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Rechtssicherheit

Gewalt gegen Indigene

von Emmalyn Liwag Kotte

In Kürze

Lumad-Demonstration in Manila im Oktober.

Lumad-Demonstration in Manila im Oktober.

Während die meisten Menschen in den Philippinen katholisch sind, herrscht auf der im Süden gelegenen Insel Mindanao der Islam vor. Es gibt dort aber auch indigene Völker, die keiner der beiden Weltreligionen angehören. Diese Völker werden als Lumad bezeichnet und stellen die wohl am stärksten marginalisierte Gruppe des Inselstaates dar. Ihre Rechte werden häufig etwa im Zusammenhang mit der Förderung von Rohstoffen oder bei der Bekämpfung der Rebellen auf Mindanao verletzt.

"Es gibt praktisch keine sozialen Leistungen für die meisten Lumad-Gemeinschaften", sagt Victoria Tauli-Corpuz, UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker. Ein Dorf, das sie kürzlich besucht habe, habe zum Beispiel keine Schule. "Die Kinder müssen sieben Kilometer zu Fuß zur Grundschule in ein anderes Dorf gehen." Die meisten Familien betrieben Subsistenzlandwirtschaft und könnten es sich nicht leisten, ältere Kinder in die nächste Stadt zu schicken, wo es weiterführende Schulen gibt. "Niemand aus dem Dorf hat es je auf die Universität geschafft", betont die Philippinerin, die selbst aus einer indigenen Gemeinschaft stammt.

Um diese Probleme anzugehen, habe kirchliche Gruppen wie die Rural Missionaries of the Philippines und verschiedene NGOs den Lumad-Gemeinschaften geholfen, Schulen zu bauen. Ein Beispiel dafür ist das Alternative Learning Center for Livelihood and Agricultural Development (ALCADEV) in der Stadt Lianga.

Dessen Geschäftsführer, Emerito Samarca, wurde am 1. September von einer paramilitärischen Gruppe ermordet, wie Tauli-Corpuz auf der 31. Jahrestagung der Ökumenischen Philippinenkonferenz im Oktober in Bonn berichtete. Am gleichen Tag und im gleichen Dorf seien Dionel Campos und Bello Sinzo, zwei weitere prominente und politisch aktive Indigene umgebracht worden. Tauli-Corpuz ist sicher, dass die Täter die Unterstützung staatlicher Sicherheitskräfte hatten.

ALCADEV wurde 2004 gegründet, um indigenen Jugendlichen im Osten Mindanaos weiterführende Schulbildung zu bieten. Die nichtstaatliche Institution ist vom philippinischen Bildungsministerium anerkannt und hat mehrere Preise für ihre besonders guten Lehrpläne gewonnen. Wie andere nichtstaatliche Schulen in der Gegend auch klärt ALCADEV seine Schüler und die Gemeinschaften, aus denen sie kommen, über ihre Rechte auf und hilft ihnen, ihr angestammtes Land zu verteidigen.

Aufgrund verschiedener Bergbauprojekte sind Landrechte in der Region ein konfliktträchtiges Thema. Tauli-Corpuz glaubt, dass die philippinische Regierung Schulen wie ALCADEV nicht weiter dulden will, weil sie die Menschen angeblich zu Kommunisten machten.

Laut der UN-Sonderberichterstatterin geht die Regierung verstärkt gegen Aufständische auf Mindanao vor. Ihre Einsätze träfen aber alle: die Kirche, NGOs und sogar Staatsbedienstete, die im Verdacht stehen, mit den linken Rebellen zu sympathisieren. Der Armee wurde erlaubt, nichtstaatliche Schulen für Lumad-Kinder zu besetzen. Vor diesem Hintergrund geschähen Morde wie bei ALCADEV, sagt Tauli-Corpuz. In der Folge seien mehr als 4000 Lumads geflohen und lebten jetzt in Zelten in einem Auffanglager in der Provinzhauptstadt Tandag City.

Die UN-Sonderberichterstatterin hat Aussagen von Angehörigen der Opfer gesammelt. Demzufolge wurden die Morde von Menschen aus ihrer eigenen Gemeinschaft begangen, die zu einer paramilitärischen Gruppe namens Magahat Bagani gehörten. Früher seien sie Rebellen gewesen, hätten sich aber ergeben und seien dann von der Armee rekrutiert, bezahlt und mit Waffen ausgestattet worden. Lumad-Angehörige erzählten Tauli-Corpuz, sie hätten vor den Morden Regierungssoldaten zusammen mit Magahat-Bagani-Mitgliedern gesehen. Regierungsvertreter bestreiten jedoch jegliche Verbindung zu Magahat Bagani. Die Behörden haben versprochen, Untersuchungen des Vorfalls zu unterstützen.

Unterdessen haben sich mehrere hundert Lumads, Bauern und Menschenrechtsaktivisten aus verschiedenen Teilen Mindanaos auf den Weg nach Manila gemacht und dort für die Rechte ihrer Gemeinschaften demonstriert. Sie fordern unter anderem den Abzug von Regierungstruppen und Milizionären aus ihren Dörfern und Schulen.

Emmalyn Liwag Kotte

 

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