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AWAJ-Foundation

Neuartige Bewegung der Arbeitnehmerinnen

von Marianne Scholte

In Kürze

Die Rana-Plaza-Katastrophe sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Die Rana-Plaza-Katastrophe sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Bangladesch exportiert mehr Kleidungsstücke als jedes andere Land abgesehen von China. Die Branche beschäftigt mehr als 3,5 Millionen Menschen – vor allem Frauen – und sorgt indirekt für weitere Millionen Arbeitsplätze. Ihr Ruf leidet aber unter Bränden, Unfällen und anderen Missständen. Breites öffentliches Interesse fanden der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes im April 2013 und der Brand bei Tazreen Fashions im November 2012.

In beiden Fällen waren geltende Gebäude- und Brandschutzbestimmungen fahrlässig missachtet worden. Das Tazreen-Feuer brach in einem illegalen Lagerraum im Erdgeschoss aus und ergriff dann die oberen Stockwerke. Die Geschäftsführung befahl, dennoch weiterzuarbeiten, und ließ sogar die Türen abschließen. Notausgänge gab es nicht.

Rana Plaza war ein achtstöckiges Gebäude in einem Vorort von Dhaka. Die Baugenehmigung ließ aber nur fünf Stockwerke zu. Die Struktur war dem Gewicht und den Vibrationen großer Maschinen nicht gewachsen. Ein Tag vor der Katastrophe traten Risse in Betonpfeilern auf. Der Filialleiter der BRAC-Bank im Erdgeschoss gab seinen Mitarbeitern deshalb frei. Die Textilarbeiterinnen mussten aber ihre Schicht antreten. Rund 1200 starben. In beiden Fällen war Missachtung des Rechts ein Grund der Katastrophe.

Die traditionellen Gewerkschaften Bangladeschs kümmern sich um Transport, Banken und den Staatsdienst.  Sie werden von Männern dominiert und haben in der Textilwirtschaft, in der vor allem Frauen arbeiten, kaum Fuß gefasst.

2003 gründete Nazma Akter die AWAJ-Foundation, um Arbeitnehmerinnen juristisch zu beraten und zu unterstützen.  Die Stiftung betreibt 18 Cafés, in denen müde Kolleginnen nach Feierabend auf einen Tee vorbeischauen können, aber auch juristischen Rat und sogar manche medizinische Dienstleistungen bekommen. AWAJ bietet eine ganze Palette von formalen und informellen Trainings an. In einem Café gibt es seit kurzem auch eine Kinderbetreuung.  

Akter findet, dass Frauen Führungsrollen bei der Vertretung der Textilbelegschaften übernehmen müssen. Ihre Stiftung bildet sie dafür aus. Es geht um Rechtsfragen, aber auch um Kommunikations- und Verhandlungstechniken sowie um Führungskompetenzen. Das Ziel ist, Frauen in die Lage zu versetzen, in den Betrieben Dinge wie korrekte Löhne, Überstundenbezahlung, Urlaub und Mutterschutz durchzusetzen.   

Akter will so die Grundlage für eine neue Art von Arbeitnehmerinnenbewegung schaffen. Als nach Rana Plaza die gewerkschaftliche Arbeit erleichtert wurde, sind denn auch viele von AWAJ geförderte Frauen in den Betrieben aktiv geworden und organisieren nun Kolleginnen. (ms)

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