D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Investitionen

SDGs bieten Geschäftsmöglichkeiten

von Homi Kharas, Hans Dembowski

Hintergrund

Die neue U-Bahn in der indischen Stadt Nagpur wird über  die KfW-Entwicklungsbank aus deutschen ODA-Mitteln mitfinanziert.

Die neue U-Bahn in der indischen Stadt Nagpur wird über die KfW-Entwicklungsbank aus deutschen ODA-Mitteln mitfinanziert.

Die Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele (sustainable development goals – SDGs) gelten global. Um sie zu erreichen, müssen viele verschiedene Finanzquellen aktiviert werden. Auch die Privatwirtschaft kann von den SDGs profitieren, wie Homi Kharas von der Brookings Institution ausführt. Es kommt auf Investitionen an, die neben den finanziellen Erträgen auch messbare, nützliche soziale oder ökologische Auswirkungen haben.

Seit Jahrzehnten halten die meisten der 36 Mitgliedsländer der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development), einer Organisation von Ländern mit hohen Einkommen, ihr Versprechen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungshilfe (Official Development Assistance – ODA) auszugeben, nicht ein. Was kann und muss ihre ODA zur Erreichung der SDGs beitragen?
ODA ist ein wichtiger Katalysator. Der Fokus auf 0,7 Prozent als Ziel ist wichtig, aber nicht alle OECD-Mitglieder haben sich dazu verpflichtet. ODA sollte nicht nur anhand ihres Umfangs beurteilt werden. Es ist wichtig, dass Entwicklungshilfe den ärmsten und fragilen Ländern zugutekommt und dass sie dazu beiträgt, andere Finanzquellen, einschließlich privatem Kapital, zu mobilisieren. ODA sollte zudem Entwicklungsorganisationen die Grundressourcen zur Verfügung stellen und ihnen ermöglichen, globale öffentliche Güter bereitzustellen.

Was können und müssen die Regierungen von Schwellenländern wie den BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) dazu beitragen?
Schwellenländer pflegen eine Philosophie der gegenseitigen Zusammenarbeit. Viele haben spezifische Expertisen, wie etwa den Aufbau von Infrastruktur wie im Fall Chinas oder tropische Landwirtschaft im Fall Brasiliens. Andere Schwellenländer konzentrieren sich auf die Unterstützung ihrer regionalen Nachbarn. Sie stellen auch immer mehr Ressourcen für multilaterale Entwicklungsorganisationen bereit. Das ist alles höchst willkommen.

Wie definieren Sie in diesem Zusammenhang die Süd-Süd-Kooperation – oder gilt hier die ODA-Definition?
Süd-Süd-Kooperation hat nicht immer den gleichen Grad an Konzessionalität wie ODA. Konzessionalität bedeutet, dass die Empfänger nicht die vollen Marktpreise zahlen, einschließlich der Zinsen bei Darlehen. Bei der Süd-Süd-Kooperation geht es definitionsgemäß nicht um „Hilfe“ eines reicheren Landes für ein ärmeres Land, sondern um einen Geist der Solidarität und des wechselseitigen Nutzens, der durch verschiedene Mittel – nicht nur durch ODA – erreicht werden kann.

So stellen das die Regierungen der Schwellenländer dar. Letztlich zählt für sie jeder Austausch zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern als Süd-Süd-Kooperation. Aber ist diese Ansicht immer noch gerechtfertigt? Schließlich haben immer mehr Entwicklungsländer mit der Rückzahlung ODA-ähnlicher chinesischer Kredite Probleme, mit denen Infrastruktur finanziert wurde.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Letztendlich geht es nicht um den Geldfluss von ODA oder aus anderen Quellen, sondern um den Nutzen, den die Entwicklungsländer haben. Der Nutzen ergibt sich aus den Projekten, die durch die Finanzierung realisiert werden können. Solange Infrastrukturprojekte chinesischer Unternehmen erfolgreich sind, ist auch diese Art von Süd-Süd-Kooperation erfolgreich. Aber wir müssen auch sehen, dass Infrastrukturprojekte von Natur aus riskant sind. Einige gelingen, andere scheitern. Wir sollten uns bei der Beurteilung dieser Art der Zusammenarbeit nicht auf Anekdoten verlassen.

Was kann und muss der Privatsektor zur Erreichung der SDGs beitragen?
Der Privatsektor kann enorm profitieren, wenn er seine Geschäftsmodelle auf die SDGs ausrichtet. Nach einer Schätzung gibt es einen potenziellen Markt von 12 Billionen Dollar für nachhaltige Investitionen. Aktuelle Forschung zeigt, dass die Privatwirtschaft ihre Rentabilität langfristig verbessern kann, wenn sie sich explizit auf Nachhaltigkeit konzentriert. Daher ist es für Unternehmen wichtig, zu erwägen, welche SDG-Ziele für sie am relevantesten sind. Diese Ziele sollten ihre Finanz-, Personal- und sonstige Geschäftsplanung aufgreifen.

Gibt es unterschiedliche Verpflichtungen für Privatunternehmen im Norden und im Süden?
Nein, alle Unternehmen agieren auf den gleichen Märkten, so dass es keine Unterschiede zwischen Unternehmen im Norden und im Süden gibt.

Wer kann private Unternehmen dazu drängen, andere Ziele als die Gewinnmaximierung in Betracht zu ziehen – und mit welchen Mitteln?
Da die SDG-Ziele miteinander verknüpft sind, gibt es langfristig kein Entweder-oder in Hinsicht auf Gewinn und ökologische wie soziale Ziele. Es ist unwahrscheinlich, dass Gewinne nachhaltig sind, wenn ihre Grundlage sich negativ auf die SDGs auswirkt. Was wir brauchen, ist eine vereinheitlichte Rechenschaftslegung mit Einhaltung von Kernstandards, damit alle Unternehmen unter gleichen Bedingungen arbeiten können. Die International Finance Corporation (IFC) – das ist die Weltbanktochter, die die Entwicklung des Privatsektors fördert – hat kürzlich eine neue Reihe von Grundsätzen für „impact investing“ herausgegeben. Dies ist eine Anlagekategorie, die neben Profiten auf soziale und ökologische Wirkung abzielt. Die IFC hofft, dass alle Unternehmen die Regeln übernehmen werden.

Das Erreichen der SDGs hängt letztlich von der Fähigkeit der Regierungen ab, öffentliche Dienstleistungen zu erbringen und öffentliche Güter zu schützen. Inwieweit ist die Steigerung ausreichender heimischer Staatseinnahmen die zentrale Herausforderung und sogar wichtiger als die internationale Zusammenarbeit?
Die meisten Ausgaben für die SDGs stammen aus inländischen Steuereinnahmen. Solide öffentliche Finanzen sind eine Voraussetzung für die Erreichung der SDGs. Aber viele Länder mit niedrigem Einkommen verfügen nicht über die Mittel, um die drängenden Probleme anzugehen. In diesen Fällen ist eine internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Länder mit mittlerem Einkommen haben auch hohe Kosten für den Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur zu tragen, so dass auch sie auf eine internationale Zusammenarbeit von Entwicklungsorganisationen und dem Privatsektor angewiesen sind. Letztere können den Ländern helfen, die Finanzierung zu stemmen, und sie können sich am Risiko beteiligen. Ausländische und einheimische Ressourcen können so für ein stimmiges Finanzierungskonzept genutzt werden.

Neben der ODA haben sich die reichen Länder verpflichtet, jährlich 100 Milliarden Dollar an privaten und öffentlichen Mitteln für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern bereitzustellen. Inwieweit ist die Klimafinanzierung eine eigene Agenda?
Die Klimafinanzierung unterstützt nachhaltige Entwicklung, aber sie ist aus verschiedenen Gründen auf einem separaten institutionellen Weg entstanden. Die 100-Milliarden-Zusage ist jedoch nur ein Teil der erforderlichen Klimafinanzierung.

Was wird noch benötigt, und wer soll das zahlen?
Der größte Teil der Klimafinanzierung entfällt heute auf die Privatwirtschaft. 2018 wurden etwa 168 Milliarden Dollar an grünen Anleihen ausgegeben. Das ist beachtlich, aber immer noch ein sehr kleiner Teil des gesamten Marktes für Unternehmensanleihen, der 1,34 Billionen Dollar emittierte. Ein Großteil davon entfällt auf den Bereich „impact investing“. Die IFC schätzt das Volumen des Marktes für Impact-Investitionen auf bis zu 26 Billionen Dollar. Dieses Potenzial lässt sich umsetzen, wenn die gesamte Finanzbranche beginnt, den Klimawandel zu berücksichtigen, so wie es die Task Force für klimabezogene Finanzinformationen empfohlen hat. Diese wurde vom multilateralen Financial Stability Board eingerichtet, das auf dem G20-Gipfel in London 2009 beschlossen wurde.


Homi Kharas arbeitet als entwicklungspolitischer Spezialist für die Brookings Institution in Washington.
[email protected]

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren