D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Klimawandel

An die Armen denken

von Hans Dembowski

In Kürze

Die Schäden, die Zyklon Winston in Fidschi verursachte, entsprachen elf Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung.

Die Schäden, die Zyklon Winston in Fidschi verursachte, entsprachen elf Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung.

Die Auswirkungen von Wirbelstürmen und Dürren werden schlimmer. Deshalb müssen sich betroffene Länder aus Sicht der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB – Asian Development Bank) auf wirtschaftliche Rückschläge einstellen. Um Länder auf wachsende Risiken einzustellen, werden sowohl kurz- als auch langfristige Strategien empfohlen.

In einem Arbeitspapier von Ende 2016 untersuchen die ADB-Fachleute Emmanuel Alano und Minsoo Lee die makroökonomischen Konsequenzen von Naturkatastrophen. Sie konzentrieren sich auf Wirbelstürme und Dürren. Sie zeigen, dass Extremwetterlagen Landwirtschaft und Tourismus schaden und so "Jahre des Entwicklungsfortschritts zurückdrehen und Ungleichheit verschlimmern" können.

Wirbelstürme reduzieren das Wirtschaftswachstum um bis zu drei Prozentpunkte, wie es in dem Dokument heißt. Falls ein Land auf einen niedrigeren Wachstumspfad gerate, werde der Rückschlag nie aufgeholt. Die Autoren räumen ein, die Wirtschaftsentwicklung könne beschleunigt werden, wenn die neugeschaffene Infrastruktur besser als die alte sei. Sie warnen aber, dass es meist zwei Jahrzehnte dauere, bis ein Land sich von einem Zyklon ganz erhole.

Manche Stürme sind tatsächlich verheerend. Der ADB zufolge hat Zyklon Winston im Februar 2016 in Fidschi Schäden im Wert von 500 Millionen Dollar oder elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts angerichtet. Obendrein seien ein Viertel der Tourismusbuchungen sofort storniert worden. 

Eine Dürre senkt in der Regel das Wirtschaftswachstum um einen Prozentpunkt, schreiben die Autoren. Zudem verschlechterten höhere Temperaturen die Produktivität der Landwirtschaft, sodass die Armut im ländlichen Raum zunehme.

Die ADB-Experten machen verschiedene Vorschläge, um den Risiken zu begegnen. Dazu gehören Urbanisierung, der Bau klimaresistenter Infrastruktur sowie die Etablierung besserer Systeme, um früh vor Katastrophen zu warnen und im Ernstfall auf sie zu reagieren. Diversifizierte Ökonomien kämen mit Härten besser zurecht als solche, die vor allem auf Landwirtschaft und vielleicht Tourismus beruhten. Bauern könnten ihre komplette Ernte verlieren. Andere Wirtschaftszweige kämen schneller wieder auf die Beine. Die Autoren befürworten Urbanisierung, weil sie mit mehr Vielfalt, höheren Löhnen und generell mehr Chancen einhergehe.  

Dem Working Paper zufolge kann internationale Nothilfe ein Stück weit Katastrophenschäden ausgleichen. Allerdings werde das angesichts steigender Desasterschäden langfristig nicht reichen. Obendrein reduziere Nothilfe die Anreize, in Klimaanpassung zu investieren.

Die ADB-Fachleute befürworten multilaterale Konzepte des Risikomanagements. Sie nennen beispielsweise das Geschäftsmodell der Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) kopierenswert. CCRIF ist eine multilaterale Versicherung. Sie kassiert Prämien von Regierungen, die als Gegenleistung im Notfall sofort Geld bekommen. 2016 zahlte CCRIF beispielsweise der Regierung von Haiti fast 20 Millionen Dollar, nachdem Hurricane Matthew den Inselstaat verwüstet hatte. Weitere 9 Millionen Dollar flossen an andere karibische Regierungen (siehe E+Z/D+C e-Paper 2016/12, S. 20).

Die ADB-Publikation führt aus, dass soziale Sicherungssysteme in wohlhabenden Nationen in Katastrophen nützlich sind. In armen Ländern fehlen solche Systeme, und das sei ein „Anpassungsdefizit“. Die Autoren stellen klar, dass die Politik soziale Ungleichheit beachten muss: „Da die Armen am meisten unter Naturkatastrophen leiden, müssen Anpassungskonzepte auf Dinge wie Umsiedlung, widerstandsfähige Infrastruktur, innovative klimafeste Nutzpflanzen und die Auszahlung von Staatsmitteln sowie auf nachhaltigere Methoden der Vorsorge und Risikostreuung wie Katastrophenversicherungen ausgerichtet werden.“

Hans Dembowski


Link

Alano, E., and Lee, M., 2016: Natural disaster shocks and macroeconomic growth in Asia. ADB Economics Working Paper Series No. 503.
https://www.adb.org/sites/default/files/publication/218461/ewp-503.pdf

 

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren