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Energieversorgung

Großer Bedarf, riesiges Potenzial

von Rebecca Renz

In Kürze

Solarpaneele erhöhen  die Lebensqualität in Südafrikas Provinz  Kwazulu Natal.

Solarpaneele erhöhen die Lebensqualität in Südafrikas Provinz Kwazulu Natal.

Deutsche Unternehmen dürften „das Boot nicht verpassen“, warb Stefan Liebing, der Vorsitzende des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft. Ausländische Firmen und Regierungen interessieren sich für ungenutzte Chancen in Afrika. Viele Staaten südlich der Sahara können sich keine großen Infrastrukturprojekte leisten, und ihre Verwaltungen haben mit ihrer Umsetzung auch wenig Erfahrung. Ihre Energieversorgung – wie die Infrastruktur im Allgemeinen – ist tendenziell veraltet und ineffizient. Der Fortschritt ist langsam.

Zum Glück haben im vergangenen Jahrzehnt die Privatinvestitionen im Energiesektor afrikanischer Länder rasant zugenommen. Den dortigen Regierungen ist das willkommen. Deutsche Unternehmen sind bislang aber kaum engagiert. Die meisten Investoren stammten aus Nordamerika und China, sagt Liebing, und Chinesen betrieben die meisten Vorhaben.   

Deutsche investierten noch nicht viel, sagt auch Judith Helfmann-Hundack vom Afrika-Verein, der im Mai in Hamburg zum neunten Mal das German-African Energy Forum veranstaltete. Vielen Teilnehmern zufolge besteht durchaus Interesse an Investitionen, aber vielen Verantwortlichen behagt das Investitionsklima in Afrika nicht. Sie meinen, die rechtlichen Rahmenbedingungen müssten besser werden und Rechtsstaatlichkeit müsse garantiert sein. Weit verbreitete Korruption hält sie beispielsweise von Investitionen ab. Deutsche Unternehmen wollen, dass afrikanische Staaten vertrauenswürdigere Verhältnisse schaffen. Sie sind aber auch an Hermesdeckungen der Bundesregierung interessiert.

Afrikanische Spitzenpolitiker sind sich der Herausforderungen bewusst. Südafrika und Ghana geben ausländischen Investoren beispielsweise bereits Finanzgarantien. Andererseits finden viele afrikanische Fachleute, die deutsche Wahrnehmung sei verzerrt. Ezekiel Adesina, ein Wirtschaftsberater aus Nigeria, sagt, europäische Firmen sollten sich nicht nur auf die Einschätzungen der Ratingagenturen verlassen, sondern selbst ein Verständnis afrikanischer Märkte entwickeln.

Bis 2040 wird die afrikanische Wirtschaft um den Faktor vier wachsen, die Bevölkerung wird sich verdoppeln, und die Energienachfrage wird um 80 Prozent wachsen. Um den Bedarf zu stillen, muss Afrikas Energieversorgung besser und vielfältiger werden. Das ist die Einschätzung von Staatssekretär Stefan Steinlein aus dem Berliner Auswärtigen Amt. Deutscher Sachverstand bezüglich erneuerbarer Energien werde wichtig sein.

Die Anfangsinvestitionen sind zwar noch kostspielig, aber sie werden allmählich billiger. Experten schätzen, dass Strom aus erneuerbaren Quellen in vielen Weltgegenden bald nicht mehr teurer sein wird als der, der mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird.  

Thembani Bukula von NERSA (National Energy Regulator of South Africa) betont, dass erneuerbare Optionen wegen des Klimawandels wichtig sind. Obendrein habe Afrika großes Potenzial für Solar- und Wasserkraft. Allerdings wollen afrikanische Regierungen schnell billige Energie. Sie weisen darauf hin, das westdeutsche Wirtschaftswunder habe in den 1950er Jahren auf zuverlässiger und günstiger Versorgung aufgebaut. Wind- und Solarkraft hingen aber von Wetter und Tageszeit ab. Deshalb präferierten viele Staaten konventionelle Energieversorgung. Die Fachwelt ist sich einig, dass jedes Land einen geeigneten Mix finden muss, der seinen Gegebenheiten entspricht.  

Afrika wachse als Energiemarkt, sagt Staatssekretär Rainer Baake aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die internationale Gemeinschaft müsse dazu beitragen, dass auf dem Kontinent eine nachhaltige und zuverlässige Energieversorgung entstehe.

Damit die Lebensqualität in Afrika steigt, muss Industrialisierung Arbeitsplätze schaffen – und das geht nicht ohne Energie. Afrika-Vereins-Vorsitzender Liebing sagt, ohne Industrie­entwicklung gebe es keine Jobs und ohne Energie keine Industrieentwicklung.
 
Rebecca Renz

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