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Hungersnot

Politische Lösungen nötig

von Till Wahnbaeck

Meinung

Nahrungsmittelverteilung der Welthungerhilfe in Somaliland im April: Für je eine Familie werden Öl, Milchpulver, Reis und Datteln bereitgestellt.

Nahrungsmittelverteilung der Welthungerhilfe in Somaliland im April: Für je eine Familie werden Öl, Milchpulver, Reis und Datteln bereitgestellt.

Hilfsorganisationen helfen, Menschenleben zu retten. Die Welthungerhilfe hat allein für die Hilfe der Dürre- und Kriegsopfer in Ostafrika in diesem Jahr 9 Millionen Euro Spenden erhalten. Doch die Ursachen der Not, allen voran bewaffnete Konflikte, können sie nicht lösen. Die internationale Gemeinschaft ist aufgefordert, tragfähige politische Lösungen zu finden.

Die gute Nachricht zuerst: Wir haben eine riesige Hungersnot verhindert. Es ist gelungen, den Tod von tausenden Menschen abzuwenden. Zu Beginn dieses Jahres gab es die ersten Warnungen der UN und Hilfsorganisationen, dass besonders in vier Ländern eine Hungersnot drohte. Im Jemen, dem Südsudan, Nigeria und Somalia hatte sich die Ernährungslage dramatisch verschlechtert. Etwa 20 Millionen Menschen waren akut von Hunger bedroht.

In allen Ländern waren bewaffnete Konflikte einer der wichtigsten Gründe für die rasante Zuspitzung der Lage. Die Kämpfe – ob zwischen Regierungstruppen und der Opposition oder marodierenden Banden – führten überall dazu, dass Familien ihre Häuser und Dörfer verlassen mussten, Felder nicht mehr bebaut und Krankenstationen zerstört wurden. Diese Katastrophen spielten sich nicht im Verborgenen ab; wir wussten seit Monaten, welche humanitären Notlagen drohten. Dank zuverlässiger Frühwarnsysteme konnten die Zahl der Betroffenen berechnet und die bedrohten Regionen in den Ländern konkret benannt werden.

In Deutschland wurden diese Warnungen ernst genommen, und die Medien berichteten monatelang ausführlich über die verzweifelte Lage der Menschen. Sowohl Tageszeitungen als auch viele Magazine brachten lange Reportagen aus den betroffenen Ländern, und auch das Fernsehen zeigte eindrückliche Bilder etwa aus dem Südsudan oder dem Jemen. Das Hamburger Abendblatt erschien am 13. Juni sogar mit einer Sonder-Titelseite zu der humanitären Katastrophe mit der Schlagzeile „Manchmal gibt es wichtigeres als Nachrichten“. Ebenso außergewöhnlich war der Fernsehauftritt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich am 9. Juni an die deutsche Öffentlichkeit wandte und um Spenden für die notleidenden Menschen in Afrika und dem Jemen bat.

Diese breite Berichterstattung hat der Arbeit der Hilfsorganisationen insgesamt sehr geholfen. Allein die Welthungerhilfe hat mehr als 9 Millionen Euro Spenden erhalten und mit diesem Geld Menschenleben gerettet. Im Südsudan verteilen wir seit Monaten Nahrungsmittel an mehr als 200 000 Menschen, die vor den Kämpfen im eigenen Land geflohen sind. Auch im Norden Ugandas helfen wir Flüchtlingen aus dem Südsudan mit Trinkwasser und dem Bau von Latrinen und Klassenräumen. Im Norden Somalias und dem Jemen leisten wir akute Nothilfe, oft mit Hilfe von Partnern. All diese Hilfsprojekte sichern das Überleben der Betroffenen und wären ohne die privaten Spenden und die Unterstützung der Bundesregierung oder anderer internationaler Geber nicht möglich.

Wir sind also nicht macht- und hilflos, wenn es um humanitäre Notlagen geht. Es ist ein gutes Zeichen, dass eine fundierte und kontinuierliche Berichterstattung in den Medien die Menschen in Deutschland nicht nur für das Leid anderer sensibilisiert, sondern auch die Bereitschaft zu helfen weckt.

Aber wir können leider keine Entwarnung geben, denn der Auslöser der drohenden Hungerkrise ist nicht beseitigt. Die Kämpfe im Südsudan, in Nigeria und dem Jemen gehen weiter, und die Lage in Somalia bleibt fragil. Für diese Probleme braucht es tragfeste politische Lösungen. Hier ist die internationale Staatengemeinschaft gefordert.

Zudem ist die Region am Horn von Afrika von einer anhaltenden Dürre betroffen. In Kenia und Äthiopien sind die Regenfälle seit fast drei Jahren ausgefallen oder waren so unzureichend, dass die Nomaden große Teile ihres Viehs verloren haben. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass die Ernteprognosen immer unsicherer werden und traditionelle Einkommens- und Lebensmodelle wie die der Nomaden wenig Zukunft haben. Insgesamt bleibt die Ernährungslage für mehr als 20 Millionen Menschen sehr kritisch.


Till Wahnbaeck ist Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.
[email protected]

 

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