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Humanitäre Hilfe

Wünsche und Visionen

von Sabine Balk

Meinung

Eine Grundschule in einem Flüchtlingslager im Tschad, in das Menschen aus dem Sudan geflohen sind.

Eine Grundschule in einem Flüchtlingslager im Tschad, in das Menschen aus dem Sudan geflohen sind.

Ein neues Jahr beginnt für viele Menschen mit guten Vorsätzen und Wünschen. Die Menschen in Europa und Nordamerika wünschen sich meist ein gesünderes neues Jahr und mehr Zufriedenheit. Sie streben danach, abzunehmen oder ein achtsameres Leben zu führen. Menschen in Kriegs- und Krisenregionen wie im Jemen und in Syrien wünschen sich wohl nichts sehnlicher als ein friedliches und ruhiges Leben und einen gewöhnlichen Alltag. Inwieweit Wünsche in Erfüllung gehen können, hängt auch davon ab, wieweit man sie selbst beeinflussen kann.

Elhadj As Sy, der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), hat auf der Website des britischen Guardian ebenfalls eine Wunschliste für 2018 formuliert, der ich nur zustimmen kann und die ich für umsetzbar halte. Sy vermisste in den vergangenen Monaten politische Führungsstärke und Mut, um menschliches Leiden zu lindern. Man könnte wohl auch fehlendes Interesse, fehlende Spendenbereitschaft und fehlende politische Visionen als Gründe hinzufügen.

Dabei brauche die Welt unbedingt Lösungen für die globalen Krisenherde, schreibt Sy und macht selbst Vorschläge. Sein größter Wunsch sei der nach mehr Bildung für die in Notsituationen feststeckenden Kinder. Sie dürften „nicht der Chance beraubt werden, ihre Welt von morgen mitzugestalten“. Leider würden von den geschätzten 462 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren, die in Kriegs- und Krisenregionen lebten, 75 Millionen keine adäquate Schulbildung erhalten. Als Beispiel nennt Sy die vielen aus Myanmar vertriebenen Rohingya-Kinder. Auch die Mädchen und Jungen im Jemen und in Syrien, die in Flüchtlingslagern leben, dürfen nicht vergessen werden.

Sy fordert, Bildung bei humanitären Maßnahmen von vornherein Priorität einzuräumen und nicht erst im Nachhinein zu berücksichtigen. Die Bildungsmaßnahmen müssten speziell den traumatischen Erfahrungen der Kinder Rechnung tragen und die vermeintlichen Heilsversprechen extremistischer Gruppen als Irrweg entlarven. Der Unterricht sollte außerdem humane Werte wie die Menschenrechte vermitteln, um ethnischen und religiösen Hassgefühlen entgegenzuwirken. Sy hat mit dieser Forderung recht, denn Bildung ist die von Forschern als am wichtigsten betrachtete Maßnahme, um Entwicklung in armen Ländern voranzutreiben. Bildung setzt bei den Jüngsten der Gesellschaft an und hat das Potenzial, einen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Nicht umsonst beanspruchen autoritäre Regime die Hoheit über den Unterrichtsstoff an Schulen. Sie wollen selbständiges Denken und Gegenmeinungen im Keim ersticken.

Den Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern und Krisenregionen eine Bildung mit modernen, freiheitlichen und humanen Werten zu vermitteln, ist wohl die beste Zukunftsinvestition – auch im Hinblick auf eine Rückkehr in die Heimat.

Der zweite große Wunsch Sys, dass sich die Weltgemeinschaft 2018 ernsthaft für Gesundheitskrisen rüsten soll, ist genauso wichtig. Er schreibt, dass das Aufkommen unbekannter oder vergessener Krankheiten wie Ebola, Zika, Gelbfieber oder der Pest einen öffentlichen Gesundheitsnotstand offenbart. Schwache Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern und dramatische wirtschaftliche Ungleichheit sind die Haupt­ursachen. Beide Themen sind miteinander verwoben. Ein starkes öffent­liches Gesundheitssystem ist ein Pfeiler, um Ungleichheit zu bekämpfen. Arme Länder können diese Systeme mit eigenen Mitteln und Know-how nicht schaffen. Auch hier brauchen sie, wie im eben angesprochenen Bildungsbereich, die Unterstützung der reichen Länder. Für die Weltgemeinschaft ist es existenziell wichtig, dass Sy gehört wird und es nicht bei frommen Wünschen bleibt.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
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