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Bildung

Endlich eine richtige Schule

von Mona Naggar

Heutzutage

Flucht wirkt sich sehr negativ auf die Bildung von Kindern aus. Laut dem aktuellen Bildungsbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kann nicht einmal jedes zweite der 7,1 Millionen Kinder, die aus ihrer Heimat geflohen sind, eine Schule besuchen. Weltweit gehen demnach 91 Prozent aller Kinder im Grundschulalter zur Schule; bei Geflüchteten sind es nur 63 Prozent.

Der Libanon ist eines der Länder mit den meisten Geflüchteten im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Seit Ausbruch des Krieges im Nachbarland Syrien haben Hunderttausende im Libanon Zuflucht gefunden. Im Juli 2019 waren knapp eine Million Flüchtlinge beim UNHCR im Land registriert. Mehr als ein Drittel dieser Menschen lebt in der Bekaa-Ebene im Ostlibanon. Trotz zahlreicher internationaler Programme besucht weniger als die Hälfte der 3- bis 18-jährigen syrischen Kinder und Jugendlichen eine Schule.

Medyen Al Ahmad, der mit seiner Familie ebenfalls vor dem Krieg in Syrien in den Libanon geflohen ist, engagiert sich seit vielen Jahren in Bildungsinitiativen für syrische Flüchtlingskinder. In seinem Camp gründete er für die jungen Bewohner seines und der umliegenden Lager eine Zeltschule, die vom deutschen Verein Schams unterstützt wurde. Die Kinder wurden anfangs nach einem Lehrplan für informelle Schulen unterrichtet und konnten keine offiziell anerkannten Zeugnisse bekommen. Das war stets ein Problem, wenn sie an weiterführende Schulen wechselten.

Aber nun soll es eine richtige Schule in dem Camp geben, ebenfalls von Schams unterstützt. Damit soll der Unterricht anders werden. Die Lehrer unterrichten nach libanesischem Lehrplan, und die Kinder bekommen vom Erziehungsministerium anerkannte Zeugnisse. Mitte Oktober geht der Schulbetrieb los. 75 syrische Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren werden die Klassen 1 bis 6 besuchen.  

Das einstöckige, braun verputzte Gebäude liegt außerhalb von Bar Elias in der Bekaa-Ebene. Zur syrischen Grenze sind es etwa zwölf Kilometer. Aus den Fenstern der Schule schaut man auf Kartoffelfelder und informelle Lager – Hütten aus Holzgerüsten, mit weißen Plastikplanen überzogen. In der Kleinstadt  leben ungefähr 20 000 Libanesen und mehr als doppelt so viele Flüchtlinge.

Es braucht viel Kraft, um im heutigen Libanon ein Projekt für syrische Kinder aufzubauen. Die Menschen im Land sind zunehmend feindlich gegenüber den Flüchtlingen eingestellt, und Politiker drängen darauf, dass die Syrer zurückgehen sollen – ungeachtet der Lebensbedingungen in ihrer Heimat. Al Ahmad zieht diese Kraft aus voll besetzten Klassenzimmern und dem Trubel der Kinder.


Links

UNHCR, 2019: Stepping up. Refugee education in crisis.
https://unhcrsharedmedia.s3.amazonaws.com/2019/Education-report_30-August_2019/Education+Report+2019-Final-web.pdf

Schams – Verein zur Förderung und Unterstützung von syrischen Kindern und Jugendlichen:
http://schams.org/


Mona Naggar ist Journalistin und Medientrainerin. Sie lebt in Beirut.
[email protected]

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