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Deutscher Entwicklungstag

Lebensfreude – und Flucht

von Mareike Forchheim

In Kürze

Lassana Justin Yao (mit Mütze) aus Burkina Faso sagte in Marburg, sein Land brauche Strategien, um natürlichen Reichtum fair zu verteilen.

Lassana Justin Yao (mit Mütze) aus Burkina Faso sagte in Marburg, sein Land brauche Strategien, um natürlichen Reichtum fair zu verteilen.

Der interkulturelle Dialog zwischen Europa und Afrika trägt zum besseren wechselseitigen Verständnis bei – und kann zu entwicklungspolitischem Engagement anregen.

„Unsere Musik ist für uns wie ein Stück Zuhause“, erzählt Narcisse Ngale. Der Gründer des Gießener Chors „Die Stimme Afrikas“. Alle Mitglieder stammen aus Kamerun und tragen ihre Lieder in den Sprachen Beti, Bamileke und Bassa, manche aber auch auf Deutsch oder Englisch vor. Sie möchten dem deutschen Publikum zeigen, dass die Menschen aus Kamerun oder aus Afrika im Allgemeinen voller Hoffnung sind, sagt Ngale. Ein Motiv der Gründung war, Gottesdienste in Deutschland mit afrikanischen Traditionen  zu beleben.

Der Chor trat beim Ersten Deutschen Entwicklungstag am 25. Mai in Marburg auf – genau 50 Jahre nach der Gründung der Organisation für die Einheit Afrikas, der Vorgängerorganisation der Afrikanischen Union. Die Veranstaltung stand bundesweit unter dem Motto „Dein Engagement. Unsere Zukunft“.

Anders als Deutschland leidet Kamerun aus Ngales Sicht an geringer Bereitschaft zu politischem und gesellschaftlichem Engagement. Er erklärt das damit, dass die Menschen nicht das Gefühl hätten, dass Proteste gegen das alte Ein-Parteien-Regime Anfang der 90er Jahre etwas substanziell geändert hätten. Mittlerweile gibt es in Kamerun auch Oppositionsparteien. Dennoch beherrschen laut Ngale weiterhin reiche Eliten das Land und kümmern sich wenig um die Belange der breiten Bevölkerung.

Gastgeber des ersten Deutschen Entwicklungstages waren jeweils eine Stadt in jedem der 16 Bundesländer. In Marburg informierten knapp 40 Organisationen aus Hessen über ihre Arbeit. Diese reicht von Projekten in Entwicklungsländern, wie dem Aufbau von Krankenhäusern, Schulen oder Betreuungsstätten für Kinder, bis zu Aktivismus in Deutschland – etwa der Aufklärung deutscher Verbraucher über nachhaltigen Konsum oder die Förderung des interkulturellen Dialogs.

Auch der sudanesische Poet und Rapper Abbas Anoor trat in Marburg auf. Er kommt aus der konfliktreichen Region Dafur und lebt heute in Frankfurt. Er musste wegen seiner Texte aus seiner Heimat fliehen. Sie handeln von Problemen, die er als junger Mann am eigenen Leib zu spüren bekommen hat: Gewalt, Fehden zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und die Unterdrückung freier Meinungsäußerungen. Zu Anoors Themen gehört auch der Wunsch nach Frieden.

Anoor berichtet, dass Dafur völlig vom restlichen Land abgeschnitten ist. Um von der Hauptstadt Khartum in seine Heimat zu gelangen, seien mehrere Tage nötig. Journalisten, die über die Situation in der Region berichten wollen, kämen gar nicht hin. Zusammen mit seinem Deutschen Freund Peter Reimer, macht er Musik für seine Heimat, aber auch für sein deutsches Publikum. Der Frankfurter Verein Global Link, der sich für den grenzüberschreitenden Austausch von Jugendlichen engagiert, setzte ihn in Marburg auf das Programm.

Die burkinische Lebensfreude wollte der Künstler Lassana Justin Yao, den Besuchern des Entwicklungstages mitgeben. Lebensfreude, sagt er, fehle den Deutschen oft. In Burkina Faso gelte das Motto, dass man für jeden Tag dankbar ist, an dem man morgens aufstehen kann und gesund ist.  Seine Heimat sei ein schönes und sonniges Land, erzählt er. „Die Menschen und auch gerade die Politik müssen nur endlich aufhören, sich und das Land als arm zu bezeichnen“, meint er. Tatsächlich sei Burkina Faso nämlich reich an Rohstoffen. Nötig seien Konzepte, um den natürlichen Reichtum zu erschließen und fair zu verteilen. Das werde aber nur gelingen, wenn sie die Menschen aus dem aus der Kolonialzeit stammenden Bild befreien, ihr Land sei arm und unterentwickelt. 

Die Veranstaltungen in den 16 Städten wurden von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordiniert. Das Ziel war, „Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen zu begeistern“. Bundesweit beteiligten sich laut ENGAGEMENT GLOBAL 180 000 Besucher sowie mehr als 500 Vereine, Initiativen und Unternehmen. Angesichts des breiten Anklangs, den der Entwicklungstag fand, sagte Gabriela Büssemaker, die Geschäftsführerin von ENGAGEMENT GLOBAL, solle er "keine Eintagsfliege bleiben". Nächstes Jahr würden andere Städte zum Zug kommen.

Mareike Forchheim