer Leute zu arbeiten. Minani und Karorero sind sich einig, dass ihre Volksgruppe diskriminiert wird.

Burundis Verfassung von 2018 erkennt die Twa formell an und schreibt für das Parlament drei kooptierte Vertreter der Ethnie vor. Grundlage für die Kooptierung sind Vorschlagslisten, die Twa-Organisationen aus den verschiedenen Regionen des Landes einreichen. Eine dieser Organisationen ist UNIPROBA (Unissons-nous pour la Promotion des Batwa). Sie lehnt die Kooptierung jedoch ab und kämpft stattdessen für eine faire Repräsentation der Twa in den Institutionen des Landes.

Libérate Nicayenzi, UNIPROBA-Mitglied und Vertreterin der Twa in Burundis Wahrheitskommission, sagt: „Die Verfassung schreibt für verschiedene Institutionen 60 Prozent Hutus und 40 Prozent Tutsi vor. Wo ist unser Platz? Wie steht es um Artikel eins der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: ‚Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren‘?“

Emmanuel Nengo, der ebenfalls UNIPROBA-Mitglied ist, betont, dass neben der Diskriminierung auch die Armut viele Probleme für die Twa mit sich bringe. Beispielsweise gingen die Kinder nicht zur Schule oder brächen sie vorzeitig ab, weil sie zu Hause zum Töpfern gebraucht würden. Schulmaterialien hätten sie auch nicht. Laut Nengo kann von Entwicklung keine Rede sein, wenn die Menschen weder Land zum Bestellen noch richtige Häuser noch Bildung haben.

Nicayenzi weist darauf hin, dass die Twa auch selbst umdenken müssten. Sie appelliert an alle Eltern, sich von alten Konventionen zu lösen und ihre Kinder in die Schule zu schicken. Auch die Regierung wünscht sich mehr Kooperationsbereitschaft von den Ureinwohnern. Ein Kommunalbeamter aus Muyinga klagt: „Wenn Wohltäter Häuser für die Twa bauen, um ihren Lebensstandard zu verbessern, verkaufen sie sofort die Dachbleche.“

 

Mireille Kanyange ist Journalistin und Reporterin bei Radio Isanganiro in Burundi.
[email protected]

e-Paper no. 12 2019, 2019/12

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