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Kapital mobilisieren

Versicherungen, die Investoren ermutigen

von Andrew Gaines
A cooperative worker transporting potatoes

A cooperative worker transporting potatoes

Privatwirtschaftliche Investoren aus reichen Staaten schrecken oft vor den Geschäftsrisiken in Entwicklungsländern zurück. Die Politik sollte mit gezielten Versicherungsangeboten helfen, solche Risiken zu verringern und den Finanzfluss in arme Staaten zu verstärken. Der Gründer und Managing Director von DeRisk Advisory Services erläutert Konzepte und Chancen. Von Andrew Gaines

Seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers 2008 sind Investoren noch risikobewusster geworden als zuvor. Derzeit macht ihnen die Verschuldungskrise reicher Nationen Sorgen. Viele Schwellenländer haben sich in den vergangenen drei Jahren zwar als überraschend stabil erwiesen, aber der Arabische Frühling zeigt, dass geopolitische Veränderungen geradezu aus dem Nichts entstehen können. Naturkatastrophen scheinen unseren immer dichter bevölkerten Planeten immer öfter zu treffen. Seit dem Fall der Berliner Mauer haben die Risiken in unserer Welt offensichtlich zugenommen.

Ungenutztes Potenzial

Viele Investoren und Unternehmen interessieren sich für Wirtschaftswachstum und langfristige Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt. Dennoch schrecken sie vor Investitionen dort zurück, weil sie Risiken vermuten – manche davon sind echt, andere empfunden. Kapital gibt es nicht unbegrenzt, und es fließt nur wenig davon in „Entwicklungsinvestitionen”. Darunter verstehe ich marktorientierte Investitionen, die ein armes Land voranbringen. Die Politik sollte deshalb in stärkerem Maße Mechanismen erwägen und umsetzen, um Risiken von Investoren abzufedern. Durch spezifische Versicherungsangebote könnte sie mehr Privatkapital von Eigentümern mobilisieren, die bislang besorgt abwarten, was in der Weltarena geschieht.

2006 war ich an einer Bewertung der Risikowahrnehmung von Anlegern in Entwicklungsländern beteiligt. Partner dabei waren Vantage Point Global, eine Consultancy-Firma, und die Global Exchange for So­cial Investment (GEXSI), eine gemeinnützige Gesellschaft nach britischem Recht, die beim Weltwirtschaftsforum 2001 gestartet wurde, um Armut mit privatem Unternehmertum zu bekämpfen. Unsere Grundidee war, verschiedene Versicherungsarten zu nutzen, um mit staatlichen Entwicklungsgeldern private Kapitalströme in die Entwicklungsländer zu lenken. Ein Ergebnis war, dass wir 2006 DeRisk Advisory Services gestartet haben (siehe Box).

Um das volle Potenzial von Entwicklungsinvestitionen zu mobilisieren, wollen wir neue Anleger erreichen, die bisher weder in Afrika noch in anderen armen Weltgegenden investiert haben. Das ist der Kernpunkt.

Unsere Arbeit zeigte schnell, dass es eine ganze Reihe von Hürden gibt, vor denen Individuen und institutionelle Investoren zurückschrecken. Einige davon werden allmählich angegangen und überwunden. Dazu gehören:
– der Mangel an vielversprechenden, formal organisierten Firmen in armen Ländern, weshalb Investoren sich oft schwertun, geeignete Partner zu finden,
– der Mangel an einschlägigen Fonds mit Erfahrung auf dem Feld der Entwicklungsinvestionen sowie
– die geringen Kenntnisse über Entwicklungsländer unter potentiellen Investoren.

In den vergangenen fünf Jahren ist zudem das Konzept des „Impact Investing“ entstanden. Es geht darum, in Firmen zu investieren, die nicht nur Gewinn bringen, sondern darüber hinaus eine positive soziale oder ökologische Wirkung haben. Auch gewöhnliche Anleger beginnen, kleine Anteile großer Kapitalsummen für solche Zwecke – oder für Fonds, die sich darauf spezialisieren – zur Verfügung zu stellen.

Dennoch besteht weiterhin das Problem, dass Risiken Investoren abschrecken. DeRisk konzentriert sich auf die Risiken, von denen potentielle Investoren ausdrücklich sagten, dass sie sich von diesen abgeschreckt fühlten. Es gibt drei Kategorien: Politik-, Markt- und Betriebsrisiken. Wir haben mit Dutzenden von Entwicklungsinvestoren und Firmen kooperiert, um diese Risiken zu managen und Investitionen zu ermöglichen. Zudem wollen wir Lücken aufdecken, die die Politik schließen sollte.

Politische Risiken

Bei politischen Risiken geht es um die Stabilität eines Staates. Firmen und Investitionen werden zwar nur selten von Unruhen beeinträchtigt. Die Medien berichten jedoch ständig aus Krisengebieten. Leider interpretieren potenzielle Investoren Berichte über Gewalt, beispielsweise im Umfeld von Wahlen in Nigeria oder Côte d’Ivoire, als Warnung vor dem gesamten Kontinent.

Es gibt privatwirtschaftliche Versicherungen wie Lloyd’s, die einschlägige Policen anbieten. Wer solche Verträge abschließt, weiß, dass politische Instabilität sein investiertes Kapital nicht auslöschen wird. Auch im öffentlichen Sektor gibt es Anbieter solcher Versicherungen – zum Beispiel die MIGA, die Multilateral Investment Guarantee Agency der Weltbankgruppe. Die Sache hat aber zwei Haken:
– Erstens sind Versicherungen gegen politische Risiken kompliziert und teuer. Um dieses Problem anzugehen, hat DeRisk in Zusammenarbeit mit der MIGA ein Programm konzipiert, in dem intermediäre Firmen Versicherungsabschlüsse vermitteln. DeRisk tut das seither. Dadurch wird der Aufwand für die Investoren kleiner. Das ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen wichtig, die über geringere Ressourcen verfügen als große Konzerne. Gerade kleine Firmen können aber als Entwicklungsinvestoren wichtige Rollen spielen.
– Zweitens sind die hohen Kosten von Versicherungen gegen politische Risiken oft ein unüberwindbares Hindernis. Sie betragen jährlich im Schnitt ein bis zwei Prozent der Investitionssumme. Daraus folgt, dass sie nur in Frage kommen, wenn die Anlage mindestens eine Rendite von zehn Prozent bringt. Für viele sinnvolle Entwicklungsinvestitionen gilt das nicht.

Um diese Lücke zu schließen, könnten Regierungen reicher Länder einschlägige Versicherungsverträge subventionieren. Die Hebelwirkung dieser Art von Entwicklungsförderung wäre wichtig: Pro Subventionseuro würden im Schnitt 100 Euro privat investiert. Die große Stärke dieses Ansatzes ist, dass er einfach ist. Er erfordert keine neuen Garantien oder Institutionen. Die Politik muss nur definieren, welche Investitionen sie auf diese Weise unterstützen will, und dafür Mittel bereitstellen.

Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist natürlich, dass er nur politische Risiken abdeckt. Das reicht allein nicht, um die notwendigen Entwicklungsinvestitionen anzulocken. Aus Sicht von DeRisk würden sich Subventionen dieser Art aber lohnen.

Marktrisiken

Entwicklungsinvestoren sind schwankenden Wechselkursen und Zinssätzen ausgesetzt. Seit 2006 ist es leichter geworden, solche Risiken zu begrenzen, denn global agierende Banken wie Standard Chartered, Standard Bank oder Barclays schenken den Schwellenländern große Aufmerksamkeit. Die geographische und zeitliche Reichweite ihrer Versicherungsprodukte hat deutlich zugenommen.

Obendrein hat die niederländische Entwicklungsbank FMO den TCX (The Currency Exchange) ge­startet. Dieser Fonds hat den Auftrag, langfristige
Absicherungen für die Währungen von Entwicklungsländern anzubieten. TCX bietet Investoren nun Ab­sicherungsoptionen, wenn sie in Märkte mit geringer Liquidität – zum Beispiel solche südlich der Sahara – investieren wollen.

Der Erfahrung von DeRisk zufolge schrecken die meisten Investoren, die sich direkt an Firmen beteiligen, allerdings vor Wechselkurs- und Zinsrisiken nicht zurück. Die Kosten von Hedging-Möglichkeiten und das geringe Angebot an einschlägigen Produkten schränken Investoren jedoch ein. Aber je nachdem wie schnell sich örtliche Finanzsektoren entwickeln, werden sich diese Probleme über kurz oder lang erübrigen. Auf diesem Feld sieht DeRisk keinen politischen Handlungsbedarf.

Betriebliche Risiken

Die wenigsten Fortschritte hat es in den vergangenen Jahren hinsichtlich der betrieblichen Risiken gegeben. Das liegt vor allem daran, dass Unternehmertum in Entwicklungsländern grundsätzlich riskanter ist als in reichen Staaten. Die Gründe sind unter anderen:
– der Mangel an Fachkräften,
– ungenügende Marktdaten,
– schwache Infrastruktur sowie
– das generell unterentwickelte Geschäftsumfeld.
Derweil werden Standardpolicen, mit denen versicherbare Risiken (wie Ernteausfälle oder Insolvenzen von Zulieferern) in reichen Ländern abgefedert werden, nicht angeboten oder sind zu teuer.

Auch für diese Probleme gilt, dass sie voraussichtlich abnehmen werden, je weiter sich die örtlichen Finanzsektoren entwickeln. Aber es wird lange dauern. Weil bisher Risiken Investoren abschrecken, wäre es sinnvoll, wenn die Politik jetzt eingreifen würde. Da es kaum möglich wäre, alle Einzelrisiken separat zu behandeln, empfiehlt DeRisk ein Rund-um-Konzept, das alle Risikokategorien von Entwicklungsinvestitionen abdeckt. Wie in der aktuellen Euro-Krise deutlich wird, können kreditwürdige Garantiegeber die Bereitschaft von Investoren, Geld zur Verfügung zu stellen, beflügeln. Wenn die Politik Investitionen fördern will, die für die Entwicklung hochrelevant sind, sollte sie einen Garantierahmen schaffen, der alle Standard­risiken abdeckt.

Es gibt dafür auch schon ein Beispiel: GuarantCo. Dessen Garantierahmen dient dazu, privat­e Investitionen in die Infrastruktur von Entwicklungsländern durch die Absicherung von Währungs- und anderen Risiken zu fördern. GuarantCo gehört den Mitgliedern der Private Infrastructure Development Group, einem Zusammenschluss mehrerer Geber. Daran beteiligt sind Großbritannien, die Schweiz, die Niederlande, Schweden, Österreich und die Weltbank.

Weitere solche Hilfen wären sehr nützlich. Auf diese Weise würde die Politik Versicherungsmodelle unterstützen, die investiertes Kapital schützen, wenn irgendetwas mit dem Geschäft schiefläuft. Würde so ein Instrument von Entwicklungsfinanzinstitutionen wie der KfW Bankengruppe oder der IFC, dem Privat­sektorarm der Weltbank, unterstützt, könnte sie von deren guter Bonität profitieren. Dadurch würde erhebliches zusätzliches Kapital für Entwicklungsinvestitionen erschlossen.

Der Hauptvorteil dieses Ansatzes ist, dass er aus Sicht individueller Anleger und der Gremien institutioneller Investoren entwicklungsrelevante Geschäfte effektiv risikofrei machen würde. Der große Nachteil allerdings bleibt die hohe Komplexität. Deshalb muss letztlich eine spezialisierte neue Versicherungsgesellschaft oder Garantie-Institution geschaffen und gemanagt werden.