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Lacking opportunities

Auswanderung wäre hilfreich

von Ndongo Samba Sylla

In Kürze

Deutsche Auswanderer auf einem Schiff nach New York im späten 19. Jahrhundert.

Deutsche Auswanderer auf einem Schiff nach New York im späten 19. Jahrhundert.

In den Jahren 1821 bis 1915 wuchs die britische Bevölkerung schnell, aber die Hälfte der zusätzlichen Menschen wanderte aus. Britannien war damals die führende Wirtschaftsmacht mit der am höchsten entwickelten Industrie. Wenn Afrika heute seinem Migrationsbeispiel folgen könnte, würden bis Ende dieses Jahrhunderts um die 1,3 Milliarden Menschen abwandern.

Solch ein Szenario ist offensichtlich unrealistisch. Festzuhalten ist aber, dass europäische Länder im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Massenauswanderung profitierten. Wer in der Heimat keine Perspektive oder schlicht kein Auskommen fand, zog nach Nord- oder Südamerika, Australien oder Neuseeland. Ehrgeizige junge Männer suchten auch Chancen in den Kolonien. Die Massenauswanderung ging in weit entfernten Ländern mit Gewalt, Unterdrückung und sogar Völkermord einher. Sie half aber, den Lebensstandard in Europa zu erhöhen.

Heute empfinden viele junge Afrikaner die Art von Perspektivlosigkeit, die in früheren Jahrhunderten junge Europäer in die Ferne trieb. Ihnen bleibt diese Option aber verwehrt. Europa fasziniert Afrikas Jugend, und Enttäuschung wird oft zu Groll. Hoffnungslose junge Männer sind für jede Gesellschaft gefährlich – sie erhöhen die Risiken von Kleinkriminalität, organisiertem Verbrechen, politischem Extremismus und fundamentalistischem Terror (siehe mein Kommentar in E+Z/D+C e-paper 2017/01, S. 23). Es geht um eine soziale Zeitbombe. Afrika wird sie hoffentlich entschärfen – braucht dafür aber ein günstigeres internationales Umfeld.

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