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Friedensforschung

Kampf um Köpfe und Herzen

von Will Swanson
Waffenstillstandsabkommen wie im Nahen Osten, der Demokratischen Republik Kongo oder dem Sudan sind oft nur Pausen bis zum nächsten Gewaltausbruch. Nach Meinung des Politologen Jochen Hippler zeigt ein sinkendes Gewaltniveau nicht unbedingt das Ende eines Krieges an, es sei vielmehr ganz normal, dass das Niveau der Gewalt mal höher und mal niedriger sei.

Mit der Frage, wie dauerhafter Frieden erreicht werden kann, beschäftigt sich das Friedensgutachten 2009 von fünf deutschen Instituten der Friedens- und Konfliktforschung. Die Autoren betrachten das Thema in langfristiger Pers­pektive. Auf Grundlage von historischen Analysen stellen sie fünf Strategien für dauerhaften Frieden vor. Um effektiv zu sein, müssen sich solche Strategien ebenso ändern, wie sich das Wesen der Kriegsführung ändert, meint Hippler. Ein besseres Verständnis zeitgenössicher Konflikte werde zu weniger militaristischen Lösungsstrategien führen.

Unkonventionelle zeitgenössische Kriege werden meist innerhalb einer Gesellschaft geführt. Paradebeispiel dafür sind kollabierte Staaten. Klassische Kriege hingegen ähnelten einem Schachspiel: Zwei klar definierte und hierarchisch organisierte Seiten treten in einen Konflikt, der durch eine offizielle Kriegserklärung eröffnet und mit einem Friedensvertrag beendet wird. Über Sieg und Niederlage wurde auf dem Schlachtfeld entschieden. Mit der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen, als erstmals die Wehrpflicht eingeführt wurde, änderte sich das. Seitdem ist die Bevölkerung aktiv an der Kriegsführung beteiligt – und Generäle bestimmen nicht mehr allein das Geschehen.

Wie der andauernde Widerstand der Hamas im Gazastreifen zeigt, bedeutet eine militärische Niederlage heute nicht mehr das Ende des Krieges. Laut dem Handbuch der US-Streitkräfte zur Aufstandsbekämpfung findet heute „der entscheidende Kampf um die Köpfe der Menschen statt“. Für Aufständische haben Militäraktionen heute in erster Linie taktische Bedeutung. Sie unterstützen die Bewegung im Kampf um Legitimität. In diesem Sinne sind Bürgerkriege, die in zerfallenen Staaten wüten, oft Ausdruck von Bemühungen, ein staatliches Gewaltmonopol überhaupt durchzusetzen, das die Bevölkerung akzeptiert.

Auch Militäreinsätze dienen dem Zweck, eine gewünschte politische Ordnung durchzusetzen. Also sollten sich effektive Strategien für dauerhaften Frieden auch darauf konzentrieren, legitime und effektive Regierungsstrukturen zu erreichen.

Laut Hippler herrscht aber immer noch die militärische Denkweise bei der Bekämpfung der Aufständischen und bei Friedenssicherungsmaßnahmen vor. Seiner Meinung nach verlassen sich Offiziere der alten Schule und auch viele Politiker gerne auf die traditionelle Überlegenheit des Militärs und sehen sie als wichtigstes Instrument einer erfolgreichen Kriegsführung.

In dieser Perspektive halten Michael Brzoska und Hans-Georg Ehrhart die revidierte Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama mit ihrem stärkeren Fokus auf Entwicklungshilfe im Vergleich zu den Ansätzen seines Vorgängers für eine Verbesserung. Doch immer noch müssen Entwicklungshilfeinitiativen hinter dem traditionellen militärischen Ziel eines Sieges über al-Qaida und die Taliban zurückstehen.

Will Swanson