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Energie

Warum Biogas gut für die Umwelt ist

von Farai Shawn Matiashe

Hintergrund

Rauchfreie Kochfeuer sind für die Gesundheit von Kumbirai Mapfumo besser.

Rauchfreie Kochfeuer sind für die Gesundheit von Kumbirai Mapfumo besser.

Die Herstellung von Biogas ist teuer. Das hat Simbabwes Bemühungen, diese erneuerbaren Energiequelle zu fördern, ausgebremst. Eine neue, günstigere Technologie, die vorhandenes Material nutzt, will dieses Problem lösen.

Seit fast zehn Jahre propagiert Simbabwe mit einem eigenen Programm die Nutzung von Biogas als verfügbaren und umweltfreundlichen Treibstoff. Biogas ist eine Mischung von Gasen, die beim Abbau organischer Materie freigesetzt werden. Vor fünf Jahren startete die Regierung mit zwei niederländischen Entwicklungsorganisationen ein Drei-Millionen-Dollar-Projekt, um landesweit Biogasanlagen zu errichten.

Doch aufgrund der hohen Kosten von Biogasaufbereitungsanlagen, den sogenannten Fermentern, war die Akzeptanz gering. Laut Untersuchungen von Jane Kaifa und Wilson Parawira von der Bindura-Universität in Simbabwe wurden bis 2019 nur etwa 711 Anlagen für Haushalte, Gemeinden und Institutionen gebaut.

Seit Anfang vergangenen Jahres bemüht sich ein Entwicklungsprojekt unter Leitung der humanitären Organisation Care International Zimbabwe, das Biogasprogramm in Schwung zu bringen, indem es kostengünstige Fermenter anbietet. Sie bauen sie für nur 250 Dollar aus verfügbaren Materialien wie alten Metallfässern. Aktuell kosten Anlagen für zu Hause 800 Dollar und solche für Einrichtungen 2000 Dollar. Biogas wird durch anaerobe Vergärung erzeugt, das heißt, indem organische Stoffe wie Lebensmittel oder tierische Abfälle von Mikroorganismen unter Sauerstoffausschluss abgebaut werden.

„Das Teuerste an den Fermentern sind tatsächlich die Fässer. Die sind aber selbst in abgelegenen Gegenden gut erhältlich“, sagt Wishborne Mandhlazi von Care International. „Manchmal gibt es die Fässer sogar kostenlos, besonders in Bergbaugebieten, wo sie zur Lagerung von Chemikalien genutzt werden.”

Das Biogasprojekt ist Teil einer größer angelegten Langzeit-Entwicklungsinitiative zum Aufbau lokaler Kapazitäten des Fonds zur Stärkung der Resilienz in Simbabwe. Das Programm „Enhancing Community Resilience and Inclusive Market Systems” (ECRIMS) wird federführend von Care International Zimbabwe geleitet.

Bis Juli 2020 stattete das Projekt 40 ländliche Haushalte in der Midlands-Provinz im Süden Simbabwes mit kostengünstigen Fermentern aus; 200 Haushalte sollen es insgesamt werden. Das Projekt konzentriert sich derzeit auf die Distrikte Zvishavane und Mbwerengwa in der Provinz Midlands. In der Region gibt es reichlich organisches Material in Form von Kuhdung. Eine Kuh produziert etwa zehn Kilogramm Dung pro Tag, der in 400 Liter Biogas umgewandelt werden kann. Zum Kochen mit Biogas braucht es zwischen 150 und 300 Liter pro Person und Mahlzeit.

Einen Fermenter in der Nähe zu haben spart Zeit und Mühe. Die in Zvishavane lebende Kumbirai Mapfumo muss zum Kochen nicht mehr nach Feuerholz suchen. „Ich kann jetzt mit einem Biogasofen Essen kochen, das funktioniert einfach und zuverlässig“, sagt sie. „Den Dung hole ich auf der Weide.” Den gibt es auf dem Land umsonst. Zudem werden die nahe gelegenen Wälder geschützt. „Feuerholz nutzen wir nur noch selten“, sagt Tembalenkosi Hove aus Mbwerengwa.

In einem nächsten Schritt im ECRIMS Biogasprojekt lernt die Landbevölkerung Simbabwes, ihre eigenen Billig-Fermenter zu installieren, indem sie den Instruktionen derer folgt, die ihre Systeme bereits eingerichtet haben. „Einige Einheimische zeigen schon Interesse“, sagt Mandhlazi. „Wir schulen sie darin, wie die Anlagen zu installieren sind. Dann können sie nach Abschluss des Projekts anderen helfen.“

Laut dem Leiter der Energiebehörde von Simbabwe, Edington Mazambani, plant die Regierung, die Biogastechnologie landesweit zu fördern. „Mit der Nationalen Richtlinie für Erneuerbare Energien fördert sie den Einsatz von Technologien für erneuerbare Energien, inklusive Biogas“, sagt er. „Biogas ist eine bewährte Technologie, auf die sich ländliche Gemeinden verlassen können.“

Für und Wider

Biogasbefürworter betonen, der Brennstoff sei sauber und erzeuge beim Kochen weniger Schadstoffe als die meisten anderen Brennstoffe. Auch die Biogaserzeugung ist umweltfreundlich – ein Beispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft, da sie tierischen Abfall in nutzbare Energie umwandelt.

„Biogas ist eine erneuerbare und saubere Energiequelle,” sagt Mandhlazi. Das durch Biovergärung erzeugte Gas belastet die Umwelt nicht. Gas aus Abfällen als Energie zu nutzen ist ein guter Weg, die globale Erhitzung zu bekämpfen. Die anaerobe Vergärung deaktiviert Krankheitserreger und Parasiten und verringert so das Auftreten von durch Wasser übertragenen Krankheiten.

Nebenprodukt der Biogaserzeugung ist eine angereicherte organische Verbindung. Das so genannte Gärgut ergänzt oder ersetzt chemische Dünger. Laut Mandhlazi können die Gärreste Pflanzenwachstum und Resistenz gegen Krankheiten beschleunigen, während chemische Dünger die Umwelt schädigen können. Werden organische Abfälle nicht gesammelt, können giftige Flüssigkeiten in unterirdische Wasserquellen abfließen und Böden und Wasser verschmutzen.

„Verglichen mit frischem Erdgas, das durch Erdbohrungen gewonnen wird, ist Biogas eindeutig die nachhaltigere Option“, schreiben Tim Juliani und Pete Pearson vom World Wildlife Fund in einem Blogbeitrag. „Biogas hat noch weitere Vorteile,” ergänzen sie. „Die Beseitigung der reichlich vorhandenen Gülle und Lebensmittelabfälle aus der Umwelt verhindert Stickstoffverschmutzung und den Abfluss in die Gewässer.”

Ein Risiko, dass Menschen, die mit den Gärresten umgehen oder damit gedüngte Pflanzen essen, sich über die Gülle mit Keimen infizieren, bestehe aber, sagt Benson Kibiti, Sprecher der Energieinitiative Power for All der indischen Regierung. „Das Potenzial für Biogas in Afrika ist aber groß – als Kochbrennstoff wie auch für netz­unabhängige Elektrifizierungssysteme“, ergänzt er. Aber wie bei anderen Energieerzeugungsanlagen sind auch bei Betrieb und Wartung der Biogasanlagen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.


Farai Shawn Matiashe ist freier Journalist in Mutare, Simbabwe.
[email protected]

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