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Unbezahlbarer Luxus

von D+C | E+Z
Die Achtung von Frauenrechten zahlt sich wirtschaftlich aus. Die Weltbank-Tochter International Finance Corporation unterstützt die Stärkung von Unternehmerinnen in Entwicklungsländern.

[ Von Rachel Kyte ]

Kein Entwicklungsland kann sich beim Aufbau seiner Wirtschaft den Luxus leisten, seine unternehmerische Kapazität zur Hälfte ungenutzt zu lassen. Doch die Hindernisse für wirtschaftliches Engagement von Frauen und für den Aufbau ihrer Unternehmen wirken spürbar negativ auf das Wirtschaftswachstum von Ländern, die sich das am wenigsten leisten können.

Die International Finance Corporation (IFC) – der für den Privatsektor zuständige Arm der Weltbank – versucht die Politik zu ändern, die diese Ungleichheit fördert, und zeigt, wie sowohl Unternehmerinnen als auch der Finanzsektor und die Wirtschaft von einer politischen Neuausrichtung profitieren könnten. Das IFC-Programm „Gender, Entrepreneurship and Markets“ (GEM) konzentriert sich auf praktische Maßnahmen, die das Verhalten und die Einstellungen von Menschen verändern können.

Der fehlende Zugang zu Finanzdienstleistungen gilt als eines der größten Hindernisse für Frauen auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Das GEM zeigt den Banken in Schwellen- und Entwicklungsländern deshalb, dass es einen potenziellen Markt von Unternehmerinnen gibt, die von Banken vernachlässigt werden.

In den meisten Weltregionen sind die meisten Kleinunternehmer Frauen, von denen die große Mehrheit im informellen Sektor arbeitet. Sie leisten einen beträchtlichen Beitrag für ihre jeweiligen Volkswirtschaften, haben jedoch kaum Zugang zu zuverlässigen Finanzdienstleistungen. Das trifft selbst auf diejenigen Frauen zu, die bereits erfolgreich als Kleinunternehmerinnen arbeiten und für den Ausbau ihrer Betriebe Kapital und andere Geschäftsdienstleistungen benötigen.

Das Problem ist zweifacher Art: Zum einen fehlen den Banken Erfahrungen mit diesem Marktsegment. Zum anderen gibt es spezifische Hindernisse für Frauen in Bezug auf ihre Kreditwürdigkeit und andere ökonomische Aktivitäten, die auf ihrer geschlechtsbedingten sozialen Stellung beruhen. In Ländern, in denen Frauen nur begrenzt Ressourcen und Land besitzen können, sind auch ihre Möglichkeiten eingeschränkt, Kredite aufzunehmen. In vielen Ländern besitzen Frauen zwar andere Arten von Vermögen – bewegliches Eigentum wie Schmuck und andere Haushaltsobjekte – oder können auf die vorbildliche Rückzahlung im Rahmen anderer Mikrofinanz- und Kreditprogramme verweisen. Aber Zugang zu Kapital verschafft ihnen das in der Regel nicht.

Frauen fehlt auch der Zugang zu anderen unterstützenden Unternehmensdienstleistungen – wie etwa Aus- und Weiterbildung, Hilfe beim Marketing, bei der Qualitätskontrolle und anderen Elementen der unternehmerischen Planung. Es geht um Entwicklung

Warum sich um Menschen ohne Bankzugang bemühen? Sollte der Markt nicht einfach die Starken fördern, damit sich am Ende die wirtschaftliche Lage für alle verbessert? Frauen machen 70 Prozent der weltweit Armen aus, die von weniger als einem US-Dollar am Tag leben. Für die langfristige Entwicklung ist es notwendig, Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Finanzdienstleistungen zu geben. Drei Punkte sprechen dafür:
– Unternehmerinnen schaffen mit größerer Wahrscheinlichkeit Beschäftigungsmöglichkeiten für andere Frauen;
– Frauen verwenden zusätzliches Einkommen eher als Männer zur Armutsbekämpfung im Haushalt sowie zur Verbesserung von Ernährung und Ausbildung ihrer Kinder; und
– ein besserer Kreditzugang und mehr wirtschaftliche Macht für Frauen verbessern die Lebensbedingungen eines breiten Bevölkerungsquerschnitts.

Die Benachteiligung von Frauen ist die für das Wirtschaftswachstum schädlichste Art von Ungerechtigkeit. Studien haben gezeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stärker wächst, wenn Frauen am Markt teilnehmen. Das Gender and Growth Assessment, das IFC GEM und Weltbank in Uganda durchgeführt haben, zeigt, dass das Land zwei Prozent Wachstum pro Jahr verschenkt hat, weil die Politik die volle Teilnahme von Frauen an der Wirtschaft behindert.

Seit Dezember 2004 arbeitet das IFC GEM daran, den Zugang von Unternehmerinnen zu Kapital zu verbessern – meistens in Partnerschaft mit lokalen Banken. Das Programm hat ein Modell entwickelt, örtliche Banken mit Krediten zu versorgen, ergänzt durch Beratung bei der Schaffung von frauenfreundlichen Finanzprodukten. Die örtlichen Banken wiederum erweitern mit dem Geld den Kreditrahmen insbesondere für Unternehmerinnen und bieten ihren Kundinnen eine Reihe von Wirtschaftstrainings an. Das Programm der IFC arbeitet hauptsächlich in Afrika und dem Nahen Osten.

Nigeria: In Nigeria hat das GEM mit einem der führenden Geldhäuser des Landes, der Access Bank, kooperiert und ihr einen Kredit in Höhe von 15 Millionen US-Dollar für die Ausweitung des Kreditrahmens für Unternehmerinnen zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld konnte die Access Bank als eine der ersten Banken in Afrika Kreditlinien eigens für Frauenunternehmen einrichten. Gleichzeitig lieferte das IFC GEM der Bank umfassende Hilfe und Weiterbildung, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, den weiblichen Markt zu erschließen.

Tansania: Ein IFC-Kredit in Höhe von fünf Millionen Dollar machte die Exim Bank zum ersten tansanischen Finanzinstitut, das Kreditlinien für Unternehmerinnen einrichtete. Für die Exim Bank ist das eine Gelegenheit, ein zuvor von Banken unerschlossenes Marktsegment mit Dienstleistungen zu versorgen. Angesichts der wachsenden Konkurrenz im tansanischen Finanzsektor ist dies für die Exim Bank eine Möglichkeit, sich von anderen Institutionen abzuheben.

In Tansania besitzen nur wenige Frauen Land, was aber häufig als Sicherheit für Kredite verlangt wird. Bankangestellte nehmen Kreditanträge von Frauen oft nicht ernst. Frauen kommen zwar leichter an Mikrokredite, aber die maximale Kredithöhe ist oft zu niedrig und die Laufzeit zu kurz. Und Unternehmerinnen mit mittelgroßen Betrieben mangelt es nicht selten an hinreichenden Wirtschaftskenntnissen und Finanzen, um ihre Firmen auszubauen.

Uganda: Mit Hilfe der IFC startete die dfcu-Gruppe in Uganda ein Programm „Women in Business“, erweiterte dadurch die Kreditvergabe an ugandische Unternehmerinnen und koppelte sie an die Vermittlung wirtschaftlicher Kenntnisse. Die IFC hat der dfcu einen Kredit in Höhe von sechs Millionen US-Dollar gegeben, von denen zwei Millionen Dollar für das „Women in Business“-Programm vorgesehen sind.

Obwohl ugandische Frauen etwa 40 Prozent der Privatunternehmen des Landes besitzen, machen sie nur neun Prozent bei der Kreditvergabe aus. Auch hier ist ein Haupthindernis für Unternehmerinnen, dass sie kein Land besitzen, denn Banken verlangen das in der Regel als Sicherheit. Außerdem haben sie kaum Zugang zu Fortbildung in Finanzmanagement und oft nur wenig Erfahrungen im Umgang mit Banken.

Ägypten: Die Commercial International Bank (CIB) betreibt ein Programm mit dem Titel „Outreach to the women’s market“. Das IFC GEM ist ein integraler Bestandteil der an Banken gerichteten IFC-Beratung über kleine und mittlere Unternehmen, in deren Rahmen unter anderem die Kapazitäten der CIB gefördert werden.

Ägypten ist darüber hinaus ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmerinnen durch Maßnahmen außerhalb des Finanzsektors gefördert werden können. Die vom IFC unterstützte Initiative für eine nachhaltige Entwicklung der Siwa-Oase enthält eine Reihe von kommerziellen Projekten zur Erhaltung des empfindlichen Umweltgleichgewichts und der Kultur des bedrohten Ökosystems. Zum Projekt gehört die Förderung des Kunsthandwerks: Über 200 Frauen wurden mit Fähigkeiten ausgestattet, durch die ihre Produkte von der internationalen Haute Couture verkauft werden können.

Agenda für die Gleichberechtigung

Seit Jahrzehnten betont die internationale Gemeinschaft die Notwendigkeit, die Gleichberechtigung von Frauen und ihre ökonomische Rolle zu stärken. Jetzt können wir der Forderung nach Achtung von Frauenrechten harte wirtschaftliche Beweise hinzufügen: Banken müssen wachsen, und den größten unerschlossenen Markt bilden Frauen. Unternehmerinnen mit Zugang zu Unternehmensdienstleistungen stellen ein gutes Risiko dar. Frauen, die ihre Geschäfte zum Wachsen bringen, investieren ihr Einkommen in ihren Gemeinschaften und beschäftigen weitere Frauen, die das Gleiche tun und ihr Geld zum Wohle ihrer Familien und Gemeinschaften arbeiten lassen. Es bedarf gleicher Rechte, kluger Politik und kluger Kreditgewährung, damit Unternehmerinnen ihre Macht nutzen können.

Vier Banken, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für ihre Methoden zur Erschließung des weiblichen Marktes in ihren Ländern ausgezeichnet wurden, gründeten im Jahr 2000 die „Global Banking Alliance for Women“ (GBA). Die mittlerweile 15 GBA-Mitgliedsbanken suchen und verbreiten weltweit herausragende Beispiele zur Förderung des Kapitalzugangs von Frauen, um das wirtschaftliche Wachstum von Unternehmerinnen zu beschleunigen.

Banken aus Großbritannien, den USA, Kanada und Australien/Neuseeland haben die Allianz gegründet, die hinzugekommenen Mitglieder sind aus Afrika, dem Nahen Osten, Lateinamerika, Australasien und Nordamerika. Das GBA-Sekretariat ist bei der IFC. Es wäre durchaus richtig, die GBA als eine internationale Frauenrechtsbewegung zu bezeichnen.