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Leserbriefe

Reaktionen auf Beiträge

von Wolf Dagmar
In unserer Juli/August-Ausgabe haben wir Leserbriefe zu dem Artikel von Carlos Albuquerque über die Brasilianischen Pfingstkirchen und zum Editorial von Hans Dembowski über Nahrungssicherung veröffentlicht.

Exorzismus, nicht Evangelium

E+Z/D+C 2013/05, S. 199 f., Carlos Albuquerque: „Auf dem Vormarsch“

Ich möchte Carlos Albuquerques Schönfärberei und Verniedlichung zurechtrücken. Die Praxis der sich evangelikal und als Pfingstkirchen bezeichnenden Gruppen in Brasilien habe ich in einer Reihe von ihren Veranstaltungen beobachtet. Sie weicht von der Doktrin und Selbstdarstellung stark ab. Daher ist der allgemeine Sprachgebrauch, den Albuquerque übernimmt, irreführend. Schon der Begriff „Evangelikale“ trifft kaum zu, denn die Heilsbotschaft dieser Organisationen beruht nicht auf der Vergebung der Sünden in einer christlichen Gemeinschaft nach dem Neuen Testament, sondern es wird fast nur das Alte Testament zitiert. Die Identifikation mit dem auserwählten Volk richtet sich gegen die „anderen“. Sonst beruhen die Botschaften dieser Organisationen hauptsächlich auf dem volkstümlichen Gegensatz von Gott und Teufel. Der Heilige Geist, für Albuquerque das Glaubensziel der Predigten, wird dabei nur selten erwähnt. Gottgefälligkeit wird als individuelle Beziehung zu einer recht konkreten Vaterfigur gefordert.

Albuquerque spricht von „Pastoren“, es sind aber keine Theologen, sondern nur gewiefte Redner. Was man in den „Gottesdiensten“ beobachten kann, ist  hauptsächlich Exorzismus. Der „Pastor“ steigert sich rhetorisch und akustisch, ein Mikrophon haltend, zum Höhepunkt. Er spricht von Sünden, vom Teufel und vom Glauben als Gegenmittel, gibt Verhaltensanweisungen für den Alltag, die sich wie Bestrafung anhören. Anwesende Gläubige stöhnen und jaulen. Was Albuquerque Euphorie nennt, kann man auch als Sadomasochismus verstehen. Denn es geht letztlich um Gehorsam, gegenüber Gott und gegenüber den Organisationen. Diese treten wie private Unternehmen auf, mit autoritärer Willensbildung, oft personalistisch dargestellt und finanziell undurchsichtig. Sogar die Bezeichnungen „protestantisch“ und „Kirchen“ ist daher irreführend, denn nach europä­ischem Empfinden sind protestantische Kirchen in der Bevölkerung gewachsene und von ihren Mitgliedern kontrollierte Institutionen.

Wenn Albuquerque sagt, „manche Führungspersönlichkeiten der Pfingstler“ hätten es „zu erheblichem Wohlstand gebracht“, unterschlägt er, dass  Gläubige praktisch zu Ablasszahlungen gedrängt werden. Manche Organisa­tionen betonen zwar, sie verlangten kein Geld von ihren Anhängern, sprechen aber ständig von Geld und lassen so keinen Zweifel daran, wie man sich von seinen Sünden loskaufen kann. Manche versprechen gar wirtschaftlichen Erfolg als Belohnung solcher „Gott­gefälligkeit“. Es hat schon Gerichtsprozesse gegeben, bei denen ehemalige Gläubige Opfergaben erfolgreich zurückforderten.

Albuquerque schreibt vom „politischen Erfolg“ der „Evangelikalen“. Er hätte ergänzen sollen, dass dieser mit demokratischer Überzeugungsarbeit und sozialer Interessenvertretung weniger zu tun hat als mit moralistischer, den Teufel berufender Erpressung ihrer Anhänger. Gebildetere Brasilianer fürchten um die bürgerlichen Freiheiten und die Menschenrechte.
Dirk Belau, Brasilia, São Paulo

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Innovative Bauern

E+Z/D+C 2013/04, Editorial, Hans Dembowski: Das nötige Umfeld

Sie erwähnen die Zurückhaltung von Bauern im Blick auf neue Konzepte und Techniken. Sie ist oft das Resultat davon, wie Innovationen gefördert werden. Es gibt dabei vier relevante Akteursgruppen: Wissenschaft, Regierung, Durchführungsorganisationen und die Bauern selbst. Diese Stakeholder haben unterschiedliche Sichtweisen und Interessen. Wenn etwas schiefgeht, sind die Folgen für die Bauern bitter, aber die anderen drei Bereiche bleiben weitgehend unberührt. Letztlich tragen die Landwirte das gesamte Risiko.

Forscher und Agrarberater konzentrieren sich oft auf bestimmte Nutzpflanzen und -tiere, aber sie berücksichtigen nicht das komplexe Produktionssystem der Bauern. Um ihre Risiken zu managen, diversifizieren Landfamilien in Entwicklungsländern vernünftigerweise ihre Tätigkeiten, und sie akzeptieren nur Neuerungen, die dazu passen. Erschwerend kommt hinzu, dass die individuelle Lage verschiedener Bauern (mit Blick auf Familiengröße, verfügbare Ressourcen, Bildung et cetera) selbst innerhalb eines Dorfes sehr unterschiedlich ist. Dass Forschung, Staat und Agrarberater dazu neigen, auf die Landbevölkerung herabzuschauen, hilft auch nicht weiter.

Bauern werden neue Ideen eher aufgreifen, wenn sie:

  • zu ihrer bestehenden Produktionsweise passen,
  • ökonomisch attraktiv sind,  
  • gesellschaftlich angenommen werden,  
  • die Umwelt schonen und
  • relativ risikolos sind.

Daraus folgt, die Akzeptanzchancen steigen, wenn Innovationen inkremental erfolgen und bisherige Praxis ergänzen.  

Bauern sind intelligent und innovativ. Sie nutzen ihre Möglichkeiten innerhalb der gegebenen Grenzen fast optimal. So sichern sie ihr Überleben. Ihre Arbeitsweise mag „traditionell“ sein, sie sind aber an Verbesserungen interessiert. Sie entscheiden jedoch selbst, was sie sinnvoll finden. Wer die Landwirtschaft modernisieren und verbessern will, muss sie ernst nehmen. Technologietransfer ist keine Einbahn­straße.
Prof. Dr. Ramesh C. Agrawal, Deutschland, Berlin, rcagrawal@hotmail.de

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